Polymerpreise Technische Thermoplaste Oktober 2026
- Schwache Nachfrage bremst Aufschlagsforderungen spürbar
- Wenig Dynamik in den Anwendungsmärkten
- Trend zu höheren Preisen bleibt intakt
Mit dem Quartalswechsel waren allgemein Preisabwertungen erwartet worden. Doch dazu kam es nicht: Erzeuger wie Compoundeure versuchten mit aller Macht, die Notierungen dreistellig in die Höhe zu treiben. Sie begründeten dies mit stark gestiegenen Kosten für Energie und Logistik. Die Nachfrage war aber weiterhin so schwach, dass dies nur in Teilen gelang. Hinzu kamen Zugeständnisse der Erzeuger bei den beginnenden Jahreskontraktgesprächen, um die Verarbeiter nicht vollends zu verärgern.
Gegen Ende des Jahres und bei steigenden Kosten hielten sich Verarbeiter mit Bestellungen zurück und kauften nur, was sie wirklich dringend benötigten. Die Sorge um Verfügbarkeiten hat deutlich nachgelassen. Insgesamt bewegt sich das Jahr mit großen Schritten seinem Ende entgegen. Nur vereinzelt sehen Verarbeiter aufkeimende Nachfrage.
Im November werden Anbieter erneut versuchen, ihre höheren Kosten an den Markt weiterzureichen. Dies wird ihnen ein weiteres Mal nicht zur Gänze gelingen können, da die Nachfrage dafür noch immer zu schwach erscheint.
Polymerpreise Standard Thermoplaste Oktober 2026
- Überangebot und schwache Nachfrage erschweren Erzeugern die Umsetzung von Preiserhöhungen
- Deutliche Kaufzurückhaltung der Verarbeiter
- Produzenten leiden unter hohen Kosten
PE: Der Markt für Polyethylen tendierte im Oktober so uneinheitlich wie lange nicht mehr. Erzeuger versuchten, ihre Margen zu schützen und gestiegene Kosten für Ethylen (+80 EUR/t) sowie Energie und Logistik zumindest in einigen Verhandlungen an die Verarbeiter weiterzugeben. Dies war jedoch zumeist nicht erfolgreich, da viele Einkäufer auf die hohen Forderungen mit deutlicher Kaufzurückhaltung reagierten. Erst ab der Monatsmitte stiegen die Orders nochmal etwas an, als sich die Zeichen für weitere Aufschläge verdichteten. Grundsätzlich herrscht für alle Qualitäten am Markt ein flächendeckendes Überangebot. Bei manchen Typen reicht dafür allein der Ausstoß der europäischen Produktion. Bei einigen Materialien wird dies jedoch durch Importe vor allem aus den USA deutlich gefördert. Die Aussichten – kurz-, mittel- und langfristig – sind vor allem von Unsicherheiten geprägt. Viele Betriebe werden lange Weihnachtsferien machen und müssen daher den Lagerabbau im November vorantreiben. Da ist es wenig wahrscheinlich, dass Erzeuger, die abermals versuchen werden, gestiegene Kosten einzupreisen, mit ihrem Ansinnen Erfolg haben werden – zumal auch die Jahresgespräche auf Hochtouren laufen.
PP: Es war wohl ein herber Oktober für alle Akteure des Polypropylen-Marktes. Den Anfang machte der Propylen-Kontrakt, der mit einem satten Aufschlag von 80 EUR/t fixiert wurde. Dies sowie gestiegene Energie- und Logistikkosten drängten Erzeuger dazu, deutliche Preiserhöhungen zu fordern. Die Verarbeiter hatten jedoch an einer bescheidenen Auftragslage zu knabbern – zumal auch sie unter der sprunghaften Verteuerung von Strom und Logistik litten. Erschwerend für die Verkaufsseite kam hinzu, dass der Markt mehr als ausreichend versorgt war. Auch wenn die Anlagendrosselungen in Europa andauerten und sich der Zustrom von Importen schwach gestaltete – die Bedarfe waren schwächer. Letzten Endes konnten die PP-Produzenten ihre Preisvorstellungen immerhin teilweise durchsetzen. Ob sich die Situation im November wiederholt, darf bezweifelt werden. Propylen verteuerte sich erneut um 80 EUR/t. Die Nachfrage wird jedoch wohl keine Impulse mehr erfahren. Denn auch wenn beispielsweise eine erneute Eskalation im Nahen Osten die C3-Spotpreise in die Höhe treiben sollte, so planen gegenwärtig viele Verarbeiter, ihre Lagerbestände abzubauen. Ein weiterer Aspekt, der ebenfalls gegen eine Verteuerung spricht, ist, dass viele Jahresgespräche in die finale Phase eintreten.
PVC: Die PVC-Preise zogen im Oktober an. Der um 80 EUR/t gestiegene Ethylenkontrakt und die höheren Energie- und Logistikkosten hatten einzelne Erzeuger zu Forderungen von bis zu 150 EUR/t veranlasst. Angesichts des Überangebots und der schwachen Nachfrage kam der Großteil der Abschlüsse jedoch mit Aufschlägen von 40 bis 60 EUR/t zustande. Wie angespannt die Lage für die europäischen PVC-Erzeuger inzwischen ist, zeigt die angekündigte Produktionsunterbrechung bei Vynova. Wegen der hohen Energiekosten will das unter Gläubigerschutz stehende Unternehmen in den nächsten Wochen zunächst die Vorprodukterzeugung im belgischen Tessenderlo und anschließend die PVC-Produktion im französischen Mazingarbe vorübergehend herunterfahren. Wann die Anlagen wieder anlaufen, ist offen. Auch handelspolitisch gab es Bewegung: Im laufenden Anti-Dumpingverfahren gegen PVC-Einfuhren aus China, Südkorea, Mexiko und Taiwan hat die EU mit der Registrierung der Importe begonnen. Damit könnten mögliche Ausgleichszölle unter bestimmten Voraussetzungen auch nachträglich auf die registrierten Einfuhren erhoben werden. Derweil bleibt der Kostendruck hoch: Am niederländischen Gashandelsplatz TTF erreichten die Notierungen zeitweise rund 100 EUR/MWh, am deutschen Strom-Spotmarkt wurden sogar Preise von mehr als 500 EUR/MWh verzeichnet. Hinzu kommt, dass auch der Ethylenkontrakt im November weiter anziehen dürfte. Ein neuerlicher Versuch der Erzeuger, die gestiegenen Kosten an die Verarbeiter weiterzureichen, ist damit absehbar. Ob sie sich durchsetzen können, bleibt aber fraglich. Zwar könnten einige Verarbeiter mit Blick auf die wenigen Produktionswochen im Dezember noch Mengen vorziehen. Eine nennenswerte Belebung des Geschäfts ist aber auch im letzten vollen Produktionsmonat des Jahres nicht in Sicht. Dagegen spricht auch: Die erwarteten Preisforderungen fallen in die entscheidende Phase der Jahresverhandlungen für 2027, in denen sich viele Abnehmer weitere Preiszugeständnisse erhoffen. Zugleich deutet sich an, dass Verarbeiter im kommenden Jahr wieder stärker auf Kontraktpreise setzen wollen statt auf günstigere Gelegenheiten am Spotmarkt zu spekulieren – dieser dürfte wesentlich schlechter bestückt sein, wenn dann schlussendlich auch asiatische Lieferanten ihr Material aufgrund möglicher Schutzzölle der EU nur mit Aufschlag verkaufen können.
PS: Die Preisaufschläge im Oktober 2026 hatten es in sich: Mehr oder weniger im Gleichklang mit der stark gestiegenen Styrol-Referenz (+279 EUR/t) schossen die Preise für Polystyrol und EPS kräftig nach oben, und auch ABS verteuerte sich im Rahmen der deutlich angezogenen Kompositkosten. Mehrere Produzenten hatten zunächst noch höhere Preisanhebungen gefordert und dabei auf den heftigen Kostenanstieg für Energie verwiesen. Nicht rückwärts integrierte Anbieter hatten zudem noch das Problem, dass sie Styrol sehr teuer über die Spotmärkte beziehen mussten und diese Einkaufskosten ebenfalls berücksichtigen wollten. Jedoch konnten die Erzeuger ihre Forderungen nach Aufschlägen über den Monomerkostenanstieg hinaus aufgrund der schwachen Nachfrage zunächst nicht durchsetzen. Erst als sich die Anzeichen für weitere Preisaufschläge im November verdichteten, wendete sich das Blatt – bei Zusatzbestellungen beharrten viele Produzenten in der zweiten Monatshälfte auf Preiserhöhungen, die bei PS und EPS auch 300 EUR/t und mehr erreichten. Bei PS spielte ihnen zudem der ungeplante Ausfall einer Anlage in Frankreich in die Karten. Im November werden die Preise wohl weiter nach oben tendieren, allerdings nicht so stark wie Marktakteure zeitweise befürchtet hatten. Denn die SM-Referenz legte im November lediglich um 24 EUR/t zu, was bei den Styrolkunststoffen zu allenfalls leichten Preiserhöhungen führen dürfte. Bei ABS werden die Preiserhöhungen wohl etwas höher ausfallen als bei PS und EPS, da sich die ABS-Komponenten Butadien (+75 EUR/t) und ACN (+94 EUR/t) in einem stärkeren Umfang verteuerten als Styrol.
PET: Im europäischen PET-Markt spitzte sich die Situation für die hiesigen Erzeuger zu. Die Kosten für das Vorprodukt PTA zogen um 112 EUR/t (September) und weiter um 13 EUR/t (Oktober) an, die PX-Referenz für Oktober wurde um 20 EUR/t höher bei 1.220 EUR/t fixiert. Zugleich blieb die Nachfrage schwach, und Importe wurden vergleichsweise günstig angeboten. In dieser Klemme litten die europäischen Produzenten. Weitgehende Drosselungen sowie verlängerte und vorgezogene Wartungen milderten die missliche Lage nur wenig. Letztlich mussten sie sich mit kleineren Steigerungen zufriedengeben. Der Kostendruck bei den Erzeugern wird absehbar anhalten. Sie dürften versuchen, möglichst große Teile davon in die Erlöse umzusetzen. Dem werden die weiterhin schwache Nachfrage und günstigere Importalternativen jedoch Grenzen setzen. Allerdings sind zumindest moderate Steigerungen kaum vermeidbar.
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