Technische Thermoplasten
- Überwiegend leichte Abschläge oder Rollover
- Extrem unterschiedliche Preisveränderungen bei PC und PA 6
- Panel erwartet für August insgesamt weitgehend stabile Notierungen
Im Juli 2026 hat sich auf dem Markt der technischen Thermoplaste der Vormonatstrend zu leicht niedrigeren Preisen insgesamt fortgesetzt. Einige Notierungen verharrten auch auf dem Vormonatsniveau. Insbesondere bei Polycarbonat und PA 6.6 gab es allerdings innerhalb des KI-Panels sehr unterschiedliche Preismeldungen – von starken Abschlägen bis hin zu hohen Anhebungen.
Über nahezu alle Werkstoffe war zu beobachten, dass Erzeuger auch bei Reduktionen an dem hohen Preisniveau der Kontrakte festhielten. Preiszugeständnisse wickelten sie über Sondergeschäfte ab, berücksichtigten die abgerufenen Mengen aber in den jeweiligen Kontraktvereinbarungen. Dadurch wird das bisherige System der Kontraktvereinbarungen ausgehöhlt.
Mengen gab es bei allen Werkstoffen genug, da die Nachfrage in der sommerlichen Ferienzeit in allen Bereichen zu wünschen übrig ließ. Diese Tendenz dürfte sich im August fortsetzen, wenn die Urlaubszeit dann große Teile von Europa erfasst. Marktteilnehmer gehen davon aus, dass die Preise für technische Thermoplaste im August wohl wenig Veränderung zeigen werden.
Standard Thermoplaste
- Massiver Einbruch bei etlichen Vorprodukt-Notierungen gibt Richtung vor
- Schwache Auftragslage und hohe Bestände dämpfen zusätzlich
- Kaum Änderungen für August erwartet
PE: Der Sinkflug der Notierungen gewann im Juli an Dynamik. Die Rücknahme beim Vorprodukt Ethylen um 200 EUR/t allein hätte deutliche Preiskorrekturen ausgelöst. Die schlechte Auftragslage, hohe Bestände und vor allem das zuvor stark gestiegene Preisniveau hatten zur Folge, dass die Preise deutlich oberhalb des Monomerrückgangs angepasst wurden. Zur Monatsmitte flammte die Aggression im Iran erneut auf, und mit ihr kam neue Volatilität in den Ölmarkt. Einige Erzeuger schlossen daraufhin die Orderbücher und widerriefen sogar Angebote am Markt. Die Erwartung ist klar: Sie planen, ihre Preise im August wieder anzuheben. Bei der verschwindend geringen Nachfrage bleibt abzuwarten, ob die erwarteten leichten Aufschläge bei Ethylen sich wirklich im Polyethylenmarkt einpreisen lassen. Zumindest stoppte die Entwicklung zwischenzeitlich einen weiteren Preisrutsch.
PP: In den Juli-Gesprächen einigten sich Erzeuger und Verarbeiter darauf, das extrem hohe Preisniveau deutlich nach unten zu korrigieren. Der Abschlag beim Vorprodukt Propylen von 190 EUR/t war dabei nur ein erster Anhaltspunkt, die Rücknahmen bei den Polymeren überstiegen diesen letztendlich erheblich. Der Ausstoß der Compoundeure konnte und kann den Bedarf trotz deutlicher Drosselungen erfüllen. Qualitäten aus Fern- und Nahost sowie erstmals teilweise auch aus den USA reichern das Angebot an. Auch in den kommenden Sommerferien-Wochen wird die Auftragslage aus den Anwendungsmärkten auf sehr niedrigem Niveau verharren. Entsprechend gering dürften die Bestellungen der Verarbeiter ausfallen. Das führt zu teils mehrwöchigen Betriebsferien. Für den August zeichnen sich nur geringe preisliche Änderungen ab. Zwar könnte das etwas teurere Naphtha den Propylenkontrakt etwas fester tendieren lassen, auf die Polymere wird das jedoch kaum durchschlagen. Grund ist die geringe Kauflust wegen der noch immer hohen Preise und der gleichzeitig vollen Lager. In dieser Gemengelage würden selbst weitere deutliche Preisrücknahmen nicht dafür sorgen, dass mehr gekauft wird.
PVC: Der kräftige Rückgang des Ethylenkontrakts um 200 EUR/t hat die PVC-Notierungen weiter auf Talfahrt geschickt. Nach den massiven Verteuerungen der Vormonate nutzten die Verarbeiter die gesunkenen Vorproduktkosten und die schwache Nachfrage im Juli, um zusätzliche Zugeständnisse durchzusetzen. Die Erzeuger hatten dem wenig entgegenzusetzen: Trotz gedrosselter Anlagen blieb der Markt komfortabel versorgt, während gleichzeitig asiatische Importe neue Höchststände erreichten. Marktteilnehmer berichteten zudem von einer überraschend hohen Preisflexibilität mehrerer Produzenten. In der Folge unterschritten die heimischen Spotnotierungen das Preisniveau asiatischer Konkurrenzware. Für August zeichnet sich nur geringer Preisbewegungsspielraum ab. Zwar wird für den Ethylenkontrakt ein Rollover bis hin zu einem moderaten Aufschlag erwartet. Die saisonal schwache Nachfrage im Hauptferienmonat dürfte es den Produzenten jedoch erschweren, höhere Kosten auch nur teilweise am Markt durchzusetzen. Weitere Preiszugeständnisse dürften den Erzeugern wiederum schwerfallen, da zuletzt auch die Energiekosten wieder spürbar angezogen haben und somit die Margen nach nur kurzer Verschnaufpause unmittelbar in Bedrängnis geraten.
PS: Wie erwartet: Im Juli 2026 kam es zu einem Preissturz, nachdem das zwischenzeitliche Tauwetter zwischen den USA und dem Iran den Ölpreis zunächst absacken ließ. Im Windschatten von Öl, Naphtha und Benzol rauschte die Styrol-Referenz um 270 EUR/t nach unten und riss die Notierungen für Polystyrol, EPS und ABS mit sich. Bei allen Werkstoffen bildete der Umfang der Kostenreduktion – bei ABS kamen hier noch Butadien (-200 EUR/t) und ACN (-204 EUR/t) als Faktoren hinzu – jedoch nur die Untergrenze für die Preissenkungen. Wegen der ausgeprägt schwachen Nachfrage, bei der sich die einsetzende Urlaubszeit bemerkbar machte, ging die Abschlagshöhe oftmals über den reinen Kostenfaktor hinaus. Doch das Blatt hat sich mittlerweile gewendet. Die neuerliche Eskalation des Nahost-Konflikts beförderte den Ölpreis wieder nach oben. Im Laufe des Juli kletterten auch die Styrol-Spotpreise. Mehrere Verarbeiter fürchteten daher steigende August-Preise für PS, EPS und ABS und wollten sich mit zusätzlichen Mengen eindecken, stießen dann aber auf Liefereinschränkungen seitens der Erzeuger. Diese resultierten wohl nicht nur aus dem Niedrigwasser des Rheins und anderer Flüsse, unkten Betroffene, sondern auch aus der Aussicht der Produzenten auf höhere Verkaufspreise im August. Die Preise für Styrolkunststoffe werden wohl tatsächlich steigen, nachdem die Styrol-Referenz für August wieder um 149 EUR/t nach oben ruckte. Somit trifft der Markt auf die ungünstige Situation von hohen Preisen und weiterer Verteuerung bei einer extrem schwachen Nachfrage, die im Zenit der Urlaubszeit noch einmal schwächer ausfallen wird als im Juli.
PET: Die Wiederaufnahme der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den USA und dem Iran veränderte die Bedingungen am europäischen PET-Markt im Juli 2026 abermals. Die zu Beginn des Monats signifikanten Zugeständnisse reduzierten sich nach dem Stopp der Waffenruhe auf moderate Größenordnungen. Die Lager der Abnehmer blieben jedoch ausreichend gefüllt, weil die Nachfrage aus den Endmärkten der Hitzewelle zum Trotz schwach blieb. Die Besorgnis richtete sich derweil eher auf logistische Unwägbarkeiten. Trotz nominal guter Angebote kehrten die Käufer den fernöstlichen Waren den Rücken und wandten sich europäischen Waren zu. Diese reichten unter dem Strich mehr als aus, um den Bedarf zu bedienen. Die Kaufneigung wird sich wohl auch im August noch im Rahmen halten. Angebotsseitig sind wenig Änderungen zu erwarten.