KI Preisreport August 2021

Technische Thermoplaste August 2021: Verarbeiter zwischen Bangen und Hoffen / Mangelnde Rohstoffe und bröckelige Lieferketten sorgen in vielen Bereichen für steigende Preise / Bausektor hui, Autosektor pfui

Der Markt für technische Thermoplaste setzt seine Achterbahn der Gefühle auch im August fort: Während die Preise etwa für PC glasklar im letzten Monat des dritten Quartals weitgehend stabil blieben und der Markt die Forderungen eines Produzenten nach höheren Preisen quasi „wegatmete“, trieb Hurrikan „Ida“ mit ihren noch immer unabsehbaren Folgen für die Versorgung mit Glasfasern den Verarbeitern tiefe Sorgenfurchen auf die Stirn.

Nach wie vor sind vor allem im südlichen Europa einzelne PC-Anlagen aus wirtschaftlichen Gründen nicht in Betrieb. Auch Importe aus Asien fanden nicht oder nur auf sehr spärlichem Niveau statt. Trotz beruhigter Urlaubsabnahmen schrumpften die Lieferzeiten nicht sonderlich zusammen, sondern verharren bei astronomisch hohen, zweistelligen Wochenzahlen.

Für das Quartal abgeschlossene Großabnehmerverträge laufen auf stabilem Niveau unverändert seitwärts. Daran dürften sich auch die Preise für die meisten Monatsabnahmen orientieren. Nach den euphorischen Prognosen für die Automobilproduktion im zweiten Halbjahr folgen nun eher nüchterne Einschätzungen, die sich auf den nach wie vor zunehmend verschärfenden Chipmangel stützen. Das würde die Nachfrage verringern und den Preis unter Druck setzen. Etliche Zulieferer haben freilich die Zeit genutzt und ihre Produktion weiterlaufen lassen, und auch die Abnahmen aus dem Bausektor und bei den Haushaltsgeräten zeigten sich, gerade bei POM und PMMA, überraschend robust.

Standard-Thermoplaste August 2021: Importe beruhigen die Lage ein wenig / Wird Hurrikan „Ida“ die Versorgung erschweren? / Lieferketten bleiben weiterhin angespannt / Unsicherheitsfaktor Autoindustrie

 PE: Bei einigen Folienqualitäten verbesserten stärkere Importe das Angebot. Auch konnten die Kontraktvereinbarungen im August befriedigend erfüllt werden. Einigen Verarbeitern gelang es sogar, Zusatzmengen zu erhalten. Die befürchteten starken Auswirkungen der defekten Naphtha-Pipeline bewahrheiteten sich nicht. Der zu Beginn des Monats vorsichtige Rückgang der Notierungen wurde im Laufe des August deutlich stärker. Für den September sind Importe aus den USA avisiert. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob und wie der Hurrikan „Ida“ diese Pläne und Kontingente durcheinanderwirbelte. Das Angebot aus europäischer Produktion hat sich leicht verbessert.

PP: Der Abschwung der PP-Preise, der im Juli eingeleitet wurde, hat sich fortgesetzt. Die Preise für Standard-PP gaben mehrheitlich nach. Die Urlaubszeit setze in Südeuropa Mengen frei, die Abnehmern in Mittel- und Nordeuropa angeboten werden konnten. Zudem verbesserten Importe aus Fernost sowie das Wiederanfahren einer Anlage in den Niederlanden die Verfügbarkeit. Bei der Nachfrage machte sich bemerkbar, dass die europäische Automobilindustrie aufgrund des Chaos‘ in den Lieferketten die Produktionspläne nach unten revidierte. Im September dürften die Preise weiter unter Druck stehen.

PVC: Der August 2021 war der nunmehr 14. Monat in Folge, in dem die Notierungen für S-PVC nach oben strebten. Die Preise haben sich in dieser Zeit fast verdoppelt. Nach wie vor treibt die gravierende Materialknappheit die Preise. Von der Monomerbasis haben sich die Notierungen schon seit langem abgekoppelt. Weil Importe im erforderlichen Umfang weiter ausbleiben und die Verfügbarkeit stark limitiert bleibt, setzt sich der Höhenflug fort. Im Windschatten von S-PVC werden auch die Preise der Compounds weiter nach oben gleiten.

PS: Im August 2021 hat der Anstieg der SM-Referenz (+36 EUR/t) die Preise für Polystyrol und EPS wieder nach oben drehen lassen. Zum Monatsbeginn richteten sich die Anhebungen noch weitgehend nach der Monomerverteuerung, aber im weiteren Monatsverlauf bröckelte die Aufschlagshöhe. Bei ABS brachten die Kostensteigerungen für Butadien (+225 EUR/t) und ACN (+105 EUR/t) einen stärkeren Anstieg. Der September beschert dem Markt derweil wohl wieder rückläufige Preise. In Bezug auf ABS rechnen Marktakteure mit einem (schwachen) Rollover.

PET: Die Lage in den europäischen PET-Märkten blieb im August 2021 sehr flau. Wetter und Pandemie zügelten die Nachfrage. Die Produktion blieb unaufgeregt, und zugleich rückten Importe mehr und mehr ins Reich der Legenden. In dieser Lage blieb der einzige Impuls der Anstieg der PX-Notierung. Die Produzenten konnten immerhin die anteilige Kostensteigerung einpreisen. Die Vorproduktnotierungen stehen weiterhin in Aufwind. Mit Anhebungen muss daher gerechnet werden.

KI Preisreport Juli 2021

Technische Thermoplaste Juli 2021: Urlaubszeit und geringere Nachfrage aus Autoindustrie sorgen aktuell für relative Entspannung / Doch ein heißer Herbst droht / Kurzglasfasern bleiben Problemkind

Stress und Hektik kennzeichneten das zweite Quartal. Momentan macht sich im Markt etwas Entspannung breit: Wie sich in den Vormonaten bereits abzeichnete, sind in den Automobilwerken die Montagebänder auf niedrigere Taktung geschaltet worden. Grund dafür war der Chipmangel. Das hat die Nachfrage von der Automobilseite her etwas beruhigt. Hingegen waren in den Branchen E+E und Bau kaum Ermüdungserscheinungen in den Abrufen erkennbar. Panikkäufe lassen sich jedoch aktuell nur noch selten beobachten.

Zumindest in Europa hat sich auch die Versorgung mit Bisphenol A (BPA) leicht entspannt. Problemkind Nummer Eins ist und bleibt jedoch die Kurzglasfaser: Der Markt ist wie leergefegt, und nachgefragt wird sie an allen Ecken und Enden. Und bei PA 6.6 natur droht neuerliches Ungemach: Die Kosten für Butadien haben sich nochmals deutlich erhöht. Das wird sich unweigerlich auch in einer Preissteigerung für das Basispolymer 6.6 niederschlagen.

Insgesamt halten sich zahlreiche Produzenten in der Urlaubszeit bedeckt. Doch im September dürfte die Situation schon wieder ganz anders aussehen: Wenn die Forecasts der Autoindustrie vorliegen, dürfte das muntere Schrauben an der Preisspirale wieder losgehen.

Standard-Thermoplaste Juli 2021: Entspannung auf breiter Front – der Urlaubssaison sei Dank / ABS und PVC bleiben aber Problemkinder / Mancher bange Blick in die Zukunft: Was bringt der Spätsommer?

PE: Etliche Marktbeobachter haben sich in ihrer Einschätzung zu Beginn des Monats vertan. Ihre Erwartung, dass sich die hohen dreistelligen Preisreduktionen aus dem Spotmarkt auch in den Kontraktpreisen wiederfinden würden, erfüllte sich nicht. Stattdessen differenzierte sich das Verhältnis aus Nachfrage, Angebot und Preis weiter aus. Die Importe haben die Mengen bei bestimmten Qualitäten unterstützt. Hier kam es zu höheren Preisreduktionen, wie etwa im PE LD- oder auch im PE LLD (C4)-Bereich. Wo Importware (etwa bei PE Rohr 80 oder 100) fehlte, musste sich der Markt mit einem Rollover begnügen. Bei C6- und C8-Folienqualitäten konnten auch nur am oberen Rand der Preisskala Reduktionen in kleinem Umfang erzielt werden. Für die unteren Notierungen reichte es noch zu einem Rollover. Der August wird von der Feriensaison geprägt sein. Die Nachfrage könnte daher reduziert ausfallen. Die Preise dürften sich auf einem ausgeglichenen bis leicht fallenden Level wiederfinden. Sollte in Europa die defekte Naphtha-Leitung noch mehr Unternehmen in ein Force Majeure treiben, wird das eine starke Veränderung der Prognose nötig machen.

PP: Die meisten Polypropylen-Typen haben nach der monatelangen Rallye die bisher erreichten Rekordpreise nicht mehr halten können. Einzig bei PP Copo Folien blieben die Notierungen im Juli 2021 stabil, die übrigen Qualitäten verzeichneten trotz der gestiegenen C3-Referenz (+40 EUR/t) Abschläge. Generell ist dabei zu konstatieren, dass vor allem Preisspitzen gekappt wurden. Zudem fielen die Reduktionen beim besser verfügbaren PP Homo deutlicher aus als bei PP Copo, wo sich die Versorgungslage etwas zögerlicher verbessert, und bei den von Produktionsabstellungen der Automobilindustrie betroffenen Spritzgießtypen gaben die Preise stärker nach als bei den Folienqualitäten. Eine gegenläufige Tendenz verzeichneten derweil die Compounds: Bei Abnahmevereinbarungen auf Monomerbasis bewirkte der C3-Anstieg einen Fensterwechsel, während Käufer mit Referenz auf Standard-PP etwas weniger zahlen mussten als im Vormonat. Im August werden die Anbieter von Standard-PP wohl versuchen, die neuerliche C3-Verteuerung (+58 EUR/t) einzupreisen. Dies dürfte angesichts der schwachen Nachfrage in der Urlaubszeit aber nicht breitflächig umzusetzen sein. Bei den Compounds dürfte sich unterdessen die Preistendenz des Juli im August fortsetzen: Vereinbarungen auf C3-Basis machen einen weiteren Fensterwechsel nach oben, und Abnahmen mit Polymer-Referenz werden wohl weitere Abschläge verzeichnen.

PVC: Wo soll das nur enden? Die Preise für PVC streben auch im Juli 2021 unbeirrt weiter nach oben, nunmehr bereits den 14. Monat in Folge. Hoffnungen auf eine verbesserte Versorgungslage zerschlugen sich, die extreme Materialknappheit bei einer ungebrochen hohen Nachfrage bleibt somit das dominierende Thema. Seit Beginn der Rallye im Juni vergangenen Jahres ist der KI-Durchschnittspreis für S-PVC-Basismaterial um 92 Prozent gestiegen. Ein Rekord jagt den anderen.

Und auch der August wird wohl keine Entlastung bringen. Die Nachfrage bleibt hoch, da viele verarbeitende Unternehmen auch in der Urlaubszeit die Produktion hochhalten. Materialengpässe treiben die Preise weiter hoch, auch für die Compounds. Dort beeinträchtigt der Mangel an Zuschlagsstoffen – das Chaos in der Schiffslogistik sorgt allseits für massive Lieferverzögerungen – zusätzlich die Produktion.

PS: Der deutliche Rückgang der Styrol-Referenz im Juli (-208 EUR/t) ließ die Preise für Styrolkunststoffe weiter nach unten tendieren. Allerdings gestaltete sich die Bemessung der Abschläge recht unterschiedlich. Während sich die Preissenkungen bei Polystyrol an der SM-Reduktion ausrichteten und in der Distribution zum Teil sogar darüber hinausgingen, beließen es die EPS- und ABS-Anbieter bei verhältnismäßig geringen Ermäßigungen. Diese Preisentwicklung spiegelt recht gut die allgemeine Versorgungslage wider: Bei Polystyrol hat sich die Versorgungslage inzwischen halbwegs wieder eingerenkt, während bei EPS und ABS weiterhin gravierende Lieferengpässe herrschen. Im August findet die kurze Preiskorrektur, die nach der mehrmonatigen Hausse gerade einmal zwei Monate dauerte, wohl erst einmal ihr Ende. Denn die Styrol-Referenz drehte nun wieder nach oben (+36 EUR/t). Im Windschatten dessen könnte Polystyrol wieder etwas nach oben tendieren, sofern der Markt nicht eine weitere Korrektur des immer noch sehr hohen Preisniveaus einfordert. Schlechtere Karten haben die Abnehmer in den unterversorgten Märkten für EPS und ABS – in Anbetracht der massiven Engpässe werden sich die Anbieter kaum mit einer reinen Kostenweitergabe begnügen.

PET: Nur noch leichte Korrekturen bei sehr hochstehenden Preislagen traten im Juli 2021 in den europäischen PET-Märkten zu Tage. Die Kostenseite trieb durch die steigenden Ölpreise auf, das dadurch gebildete Fundament verhinderte ein weiteres Abrutschen der Notierungen. Andererseits konnten die Anbieter aber auch keine Erhöhungen umsetzen, da die Nachfrage recht verhalten blieb. Die optimistischen Hoffnungen auf stark steigenden Bedarf wurden durch das regnerische Tief im Verbund mit der anlaufenden vierten Pandemiewelle unterspült. Da aber auch die Importlage desolat blieb, konnten die Abnehmer nur noch bei sehr hochstehenden Niveaus leichte Abschläge erreichen. Die absehbaren Steigerungen bei PX und möglicherweise auch MEG wollen die PET-Produzenten im August gerne an die Kunden weitergeben. Zumindest Teile der Forderungen könnten wohl verfangen. Ausschlaggebend für die Höhe der Aufschläge wird die Nachfrageentwicklung sein, die nach derzeitiger Einschätzung eher gedämpft ausfallen wird.

KI Preisreport Juni 2021

Technische Thermoplaste Juni 2021: Rollover für alle Typen / PA 6.6 und PMMA weiterhin von schwacher Vorproduktstrecke beeinflusst / Nachfragesituation durchwachsen / Juli voraussichtlich unverändert

 Nach den großen Sprüngen der Vormonate war im Endmonat des zweiten Quartals die Spitze des Preisauftriebs zunächst erreicht. Die Preise blieben mit dem sehr deutlichen Benzolschock durch die Bank im Rollover stecken, auch die massive Gegenwehr der Verarbeiter trug dazu bei. Gleichzeitig kamen etliche Vorproduktstrecken wieder in ein ruhigeres Fahrwasser. Ausnahmen waren PA 6.6 und PMMA, bei denen es weiterhin zu Verwerfungen aufgrund limitierter Erzeugung und fehlenden Importen kam. Gleichzeitig blieb die Produktion verstärkter Compounds dünn, weil die entsprechenden Glasfasern extrem knapp sind.

Sehr stark blieb die Nachfrage aus dem Bausektor inklusive der E&E-Anwendungen. Das Auftragsvolumen konnte selten vollständig abgedeckt werden. Auch festgelegte Allokationsvolumina wurden in vielen Fällen unterboten. Allerdings glich der Automobilbau diesen Nachfrageschub zum Teil aus, weil die Montagestraßen wegen des Chipmangels auf die Bremse traten.

Quartalskäufer werden die Erhöhungen der vergangenen Wochen wohl in einem Rutsch aufgedrückt bekommen. Monatlich agierende Käufer hingegen könnten bei hartleibiger Verhandlungsstrategie Erfolg haben und den Rollover erzwingen, auch wenn einige Zuschlagsstoffe knapp und teuer bleiben. Der Halbjahresauftakt wird von spürbar ruhigerer Nachfrage aus dem Automobilbau geprägt sein. Einige OEM haben längere Bandabstellungen geplant oder sind bereits mittendrin. Das reduziert die Teileabrufe und damit auch die Rohstoffbestellungen aus dem Sektor.

Standard-Thermoplaste Juni 2021: Fast alle Sorten erreichen im Juni ein Plateau / Unterversorgte Märkte für PVC und ABS bleiben schwierige Pflaster / Spürbare Preiskorrekturen im Juli erwartet

 Fast alle berichteten Typen erreichten im Juni ein Plateau, Ausnahme war lediglich das nach wie vor unterversorgte und stark nachgefragte PVC.

PE: Das Gros der Notierungen für Polyethylen strebte im Juni 2021 dem Zenit entgegen. Nach der mehrmonatigen Hausse drehten PE-LD-Folien und mehrere PE-HD-Typen wieder nach unten, und andere Qualitäten mussten sich mit Aufschlägen unterhalb der C2-Kostensteigerung von 30 EUR/t begnügen. Preiserhöhungen auf dem Niveau der Monomerveränderung oder darüber gelangen den Erzeugern nur in den extrem unterversorgten Märkten für PE-LLD (C8), PE-HD Rohr und EVA. Der Trend zu einer besseren Versorgungslage wird sich im Juli wohl verstärken. Die meisten PE-Notierungen dürften trotz der neuerlichen C2-Verteuerung (+40 EUR/t) leicht nachgeben oder das Vormonatsniveau halten.

PP: Das hohe Preisniveau sowie die sich verbessernde Versorgungslage würgen das Aufschlagspotenzial für Standard-Polypropylen ab. Produzenten konnten nur noch bei einzelnen Typen den Anstieg der C3-Referenz (+40 EUR/t) einpreisen – sonst überwog der Rollover. Bei Compounds führte der C3-Anstieg zu einem Fensterwechsel, teurere Beimischungskomponenten sorgten für Aufschläge oberhalb der Monomerveränderung. Während der neuerliche C3-Anstieg zum Q3-Auftakt die Preise für Compounds wohl weiter nach oben treiben wird, dürfte die Hausse bei Standard-PP im Juli zu Ende sein.

PVC: Unaufhaltsam strebten die PVC-Preise nach oben und markierten neue Höchststände. Die Nachfrage aus dem Bausektor blieb ungebrochen hoch, bei zusätzlich angespannter Versorgungslage. Allerdings gibt es zunehmend Anzeichen für Verbesserung. Mehrere europäische Produzenten nahmen Anlagen wieder in Betrieb oder stehen nun kurz davor, und weitere Linderung verspricht die absehbare Zunahme von Importen. Im Zuge dessen wird der Aufwärtstrend der Notierungen im Juli wohl nicht abbrechen, aber an Dynamik verlieren.

PS: Die Notierungen der Styrolkunststoffe folgten der überfälligen Korrektur der Styrol-Referenz in den Sinkflug. EPS-Anbieter nutzten die gute Nachfrage und enge Versorgungslage aus, indem sie große Teile der Kostenreduktion einbehielten. Ähnliches versuchten die Polystyrol-Produzenten, allerdings mit weniger Erfolg. Vergleichsweise wenig rückten derweil die ABS-Anbieter von ihren Preisvorstellungen ab – fehlende Importe und knappe Verfügbarkeit spielten ihnen in die Karten. Im Juli dürften die Preise den Abwärtstrend fortsetzen, zumal die Styrol-Referenz zum Q3-Auftakt erneut kräftig nachgab. Die Erzeuger werden erneut versuchen, die Kostenreduktion nur anteilig an den Markt weiterzugeben und die Margen zu verbessern.

PET: Die Preisblase in Europa gab wie zu erwarten etwas Luft ab. Die europäische Produktion normalisierte sich, das Vorprodukt PTA war wieder ausreichend verfügbar. Trotz des zuletzt recht warmen Wetters blieb die Belebung der Nachfrage hinter den Hoffnungen der Anbieter zurück. So erwies sich das europäische Angebot mehr als ausreichend, die anhaltende Importschwäche blieb ohne große Folgen. Ein Seitwärtstrend scheint für den ersten vollen Sommermonat Juli das wahrscheinlichste Szenario. Es wird vielfach mit einer Nachfragebelebung gerechnet, die jedoch weitgehend aus europäischer Produktion wird abgedeckt werden können.

 

KI Preisreport April 2021

Technische Thermoplaste April 2021: Erneut deutlich dreistellige Aufschläge bei guter bis sehr guter Nachfrage / Verarbeiter bekommen teils kaum noch Material / Weiterer Dreh an der Preisschraube sicher

 Die zumeist enge bis sehr enge Versorgungslage bei Basispolymeren und in den Vorproduktstrecken sowie auch der Quartalswechsel führten zu weiteren Preissteigerungen für die Compounds, die im Mittel um 200 EUR/t betrugen. Bei PBT, POM, PA-Standardmaterialien für den Automobilbau und PMMA hielten sich die Aufschläge wegen längerfristiger Bindungen noch etwas im Rahmen, aber auch diese dürften in den nächsten Wochen reagieren. Großabnehmer blieben keineswegs verschont.

Kolportiert wird, dass Verarbeiter sich inzwischen nicht mehr nur verbal um Paletten prügeln. In jedem Fall ist ein deutlicher Verteilungskampf auszumachen. Dabei spielt der Preis kaum eine Rolle, obwohl kumulierte Aufschläge zwischen 700 bis 1000 EUR/t seit dem Jahreswechsel keine Seltenheit sind.

Der neuerliche ungestüme Aufschlag bei Benzol lässt sowohl Verarbeiter als auch Erzeuger staunen. Die massiven Verwerfungen sind Folge eines Zusammentreffens verschiedener Faktoren wie anhaltender Raffinerie-Drosselungen sowie Cracker-Ausfällen in Europa und den USA. Eine schnelle Erholung ist nicht abzusehen. Die Verfügbarkeit im Mai dürfte ähnlich schwach sein wie im April. Auch weltweit bleibt die Tendenz zur Unterversorgung bestehen, selbst in China ist die Versorgung auch nur des eigenen Bedarfs nicht immer gewährleistet.

Pikant ist, dass im Automobilbau „Just-in-Time” nicht mehr das Maß der Dinge zu sein scheint. Stattdessen bleiben trotz aktueller Bandabstellungen – der fehlenden Elektronikchips wegen – die Abrufe der OEM hoch, um Lager aufzubauen.

 

Standard-Thermoplaste April 2021: Teils sehr massive Aufschläge bei allen Sorten / Force Majeures und Wartungen dünnen Verfügbarkeit aus / Ende der Hausse bei guter Nachfrage kaum absehbar

PE: Über alle berichteten Polyethylen-Typen hinweg lag die Teuerungsrate im April nur wenig unter der des Vormonats. In einem reinen Verkäufermarkt mussten manche Verarbeiter Aufschläge von bis zu 320 EUR/t schlucken. Menge ging vor Preis, und über Preise wird derzeit nicht wirklich verhandelt. Die Wartungssaison hat begonnen, und zusätzliche Force-Majeure-Meldungen aus Europa verringerten das Angebot weiter. Experimentierfreudige Verarbeiter wurden teilweise im Iran und in der Ukraine fündig. Die Durststrecke für Verarbeiter wird noch den Mai hindurch andauern. Ankündigungen der Produzenten lagen bereits vor Bekanntgabe des Ethylen-Kontrakts bei 200 bis 250 EUR/t. Wegen der weiterhin knappen Marktlage dürften diese Forderungen auch angesichts des nur leichten Aufschlags bei C2 von 5 EUR/t umgesetzt werden.

PP: Die Preise für Polypropylen sind im April 2021 raketenhaft nach oben gerauscht – völlig losgelöst von der Kostenveränderung von C3 (+45 EUR/t). Schub erhielten sie durch die extrem enge Versorgungslage, die sich im Monatsverlauf durch Anlagenausfälle und ausbleibende Importe sogar noch weiter verschärfte. Zudem traf das knappe Angebot auf eine gute Nachfrage, die durch Panikkäufe zur Mengensicherung noch verstärkt wurde. Es ist nicht abzusehen, dass den Notierungen auf ihrem mehrmonatigen Höhenflug bald die Luft ausgeht. Für Mai sind trotz des nur leichten Anstiegs von C3 (Mai: +10 EUR/t) weitere Preissteigerungen zu erwarten, da sich die Verfügbarkeit weiter verschlechtern dürfte.

PVC: Auch im April 2021 hat sich das Umfeld, dem der PVC-Markt seit vielen Monaten unterworfen ist, nicht geändert. Die Verfügbarkeit blieb extrem angespannt, die Nachfrage gut. Angesichts dessen drehten die Anbieter erneut kräftig an der Preiskurbel. Wer Materialien beziehen wollte, hatte dem nicht viel entgegenzusetzen. Somit übertrafen die Aufschläge für PVC den Kostenanteil aus dem C2-Anstieg (+40 EUR/t) wieder bei Weitem. Auch im Mai prägt die extreme Unterversorgung das Bild. Bei den Compounds verbessert sich zumindest die Versorgungslage für Weichmacher allmählich. Am allgemeinen Preisauftrieb im Mai ändert dies aber nichts, auch wenn es C2-kostenseitig (+5 EUR/t) keinen nennenswerten Impuls gibt.

PS: Nach den massiven Preisaufschlägen im März kamen im April 2021 noch einmal heftige Anhebungen hinzu. Die Preiserhöhungen bei Polystyrol und EPS bildeten den erneut starken Anstieg der Styrol-Referenz (+312 EUR/t) fast komplett nach, bei ABS lagen sie über dem rein rechnerischen Anstieg der Kompositkosten (+222 EUR/t). Die Produzenten verzichteten angesichts neuerlicher historischer Höchstpreise immerhin auf Margenverbesserungen. Die allgemein enge bis sehr enge Versorgungslage bei sämtlichen Styrolkunststoffen wird sich im Mai wohl verschärfen. Trotz der Verfügbarkeitsprobleme verliert der Aufwärtstrend aber an Kraft. Maßgeblich ist das viel zu hohe Niveau der Styrol-Referenz, die im Mai „nur” noch um 87 EUR/t zulegte.

PET: Wie zu erwarten gingen die europäischen Notierungen für PET im April 2021 noch einmal kräftig nach oben. Die PTA-Anlagenprobleme in Belgien und Polen bremsten die Produktion stark ein, zugleich blieben die Importe wegen der anhaltend angespannten Logistiksituation und des Hochpreissogs aus den USA verhalten. Die Preise zogen so ohne Rücksicht auf irgendwelche Vorproduktkosten spürbar an. In den nächsten Wochen bleibt eine substanzielle Änderung der prekären Produktionslage weiter außer Sicht. Falls das Flaschengeschäft in einem wärmer werdenden Mai anziehen sollte, dürfte es zu weiteren Anhebungen kommen.

KI Preisreport März 2021

Technische Thermoplaste März 2021: Für Endabnehmer werden Kabel, Rohre und Scheinwerfer knapp / Deutlich dreistellige Aufschläge / Erzeuger können Nachfrage nicht bedienen / US-Anlagen sorgen für Hoffnungsschimmer

Die weltweite Verknappung in diversen Vorproduktstrecken – insbesondere aber bei ADN für PA 6.6 – hat Basispolymere in teilweise ungeahnte Höhen katapultiert. Die Compounds folgten meist auf dem Fuß. Nicht selten mussten Verarbeiter unter anderem von Polyamiden über das Quartal hinweg Preiserhöhungen in vierstelligem Umfang schlucken. Darüber hinaus machte sich bei der Mehrzahl der Sorten ein Engpass auch von Zuschlagsstoffen bemerkbar – unter anderem von Flammschutzmitteln und Glasfasern.

Das Angebot war in weiten Teilen katastrophal zu nennen. „Unverschämtheiten” seitens der Erzeuger wurden von Verarbeitern kolportiert, dazu Lieferzeiten bei Neubestellungen von wenigstens einem halben bis hin zu einem ganzen Jahr. Geliefert werden meist nur Teilmengen von 60 bis 80 Prozent der bestellten Ware. Verarbeiter versuchten durch höhere Bestellungen die tatsächliche Belieferung auf ein erträgliches Maß zu heben. Dieser Kniff hatte jedoch nur selten wirklich Erfolg.

Wie eng die Lage auch bei Endkunden ist, zeigen Hilferufe des sonst so zugeknöpften US-Autobauers GM: Sonst auf Wettbewerb getrimmte Leuchtenhersteller mögen sich doch bitte gegenseitig unter die Arme greifen, damit ausreichende Stückzahlen für die Autos an die Montagestraßen kommen.

Von möglicher Entspannung im April zu sprechen wäre verfrüht. Etwas Hoffnung liegt auf den US-amerikanischen Anlagen, die langsam wieder ins Spiel kommen – allerdings zur Gänze wohl erst Ende April/Anfang Mai. Die berichteten Sorten werden wohl meist noch leichte Nachwehen verzeichnen, vornehmlich am unteren Rand der Bänder. Ausnahme sind PA-Standardtypen für den Automobilbau, deren Preise bislang von Quartalsvereinbarungen geschützt wurden, aber zu Beginn des Q2 nach oben schnellen werden.

Standard-Thermoplaste März 2021: Teils kräftig dreistellige Aufschläge / Erzeuger diktieren vielfach die Preise / Verarbeiter leiden unter Materialengpässen / Weiterer Aufwärtstrend im April sicher

PE: Im März 2021 waren erneut kräftig dreistellige Aufschläge bei Polyethylen zu sehen, in der Spitze erreichten die Preiserhöhungen 360 EUR/t. Verarbeiter aus Branchen wie Lebensmittel, Hygienesektor und Bau hätten mit ausreichend Material deutlich mehr produzieren können. Im April werden sich die Erzeuger nicht mit der Kostenweitergabe des um 40 EUR/t höher fixierten Kontrakts für Ethylen zufriedengeben. Forderungen von 200 EUR/t liegen auf dem Tisch. Die Vorräte der Produzenten sind erschöpft, für die nahende Wartungssaison gibt es kaum Lagerreserven.

PP: „Man kann Preise nennen, wie man will – gebucht wird trotzdem.“ Diese Worte eines Anbieters beschreiben treffend die Situation bei Polypropylen: Es ist ein massiver Verkäufermarkt. Angesichts extrem eingeschränkter Verfügbarkeit und zahlreichen Allokationen sind Verarbeiter vor allem auf Mengensicherung bedacht. Bei PP Homo-Materialien sprang das obere Ende der KI-Bandbreite um 350 EUR/t nach oben, bei PP Copo waren es sogar 400 EUR/t. Ein Ende der Preis-Rallye ist nicht in Sicht. Der Markt wird im April extrem eng bleiben.

PVC: Neben der Weitergabe des anteiligen Kostenanstiegs bei Ethylen benötigten die PVC-Produzenten im März 2021 keine weiteren Argumente, um ihre Forderungen zu realisieren. Die Aufschläge lagen in der Spitze bei fast 200 EUR/t, allerdings kamen manche Abnehmer auch mit der Kostenweitergabe davon. Die Anlagenausfälle bei Weichmachern sorgten für zusätzliche Teuerung bei plastifizierten Compounds. Das im April um 40 EUR/t teurere C2 wird bei fortgesetzt enger Versorgungslage die Preise für Basismaterial weiter nach oben treiben. Bei den Beimischungskomponenten scheint sich die Lage hingegen langsam zu stabilisieren.

PS: Es sind noch nie da gewesene Preisaufschläge für Styrolkunststoffe: Um sage und schreibe 500 EUR/t verteuerte sich Polystyrol im März 2021, bei EPS lagen die Anhebungen nur wenig darunter. Maßgeblich für diese Preisexplosion war einzigartige Anstieg der Styrol-Referenz um 501 EUR/t. ABS steckte derweil etwas zurück, weil geringere Kostensteigerungen für die Komponenten Butadien (+20 EUR/t) und ACN (+120 EUR/t) die Aufschlagshöhe reduzierten. Im April kommen definitiv noch einmal dreistellige Aufschläge hinzu, nachdem Styrol im April um weitere 312 EUR/t anzog. Marktakteure rechnen aber damit, dass im Mai zumindest bei Styrol eine Trendwende einsetzen könnte.

PET: Insbesondere die Force Majeure für den sehr großen PTA-Standort im belgischen Geel gleich zu Beginn des Monats senkte die Verfügbarkeit des direkten Folgematerials PET signifikant. Da wie seit Monaten schon die europäische Versorgung über Importe schlecht blieb und zugleich die saisonale Nachfrage für die Flaschenfertigung mit Nachdruck begann, mussten die Käufer verstärkt um die verbliebenen Mengen buhlen. Derzeit scheint keine schnelle Änderung der prekären Marktlage in Sicht, eher ist im April mit weiterer Verengung und entsprechenden Anhebungen zu rechnen.

KI Preisreport Februar 2021

Technische Thermoplaste Februar 2021: Notierungen steigen auf breiter Front weiter an / Anlagenausfälle und unzureichende Importe schränken Verfügbarkeit ein / Weitere Preissteigerungen für März absehbar

 Es hapert hinten und vorne. Die anhaltende Materialknappheit bei durchweg guter Nachfrage trieb die Preise für technische Thermoplaste im Februar 2020 weiter nach oben. Bei Polyamid 6 und Polyamid 6.6 schränkten Ausfälle von Vorproduktanlagen die Verfügbarkeit ein, bei PBT, POM natur und PMMA war der unzureichende Umfang von Importen deutlich zu spüren. Die gravierenden Versorgungslücken führen bei PA 6 und POM zu Lieferzeiten von bis zu vier Monaten.

Weitere Preiserhöhungen im März sind angesichts dieser Gemengelage bei fast allen Werkstoffen bereits programmiert. Bei PA 6 und PA 6.6 dürften die Aufschläge erneut dreistellig ausfallen, bei den meisten anderen Materialien etwas moderater. Zusätzliche Dynamik dürfte der danach anstehende Quartalswechsel mit sich bringen.

Standard-Thermoplaste Februar 2021: Trotz erheblicher Aufschläge ist das Ende der Fahnenstange nicht erreicht / Versorgung verbessert sich nicht / Verarbeiter können den Erzeugerforderungen nur wenig entgegensetzen

PE: Die anhaltende Unterversorgung bei Polyethylen in Europa trieb die Preise für alle Sorten teils dramatisch aufwärts. Was zunächst als Produzenten-Fantasie abgetan worden war, erwies sich gegen Monatsende als bittere Wahrheit. Die Aufschläge reichten bei Folientypen bis über die Marke von 200 EUR/t. Die Auftragslage war meist normal bis gut. Verarbeiter konnten die höheren Polymerpreise allerdings nur teilweise weitergeben. Die Versorgungssituation verbesserte sich nicht, Allokationen bis zu 40 Prozent sind üblich. Für März liegen die Kosten für Ethylen um 75 EUR/t höher, jedoch schon vor der Kontraktfixierung kündigten Erzeuger Aufschläge von 200 bis 250 EUR/t an.

PP: Die Aufschläge für Polypropylen fielen wie im Vormonat dreistellig aus und übertrafen den C3-Kostenanstieg (+85 EUR/t) deutlich. Maßgeblich war die durch Anlagenausfälle hervorgerufene enge Marktsituation, angesichts derer die Produzenten ihre Preisvorstellungen meist nach Belieben durchsetzen konnten. Die Verteuerung bei Basispolymer trieb auch die Notierungen der Compounds in die Höhe, wobei unterschiedliche Preisberechnungsmodelle zu großen Differenzen hinsichtlich der Aufschlagshöhe führten. Besserung ist nicht in Sicht. Produzenten kündigten für März abermals dreistellige Aufschläge an, Verarbeiter haben dem wenig entgegenzusetzen.

PVC: Die Lage bleibt angespannt. Verschiedene Produktionslinien haben zwar die Produktion wieder aufgenommen, dafür sind andere ausgefallen. Daher konnten die PVC-Anbieter nicht nur die gestiegenen Kosten für C2 (anteilig 35 EUR/t) und Energie einpreisen, sondern auch Verluste beim Koppelprodukt Natronlauge kompensieren. Die Preis-Hausse setzt sich im März fort. Dafür sorgen der weitere Kostenauftrieb – die C2-Notierung tendierte um 75 EUR/t nach oben – sowie die gute Nachfrage bei weiterhin unzureichender Verfügbarkeit.

PS: Die Aufschläge im Februar 2021 fielen bei Polystyrol und EPS relativ moderat aus. Im Wesentlichen folgten die Anbieter der Styrol-Referenz (+24 EUR/t). Bei ABS trieb die enge Marktlage die Preise dreistellig nach oben. Dieser Trend wird sich im März angesichts des um 501 EUR/t teureren Vorprodukts Styrol. Es ist fraglich, ob die Produzenten die Kostensteigerung komplett weiterreichen können. Die Bremswirkung der geringeren Kostenveränderungen von ACN (+120 EUR/t) und Butadien (+20 EUR/t) dürfte bei ABS kaum ins Gewicht fallen.

PET: Europäische Käufer waren mehr denn je auf regionale Produktionen angewiesen, die allerdings ebenfalls mit Beschränkungen zu kämpfen hatten. Dass es nicht zu größeren Lieferausfällen kam, lag an der geringen Nachfrage. Die Anbieter konnten in der Folge bei einem um rund 50 EUR/t ansteigenden Kostenmix (PX/MEG) mit doppelt so hohen Anhebungen substanzielle Margengewinne erzielen. Im März sind aus heutiger Sicht weiter steigende Notierungen zu erwarten, zumal bei den Importen keine Entspannung in Sicht ist.

 

KI Preisreport Januar 2021

Technische Thermoplaste Januar 2021: Weitere Preiserhöhungen bei allen Typen / Notierungen für Vorprodukte schlagen durch / Angebot weiter im Sinkflug / Kaum Aussicht auf Besserung

Die Warnsignale aus dem dritten und vierten Quartal 2020 haben nicht getrügt. Noch einmal hat sich die Versorgungslage in den Vorproduktestrecken von Erzeugern technischer Thermoplaste verschärft. Für Kunststoffverarbeiter bedeutete das teils erhebliche Preissteigerungen. Am härtesten getroffen waren Abnehmer von PC/ABS-Blends, die nach 95 EUR/t im Dezember im Januar noch einmal 225 EUR/t mehr zahlen mussten. Aber auch für PA 6 natur musste man bei einem Aufschlag um 175 EUR/t deutlich tiefer in die Tasche greifen.

Vielen preistreibenden Indikatoren haben allein Probleme bei der Lieferung von Elektronikbauteilen aus Asien entgegengewirkt, infolge derer einzelne Automotive-Hersteller die Produktion wieder drosseln mussten. Das hat sich beispielsweise preisdämpfend auch auf die Nachfrage nach Polycarbonat ausgewirkt. Andererseits berichteten Marktteilnehmer von Hamsterkäufen beim nur sehr geringen Angebot an PA 6.6.

Angesichts guter Nachfrage setzt sich auch im Ausblick auf die kommenden Monate zunehmend durch, dass Verarbeitern kaum Spielraum für Preisverhandlungen bleibt. Bei fortwährendem Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage dürften diese froh um jede Tonne sein, die sie bekommen können. Da auch weiterhin nicht mit signifikanten Mengen an Importware aus Fernost zu rechnen ist, wird häufig kaum eine andere Wahl bleiben, als auf die Forderungen der Erzeuger einzugehen. Derweil wurde die Nachfrage nach PMMA zusätzlich befeuert, weil Verarbeiter infolge von Versorgungsengpässen bei PC glasklar schon Ausweichkäufe getätigt haben. Ähnliches steht PA 6 bevor. Erste Verarbeiter haben schon angekündigt, mangels PA 6.6 hierauf ausweichen zu wollen.

 

Standard-Thermoplaste Januar 2021: Versorgungsengpässe und Allokationen bestimmen das Bild / Vorprodukte treiben Preise / Aufwärtstrend hält im Februar wohl noch an, doch mit weniger Dynamik

 PE: Die Mehrzahl der berichteten Polyethylen-Typen musste im Januar Aufschläge mit deutlichem Margenanteil schlucken. Besonders betroffen waren neben PE-LD-Folien auch die LLD (C6)-Folienmaterialien sowie in etwas geringerem Umfang Rohrtypen. Mengen wurden vielfach allokiert, die Forderungen der Erzeuger erreichten bei einer Kostensteigerung von 65 EUR/t für C2 bis zu 200 EUR/t, Für den Februar liegen Aufschlagswünsche von bis zu 200 EUR/t auf dem Tisch (C2 +70). Eine Umsetzung ist bei teils schwacher Verfügbarkeit wahrscheinlich.

Das zugrundeliegende Problem ist dabei ein strukturelles: Die aktuell geringe Raffinerietätigkeit sorgt auch für einen schwächeren Ausstoß an Olefinen. Importe werden hier und da zwar erwartet, aber wohl erst im März eintreffen.

PP: Auch im Januar 2021 setzten die Produzenten Preisaufschläge für Polypropylen durch, die den Kostenanstieg durch C3 weit übertrafen. Dabei kam ihnen die enge Verfügbarkeit von Materialien entgegen, die durch die gute Nachfrage noch verschärft wurde. Für den Februar ist keine Linderung in Sicht, im Gegenteil: Die C3-Referenz stieg um weitere 85 EUR/t, einige Anbieter fassten Aufschlagsforderungen von bis zu 250 EUR/t ins Auge, bevor die Meldung eines weiteren ungeplanten Anlagenausfalls den Markt erschütterte.

PVC: Schub erhielten die Notierungen von der engen Marktsituation und der regen Nachfrage. Somit konnten die Produzenten von PVC-Basismaterialien die Preise erneut über den anteiligen C2-Kostenanstieg hinaus erhöhen. Die Compounds folgten hingegen weitgehend den reinen Kostenveränderungen. Für den Februar bleiben die Verfügbarkeitsaussichten trübe, weitere Aufschläge sind zu erwarten.

Styrolkunststoffe: Der Anstieg der Styrol-Referenz (+108 EUR/t) ließ die Preise für Polystyrol und EPS weiter in die Höhe schießen – bei Polystyrol gingen die Erhöhungen oftmals sogar etwas über die SM-Kostenveränderung hinaus, bei EPS hingegen lagen sie meist etwas darunter. ABS hat sich von den Vorproduktpreisen ohnehin weitgehend entkoppelt. Hier war es die stark eingeschränkte Versorgung, aus der Sprünge von 200 bis 300 EUR/t resultierten. Im Februar werden die Preise wohl weiter nach oben tendieren, wenn auch deutlich weniger dynamisch als zuletzt.

PET: Deutlich gestiegene Vorproduktkosten trieben die europäischen PET-Notierungen im Januar 2021 nach oben. Die Befürchtungen der Marktbeobachter bestätigten sich sowohl bei PX, dessen Kontraktpreise über Dezember und Januar um 85 EUR/t anzogen, als auch bei MEG, das nach einigen Monaten Stillstand im Januar gleich um 100 EUR/t zulegte. Für den Februar stehen weitere Anhebungen bei den Vorprodukten. Diese werden bei weitgehend unveränderter Angebotslage mit geringen Importen sicher weitergegeben werden, je nach Nachfragelage auch mit leichten Margengewinnen.

 

KI Preisreport Dezember 2020

Technische Thermoplaste Dezember 2020: Preiserhöhungen bei allen Typen / Durchweg geringes Angebot ohne Aussicht auf Besserung / Preis für PA 6.6 droht Allzeithoch im Januar

Nachdem Verarbeiter von Polycarbonaten und Polyamiden bereits im November Preiserhöhungen akzeptieren mussten, wurden im Dezember sämtliche berichteten technischen Thermoplaste mit Aufschlägen versehen. Am deutlichsten fielen diese mit bis zu 160 EUR/t bei PA 6.6 aus. Lieferschwierigkeiten eines großen US-amerikanischen Herstellers von ADN haben hier weltweit für eine zusätzliche Verknappung der ohnehin begrenzten Produktion von PA-6.6-Rohstoffen gesorgt. Die Lagerbestände schrumpften gegen Null, was neben höheren Preisen zu deutlich längeren Lieferzeiten führte. Verschiebungen und Teillieferungen prägten das Bild.

Nicht viel besser war die Versorgungslage bei PC. Aufgrund der Corona-Pandemie mangelte es Produzenten hier weiterhin an Personal, sodass nicht mit voller Kapazität produziert werden konnte. Lange Lieferzeiten waren die Folge, teils konnten Bedarfe nicht gedeckt werden. Einschränkend wirkten zudem Ausfälle bei der Verfügbarkeit des Vorproduktes Bisphenol-A.

Dem durchweg knappen Angebot stand eine insgesamt gute Nachfrage gegenüber. Zwar haben die Weihnachtsfeiertage in vielen Abnehmersegmenten den Bedarf gebremst, doch wurde im Vorfeld munter eingekauft, um auch die Läger zu befüllen. Zu nennen sind hier unter anderem die Automobilindustrie, Hersteller von Weißer Ware und anderen Hausgeräten sowie der E&E-Bereich.

Im Ausblick auf den Januar ist hinsichtlich der Angebotslage keine Besserung in Sicht. Im Verbund mit weiteren Preissteigerungen bei den Vorprodukten ist daher mit neuerlichen Aufschlägen zu rechnen, zumal dann auch der Quartalsschutz aufgehoben ist. PA 6.6 natur könnte erstmals die Marke von 5.000 EUR/t knacken. Die bislang höchste Notierung wurde hier mit 4.940 EUR/t rund um den Jahreswechsel 2018/19 erreicht.

Standard-Thermoplaste Dezember 2020: Mit Ausnahme von PET teils deftige Aufschläge / Brexit und Pandemie sorgen für Angstkäufe / Engpässe bei Styrolkunststoffen und PVC bleiben bestehen / Im Januar weiter aufwärts

Die Preise für Polyethylen-Materialien stiegen im Dezember 2020 teils deutlich stärker als die Kosten für das Vorprodukt Ethylen, das um 20 EUR/t zulegte. Je nach Aufschlag im Vormonat kam mehr oder weniger zusätzliche Margenverbesserung bei den Verarbeitern an. Insbesondere bei LD-Folien heizten Angstkäufe der Briten und pandemiebedingte Hamsterkäufe die Nachfrage an. Aber auch bei anderen Materialien war der Markt meist recht fest im Griff der Produzenten. Für den Januar belaufen sich die Erzeugerforderungen je nach Quelle auf bis zu 200 EUR/t, bei einem Kostenanstieg für Ethylen von 65 EUR/t. Je nach Verfügbarkeit ist zu erwarten, dass zumindest die Kostensteigerung umgesetzt wird.

Angesichts der angespannten Versorgungslage konnten die Produzenten im Dezember 2020 Preisaufschläge durchsetzen, die deutlich über den C3-Kostenanstieg hinausgingen. Unterstützung erhielten sie dabei von der sehr ordentlichen Nachfrage. Im Windschatten der Aufschläge für Standard-Polypropylen verteuerten sich anteilsmäßig auch die Compounds. Der Preisauftrieb wird sich im Januar verschärfen, denn die Erzeuger werden sich nicht damit begnügen, den neuerlichen C3-Anstieg von 65 EUR/t einzupreisen, sondern peilen dreistellige Aufschläge an.

Schon seit Monaten hat sich PVC von den C2-Kosten entkoppelt, und auch zuletzt sattelten die Anbieter wegen der engen Versorgungslage noch einmal kostenübersteigende Aufschläge auf die ohnehin hohen Notierungen. Seit Mai vergangenen Jahres hat sich PVC-Basismaterial somit um mehr als 30 Prozent verteuert. Auch die Preise für Compounds und Pasten zogen weiter an. Die Verfügbarkeit bleibt auch im Januar limitiert, weshalb die Anbieter mit weiteren Aufschlägen liebäugeln.

Mit dem sprunghaften Anstieg der Styrol-Referenz schossen die Preise der Styrolkunststoffe im Dezember 2020 nach oben. Insbesondere bei Polystyrol und ABS, deren Verfügbarkeit unter teilweise extremen Engpässen leidet, erreichten die Aufschläge Werte jenseits der kräftigen Kostensteigerung. Preistechnisch müssen sich die Verarbeiter auch weiterhin auf einen rauen Winter einstellen. Denn der neuerliche Anstieg bei Styrol im Januar (+108 EUR/t) wird die Preise weiter nach oben treiben, und auch die anhaltenden Versorgungsengpässe bei Polystyrol und insbesondere ABS werden sich bei den Notierungen bemerkbar machen.

Wie erwartet tat sich im Dezember 2020 im europäischen PET-Markt wenig. Von den Vorprodukten MEG und PX kamen nur geringe Signale, die sich zudem gegenseitig aufhoben. Angebotsseitig stabilisierte sich die Lage in der europäischen Produktion weiter, wenn auch im pandemischen Weihnachtsmonat mit eher gebremstem Schaum. Importe lagen weiter in der Flaute wegen hoher Frachtraten und für die Lieferanten unattraktiven Erlösmöglichkeiten. Auch die Nachfrage blieb angesichts der Lockdowns in vielen Ländern sehr verhalten. Die Aussicht auf den ersten Monat des neuen Jahres wirkt unsicher. Einige Stimmen befürchten steigende Vorproduktkosten und Turbulenzen durch die Brexit-Situation, was preistreibend wirken könnte. Andererseits wird die flaue Nachfragelage kaum Margenerhöhungen erlauben.

 

KI Preisreport November 2020

Technische Thermoplaste November 2020: Erstmals wieder Preisanstiege bei PC und PA / Überraschend hohe Nachfrage aus dem Automobilbereich / Schon im Advent kommt es zum Kampf um Mengen

Nach Monaten der Abwärtsbewegung und Stagnation gab es bei den Preisen für technische Thermoplaste im November 2020 erstmals wieder moderat gestiegene Notierungen. Davon betroffen waren Verarbeiter von Polycarbonat und Polyamiden, wo KI Zuwächse von 10 bis 40 EUR/t gemeldet wurden – vor allem am unteren Rand der Preisbandes.

Zur Umkehr der Preiskurve beigetragen hat auch die gegenüber geringem Angebot durchweg gute Nachfrage. In vielen Abnehmersegmenten sind die Abrufe deutlich gestiegen. Allen voran die Automobilindustrie hatte nach Monaten der Zurückhaltung überraschend großen Bedarf. Aber auch Hersteller von Weißer Ware und anderen Hausgeräten sowie aus dem E&E-Bereich zeigten sich sehr aktiv.

Ansonsten herrschte noch einmal quasi Ruhe vor dem Sturm. Ab Mitte Dezember dürfte es mehr oder minder durchgängig zu weiteren Erhöhungen kommen. Denn das ohnehin schon geringe Angebot wird durch diverse ungeplante Stillstände, zum Beispiel bei PA 6 und PA 6.6, noch knapper. Zusätzlich schlagen dann auch die gestiegenen Preise bei den Vorprodukten und Beimischungskomponenten durch. Mit bis zu 155 EUR/t ist bei glasfaserverstärkten PA 6.6-Typen der größte Aufschlag zu erwarten.

Anstehende Betriebsschließungen über die Feiertage in Kombination mit teils noch immer praktizierter Kurzarbeit dürften sich zwar dämpfend auf die Nachfrage auswirken, doch gibt es auch auf Erzeugerseite weiterhin Produktionsausfälle zu beklagen – zunehmend durch Covid-19-Fälle. Mit dem bevorstehenden Jahreswechsel enden zudem schützende Quartalsbindungen, sodass es schon im Advent zum Kampf um Mengen kommen kann.

 

Standard-Thermoplaste November 2020: Wenig Bewegung bei den Polyolefinen und PET / Zum Teil kräftige Aufschläge für PVC und Styrolkunststoffe / Im Dezember wohl markante Preissteigerungen bei PS, EPS und ABS

 Kaum Veränderungen bei den Polyolefinen, Rollover bei PET und teilweise deutliche Preiserhöhungen bei PVC und den Styrolkunststoffen – grob umschrieben präsentierte sich so die Preisentwicklung der Standard-Thermoplaste im November 2020. Bei PE konnten die Erzeuger nur bei einigen Typen ihre Aufschlagsforderungen anteilig durchsetzen. Trotz etlicher Anlagenausfälle in Europa konnte der Bedarf meist zeitnah bedient werden. Vor allem bei Folienmaterialien war das Fehlen der Importe aber zu spüren. Im Dezember stehen Forderungen oberhalb der C2-Kostenweitergabe von 20 EUR/t im Raum, doch die Marktlage wird Margenverbesserungen der Erzeuger kaum zulassen.

Auch die Notierungen für PP blieben weitgehend stabil – kostenseitig gab es nach dem Rollover der C3-Referenz ohnehin keine Impulse. PP-H wurde somit auf dem Vormonatsniveau fortgeschrieben, und bei PP-C zogen Anbieter lediglich bisherige Tieflagen etwas nach oben. Da sich der Effekt von Anlagenstillständen verstärken dürfte und die C3-Referenz im Dezember um 15 EUR/t anzog, stehen den Verarbeitern wohl leichte Aufschläge ins Haus.

Derweil setzt sich die Hausse der PVC-Preise aufgrund der weiterhin engen Marktlage fort. Zwar haben mehrere Produktionsanlagen inzwischen den Betrieb wieder aufgenommen, aber die Läger waren weiterhin leer. Produzenten möchten die Notierungen im Dezember weiter anheben und verweisen auf das höhere Preisniveau in anderen Weltregionen. Doch auch hier ist PVC schon ziemlich teuer und der Spielraum für weitere Aufschläge begrenzt. Zudem lässt die Nachfrage saisonal nach. Da sich die PVC-Preise von den Vorproduktkosten zuletzt weitgehend entkoppelt haben, dürfte auch der Anstieg der C2-Referenz nicht ins Gewicht fallen.

Die Preise der Styrolkunststoffe strebten nach dem Anstieg der Styrol-Referenz (+58 EUR/t) auf breiter Front nach oben. Die Erhöhungen fielen jedoch sehr unterschiedlich aus. Bei EPS blieben sie meist etwas unter dem Kostenanstieg, während PS-Anbieter im Zuge einer knappen Verfügbarkeit eine leichte Margenverbesserung erwirkten. Den Vogel schoss ABS ab: Aufgrund der engen Marktlage, die weiterhin aus dem geringen Umfang von Importen resultierte, konnten die Anbieter zum Teil markante Aufschläge durchsetzen. Im Dezember werden die Notierungen noch einem deutlich steigen, nachdem die SM-Referenz um 139 EUR/t nach oben schnellte.

Der PET-Markt blieb hingegen ruhig. Das maßgebliche Vorprodukt PX ließ leicht nach. Die Versorgung aus der europäischen PET-Produktion wurde stetig besser. Importe waren wenig anzutreffen, da das hiesige Preisniveau für asiatische Lieferanten nicht attraktiv ist. Im Vorfeld des Weihnachtsgeschäfts belebte sich die Nachfrage, blieb aber Corona-bedingt immer noch relativ gering. Die Marktteilnehmer einigten sich auf die Weiterschreibung der Oktobernotierungen, auch der Dezember wird wohl weitgehend ruhig bleiben.

 

KI Preisreport Oktober 2020

Technische Thermoplaste Oktober 2020: Keine Preiserhöhungen zum Quartalswechsel / Nachfrage bleibt gering / Erzeuger nutzen Flaute für Wartungsarbeiten / Teils Lieferverzögerungen bis Anfang 2021

Wie erwartet konnten Anbieter technischer Thermoplaste den Quartalswechsel dieses Mal nicht für Preiserhöhungen nutzen. Über alle Sorten und Typen hinweg mussten sie sich wie schon zuletzt mit Nullrunden begnügen. Das dürfte auch im kommenden Monat so bleiben, denn eine Belebung der Nachfrage ist nicht in Sicht. Allein bei PC/ABS-Blends und POM natur könnte es, ausgehend von niedrigen Preisniveaus, zu moderaten Anpassungen kommen – etwa plus 6 Prozent bei PC/ABS-Blends und plus 10 Prozent bei POM natur. Dass der Polymerpreisindex „Plastixx TT“ dennoch leicht steigt, liegt am Einfluss des hier nicht berücksichtigten ABS.

Der erste Anbieter hat auf die anhaltend geringe Nachfrage mit einer Maßnahme reagiert, die erst im kommenden Jahr wirkt. Er hat den 1. Januar benannt, um dann endlich höhere PMMA-Preise durchzusetzen und so zumindest mittelfristig Kostensteigerungen bei der Beschaffung von MMA weiterreichen zu können. Damit ist aber im Grunde auch jeglicher Verhandlungsspielraum für Preiserhöhungen im vierten Quartal genommen.

Punktuell spitzt sich die Lage beim Angebot zu, so zum Beispiel bei PA 6, wo Anlagen, die mit erhöhter Auslastung gefahren werden, solche gegenüberstehen, bei denen es Limitierungen gibt. Hier wirkt zum Teil nach, dass infolge der Coronakrise entlassene Fachkräfte nicht kurzfristig adäquat ersetzt werden können.

Insgesamt stellen sich die Erzeuger unterschiedlich auf die Nachfrageflaute ein. Teils werden Wartungen durchgeführt, zum Beispiel an einer substanziell wichtigen Anlage für POM. Tendenziell steigen damit die zu erwartenden Lieferzeiten. Wer beispielsweise versäumt hat, beizeiten PC/ABS-Blends zu ordern, muss damit rechnen, erst im neuen Jahr beliefert zu werden. Ähnlich ist die Lage bei PC glasklar und PC GF.

 

Standard-Thermoplaste Oktober 2020: Polymere folgen fast ausnahmslos der Vorproduktentwicklung / PVC und ABS mit leichten bis mittleren Engpässen / Situation wird sich im November meist fortschreiben

Abschläge bei den Polyolefinen, Aufwärtstrend beim engen PVC, wenig einheitliche Linie bei Styrolkunststoffen – die zurückliegenden Oktoberwochen brachten einiges an Bewegung für die berichteten Typen. Die Mehrzahl der Polyethylen-Typen vollzog den Abschlag beim Vorprodukt Ethylen von 10 EUR/t nach. Die zuvor seitens der Erzeuger angedachten Preiserhöhungen waren schnell vom Tisch, allenfalls konnte hier und da ein Rollover verzeichnet werden. Käufe wurden vielfach mit Blick auf den Jahresendbonus getätigt. Die Produktion der Halbfertig- und Fertigprodukte geht jedoch vielfach direkt in den Lagerbestand – in der Hoffnung auf eine Belebung im Frühjahr. Für den November gab es Erhöhungswünsche einiger Erzeuger von bis zu 50 EUR/t – diese wurden jedoch noch unter der Annahme ausgegeben, dass sich Ethylen verteuern würde. Polymere werden ohne Ausnahme dem Rollover des Vorprodukts folgen.

Bei PP wurde der geringe C3-Abschlag in der Regel eingepreist. Nur einzelne Typen verzeichneten stabile Preise – bei PP-H Spritzguss stützte die belebtere Nachfrage, bei PP TV 20 dunkel/sz das niedrige Preisniveau und bei PP GF2 30 die Verteuerung von Beimischungskomponenten. Einige Anlagen fahren im November die Produktion wieder hoch, was die allgemeine Angebotssituation verbessern dürfte. Da aber weitere Impulse ausbleiben, dürften die Preise im November seitwärts tendieren.

Die Notierungen für PVC strebten weiter nach oben. Den Erzeugern spielte weiterhin die knappe Verfügbarkeit in die Karten, die aus dem Zusammenspiel von reger Nachfrage und diversen Anlagenausfällen resultierte. Im November wird sich die Hausse fortsetzen, zumal in Europa nach wie vor mehrere Anlagen nicht am Netz sind beziehungsweise erst wieder angefahren werden. Im Windschatten des Basismaterials werden sich auch Compounds und Pasten verteuern.

Nach dem Rückgang der Styrol-Referenz tendierten die Notierungen für Polystyrol und EPS nach unten, wenn auch meist nicht im Umfang der Kostenreduktion. Die Preise für ABS zogen etwas an – Käufer zollten der engen Marktlage Tribut. Inzwischen sind auch PS und EPS nicht mehr so gut verfügbar wie noch vor einigen Monaten. Dies spielt den Anbietern in die Karten, wenn sie im November die Preise anheben werden. Der Anstieg der SM-Referenz von 58 EUR/t wirkt dabei als Steighilfe.

Leichte Festigungstendenzen zeigte der europäische PET-Markt. Der Impuls dazu kam bei ruhigen Vorproduktmärkten und weiter geringem Endmarkt-Bedarf aus einer spürbaren Verringerung des Angebots. Der Nachfragesog aus den USA hielt an, zugleich dehnten sich Wartungen an wichtigen europäischen Produktionsstandorten aus. Im November werden Nachfrage-Impulse weiter ausbleiben, bei Normalisierung der Angebotslage. Unter dem Strich werden sich die Notierungen kaum ändern, allenfalls könnte es wieder zu leichten Abschlägen kommen.