Preise Technische Thermoplaste
Die Macht des Verkäufermarkts konnte die Notierungen trotz schwacher Nachfrage deutlich nach oben ziehen. Bei PMMA erreichten manche Aufschlagswünsche sogar vierstellige Höhen. Trotz geringer Importmengen und einer insgesamt nur gedrosselt laufenden europäischen Produktion konnten die Kontrakte bedient werden – wenn auch bisweilen leicht verspätet und nur am unteren Ende der vereinbarten Volumenrange.
Für Mengensicherungen in größerem Stil reichte das Material nicht aus. Hinzu kam: Etliche Verarbeiter sahen sich angesichts einer mittlerweile prekären Finanzlage zu einem Wechsel in ihrer Einkaufsstrategie gezwungen. Infolgedessen kauften sie nur auf Sicht und das Nötigste sowie extrem preisbewusst. Bei vielen, gerade kleineren Verarbeitern ist der Kreditrahmen weitestgehend ausgeschöpft. Sie können Preiserhöhungen kaum noch mitgehen – und die Mengen, die sie eigentlich brauchen, nicht mehr finanzieren. Das Damoklesschwert der Liquiditätsnot hängt dräuend über ihnen.
Besserung ist nicht in Sicht. Auch im Mai werden Erzeuger wieder, zum Teil üppige, Preiserhöhungen durchsetzen können. Wie hoch das Plus ausfallen wird, hängt insbesondere von den Anlieferungen der Importe ab. Und wie schon im April werden die Verarbeiter wieder nur dann kaufen, wenn sie das Material wirklich brauchen – und teilweise auch nur dann, wenn Kunden höhere Preise akzeptieren.
Preise Standard Thermoplaste
PE: Die Volatilität der Preise für Polyethylen hat ein noch nie gesehenes Ausmaß erreicht. Auf den immensen Kostensprung von Ethylen (+465 EUR/t) packten die Anbieter aufgrund der massiven Verwerfungen des Nahost-Konflikts noch einmal eine gehörige Schippe obendrauf. Zusammen mit den für Verarbeiter bereits schmerzhaften März-Aufschlägen ist PE somit im Schnitt um 1.100 bis 1.200 EUR/t teurer als noch im Februar. Vorkäufe von Verarbeitern hatten der Preisdynamik zusätzlichen Schub verliehen. Noch im April ebbten die Vorkäufe jedoch ab, zumal Kunden der Verarbeiter an ihre finanzielle Belastungsgrenze gestoßen sind und bei ihren Bestellungen auf die Bremse traten. Unterdessen reichte das PE-Angebot aus, sodass Produzenten ihre Kontraktvereinbarungen bedienen konnten. Allerdings beeinträchtigte die eingeschränkte Verfügbarkeit des zentralen Vorprodukts Ethylen den Ausstoß von PE. Im Mai wird sich die Preisrallye wohl fortsetzen, da auch die Ethylen-Referenz vermutlich weiter nach oben tendieren wird. Je nach Umfang der absehbaren Verteuerung könnte die C2-Notierung damit ein neues Allzeithoch erreichen. Für die Verarbeiter und ihre Kunden stellt die jüngste Entwicklung bereits den dritten großen Kostenschock nach der Coronakrise und dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs dar. Aufgrund der hohen Volatilität gibt es in einigen Märkten – wie etwa bei Verpackungen und Rohren – daher verstärkte Überlegungen, Kunststoffe durch andere Materialen zu ersetzen.
PP: Mit der Schließung der Straße von Hormus verteuerten sich Öl und auch Naphtha im März fortlaufend. Entsprechend war es wenig überraschend, als Anfang April der Propylen-Kontrakt mit einem Rekord-Aufschlag von 465 EUR/t fixiert wurde. Viele Anbieter in Europa hatten mit ihren Anlagen zu kämpfen und zudem gab es nicht ausreichend Propylen, um die Auslastung der Polypropylen-Erzeugungen erhöhen zu können. Um sich vor weiteren Preisschocks zu schützen, zogen einige Kunden ihre Aufträge vor, sodass Verarbeiter einen erhöhten Bedarf zu Beginn des Monats verzeichneten. Die Folge: eine Preisexplosion für alle Polypropylen-Materialien. Gegenüber dem Februar zogen die Preise um bis zu 1.200 EUR/t an – das ist im Kontraktgeschäft nahezu eine Verdoppelung. Verarbeiter sahen sich gezwungen, diese Kosten unmittelbar an ihre Kunden weiterzugeben, was den Bedarfsanstieg beinahe sofort abwürgte. Lebensmittel- und Pharmaverpackungen stachen heraus und hielten die Mengen mehr oder minder stabil. Automotive führte harte Diskussionen um die Kostenweitergabe. In der Baubranche werden Projekte unterbrochen, weil die hohen Preise nicht mehr tragbar sind – zumal auch andere Roh- und Baustoffe preislich explodiert sind. Der Ausblick im Mai: Es wird noch teurer. Propylen könnte abermals einen dreistelligen Aufschlag sehen, und bei dem aktuell dünnen Angebot werden PP-Produzenten wohl zusätzliche Prozentpunkte fordern. Zudem mangelt es derzeit an Konkurrenz aus Übersee. Zwar ist deren Preisniveau niedriger, aber Lieferungen werden erst für Anfang Juni angeboten. Bis dahin dürfte der Bedarf wohl weiter rückläufig sein, da Endkunden der Verarbeiter auf diesen Preisschock so weit wie möglich mit Kaufzurückhaltung reagieren. In den Gesprächen mit dem KI-Panel wurde von Überlegungen berichtet, von PP in Richtung technische Thermoplaste zu wechseln. Der Preisabstand sei sehr gering geworden, lautet die Argumentation, und man könne den Produkten deutlich bessere Eigenschaften geben.
PVC: Im April geriet der europäische PVC-Markt spürbar aus dem Gleichgewicht: Selten zuvor prallten derart ambitionierte Preisforderungen der Erzeuger auf ebenso entschlossenen Widerstand aufseiten der Verarbeiter. Im Zuge des um 450 EUR/t gestiegenen Ethylenkontrakts versuchten viele Anbieter, Aufschläge in ähnlicher Größenordnung durchzusetzen – was einer deutlichen Margenausweitung gleichkam und entsprechend kritisch im Markt ankam. Trotz intensiver Verhandlungen und teils aggressiver Gegenangebote gelang es den Produzenten dennoch, spürbare Preiserhöhungen durchzusetzen. Ausschlaggebend hierfür war vor allem die angespannte Versorgungslage, die den Spielraum der Abnehmer merklich einschränkte. Die Nachfrageentwicklung hingegen vermittelt ein trügerisches Bild: Zwar zog der Auftragseingang bei den Verarbeitern zwischenzeitlich an, doch handelt es sich dabei überwiegend um Vorzieheffekte zur Absicherung gegen weitere Verteuerungen. Eine nachhaltige Belebung – insbesondere aus der weiterhin schwachen Bauindustrie – blieb bislang aus. Auffällig ist der allgegenwärtige Strategiewechsel bei Verträgen: Quartalskontrakte werden zunehmend aufgekündigt und durch monatliche Preisverhandlungen ersetzt. In dem hochvolatilen Umfeld wollen Erzeuger Kostensteigerungen schneller und direkter weiterreichen können, anstatt über mehrere Monate gebunden zu sein. Teilweise ist dieser Trend auch bei Anbietern von Zuschlagsstoffen zu beobachten. Im Mai dürfte die Preisrallye etwas an Tempo verlieren, da der Ethylenkontrakt nicht mehr so stark anziehen und sich die Versorgungslage etwas entspannen dürfte. Dennoch ist für den kommenden Monat erneut mit steigenden PVC-Notierungen zu rechnen.
PS: Die Hausse ist zu Ende: Im April drehten die Preise für Styrolkunststoffe erstmals seit drei Monaten wieder nach unten. Maßgeblich dafür war die Berücksichtigung der Kostenreduktion für Rohstoffe, insbesondere für Styrol. Bei Polystyrol richtete sich die Höhe der Abschläge nach dem Rückgang der SM-Referenz (-58 EUR/t). Auch bei ABS folgten die Preise maßgeblich den gesunkenen Kompositkosten (SM: -58 EUR/t, Butadien: +20 EUR/t, ACN: -92 EUR/t). Etwas undurchsichtiger war die Lage wieder bei EPS – hier gab es beachtliche Unterschiede zwischen den unterschiedlichen Anbietern. Weil einige Erzeuger Styrol teurer an den Spotmärkten einkaufen mussten, fielen die Abschläge bei ihnen deutlich niedriger aus. Bei den rückwärts integrierten Produzenten nutzten einige die Situation zur Margenverbesserung, indem sie die SM-Reduktion ebenfalls nur anteilig einpreisten, während andere die volle Kostenreduktion an den Markt weitergaben. Auch im Mai dürfte zumindest bei PS und ABS die Kostenentwicklung – insbesondere das Minus bei Styrol von -40EUR/t, Butadien -60 EUR/t sowie ACN -104 EUR/t – die Preisrichtung wieder bestimmen. Bei EPS ist angesichts der oben beschriebenen Marktgegebenheiten wohl wieder eine sehr heterogene Preisgestaltung zu erwarten.
PET: Die prekäre Situation an der Straße von Hormus bestimmte im April 2026 weiterhin die Geschehnisse auch im europäischen PET-Markt. Aufgrund der sehr unsicheren weiteren Versorgungslage blieben die Käufer trotz anhaltend eher schwacher Endmärkte verzweifelt auf der Suche nach Mengen. Die europäischen Erzeuger versuchten, die Anlagen auszulasten – so gut es die Vorproduktverfügbarkeit eben zuließ. Da die Lager bereits im März leergefegt wurden, reichte die Produktion jedoch nur zu Geschäften „von der Hand in den Mund“. Importe sowohl von PX als auch PET rückten nach längerer Zurückhaltung seitens der Abnehmer – man wollte sich in diesem Jahr eigentlich strategisch mehr auf die heimische Versorgung konzentrieren – wieder in den Fokus. Da die Preise explodierten, wurde der europäische Markt aus der Sicht exportierender Länder sehr attraktiv. Dennoch reichten die Mengen hinten und vorne nicht aus, um die besorgten Abnehmer zu befriedigen. Resultat waren Preissteigerungen um satte dreistellige Beträge. An der grundlegenden Mangelsituation wird sich im Mai wohl wenig ändern. Es ist daher von weiteren deutlichen Steigerungen auszugehen, wenn auch vielleicht nicht ganz so stark wie im April.
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