KI Preisreport Januar 2021

Technische Thermoplaste Januar 2021: Weitere Preiserhöhungen bei allen Typen / Notierungen für Vorprodukte schlagen durch / Angebot weiter im Sinkflug / Kaum Aussicht auf Besserung

Die Warnsignale aus dem dritten und vierten Quartal 2020 haben nicht getrügt. Noch einmal hat sich die Versorgungslage in den Vorproduktestrecken von Erzeugern technischer Thermoplaste verschärft. Für Kunststoffverarbeiter bedeutete das teils erhebliche Preissteigerungen. Am härtesten getroffen waren Abnehmer von PC/ABS-Blends, die nach 95 EUR/t im Dezember im Januar noch einmal 225 EUR/t mehr zahlen mussten. Aber auch für PA 6 natur musste man bei einem Aufschlag um 175 EUR/t deutlich tiefer in die Tasche greifen.

Vielen preistreibenden Indikatoren haben allein Probleme bei der Lieferung von Elektronikbauteilen aus Asien entgegengewirkt, infolge derer einzelne Automotive-Hersteller die Produktion wieder drosseln mussten. Das hat sich beispielsweise preisdämpfend auch auf die Nachfrage nach Polycarbonat ausgewirkt. Andererseits berichteten Marktteilnehmer von Hamsterkäufen beim nur sehr geringen Angebot an PA 6.6.

Angesichts guter Nachfrage setzt sich auch im Ausblick auf die kommenden Monate zunehmend durch, dass Verarbeitern kaum Spielraum für Preisverhandlungen bleibt. Bei fortwährendem Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage dürften diese froh um jede Tonne sein, die sie bekommen können. Da auch weiterhin nicht mit signifikanten Mengen an Importware aus Fernost zu rechnen ist, wird häufig kaum eine andere Wahl bleiben, als auf die Forderungen der Erzeuger einzugehen. Derweil wurde die Nachfrage nach PMMA zusätzlich befeuert, weil Verarbeiter infolge von Versorgungsengpässen bei PC glasklar schon Ausweichkäufe getätigt haben. Ähnliches steht PA 6 bevor. Erste Verarbeiter haben schon angekündigt, mangels PA 6.6 hierauf ausweichen zu wollen.

 

Standard-Thermoplaste Januar 2021: Versorgungsengpässe und Allokationen bestimmen das Bild / Vorprodukte treiben Preise / Aufwärtstrend hält im Februar wohl noch an, doch mit weniger Dynamik

 PE: Die Mehrzahl der berichteten Polyethylen-Typen musste im Januar Aufschläge mit deutlichem Margenanteil schlucken. Besonders betroffen waren neben PE-LD-Folien auch die LLD (C6)-Folienmaterialien sowie in etwas geringerem Umfang Rohrtypen. Mengen wurden vielfach allokiert, die Forderungen der Erzeuger erreichten bei einer Kostensteigerung von 65 EUR/t für C2 bis zu 200 EUR/t, Für den Februar liegen Aufschlagswünsche von bis zu 200 EUR/t auf dem Tisch (C2 +70). Eine Umsetzung ist bei teils schwacher Verfügbarkeit wahrscheinlich.

Das zugrundeliegende Problem ist dabei ein strukturelles: Die aktuell geringe Raffinerietätigkeit sorgt auch für einen schwächeren Ausstoß an Olefinen. Importe werden hier und da zwar erwartet, aber wohl erst im März eintreffen.

PP: Auch im Januar 2021 setzten die Produzenten Preisaufschläge für Polypropylen durch, die den Kostenanstieg durch C3 weit übertrafen. Dabei kam ihnen die enge Verfügbarkeit von Materialien entgegen, die durch die gute Nachfrage noch verschärft wurde. Für den Februar ist keine Linderung in Sicht, im Gegenteil: Die C3-Referenz stieg um weitere 85 EUR/t, einige Anbieter fassten Aufschlagsforderungen von bis zu 250 EUR/t ins Auge, bevor die Meldung eines weiteren ungeplanten Anlagenausfalls den Markt erschütterte.

PVC: Schub erhielten die Notierungen von der engen Marktsituation und der regen Nachfrage. Somit konnten die Produzenten von PVC-Basismaterialien die Preise erneut über den anteiligen C2-Kostenanstieg hinaus erhöhen. Die Compounds folgten hingegen weitgehend den reinen Kostenveränderungen. Für den Februar bleiben die Verfügbarkeitsaussichten trübe, weitere Aufschläge sind zu erwarten.

Styrolkunststoffe: Der Anstieg der Styrol-Referenz (+108 EUR/t) ließ die Preise für Polystyrol und EPS weiter in die Höhe schießen – bei Polystyrol gingen die Erhöhungen oftmals sogar etwas über die SM-Kostenveränderung hinaus, bei EPS hingegen lagen sie meist etwas darunter. ABS hat sich von den Vorproduktpreisen ohnehin weitgehend entkoppelt. Hier war es die stark eingeschränkte Versorgung, aus der Sprünge von 200 bis 300 EUR/t resultierten. Im Februar werden die Preise wohl weiter nach oben tendieren, wenn auch deutlich weniger dynamisch als zuletzt.

PET: Deutlich gestiegene Vorproduktkosten trieben die europäischen PET-Notierungen im Januar 2021 nach oben. Die Befürchtungen der Marktbeobachter bestätigten sich sowohl bei PX, dessen Kontraktpreise über Dezember und Januar um 85 EUR/t anzogen, als auch bei MEG, das nach einigen Monaten Stillstand im Januar gleich um 100 EUR/t zulegte. Für den Februar stehen weitere Anhebungen bei den Vorprodukten. Diese werden bei weitgehend unveränderter Angebotslage mit geringen Importen sicher weitergegeben werden, je nach Nachfragelage auch mit leichten Margengewinnen.

 

KI Preisreport Dezember 2020

Technische Thermoplaste Dezember 2020: Preiserhöhungen bei allen Typen / Durchweg geringes Angebot ohne Aussicht auf Besserung / Preis für PA 6.6 droht Allzeithoch im Januar

Nachdem Verarbeiter von Polycarbonaten und Polyamiden bereits im November Preiserhöhungen akzeptieren mussten, wurden im Dezember sämtliche berichteten technischen Thermoplaste mit Aufschlägen versehen. Am deutlichsten fielen diese mit bis zu 160 EUR/t bei PA 6.6 aus. Lieferschwierigkeiten eines großen US-amerikanischen Herstellers von ADN haben hier weltweit für eine zusätzliche Verknappung der ohnehin begrenzten Produktion von PA-6.6-Rohstoffen gesorgt. Die Lagerbestände schrumpften gegen Null, was neben höheren Preisen zu deutlich längeren Lieferzeiten führte. Verschiebungen und Teillieferungen prägten das Bild.

Nicht viel besser war die Versorgungslage bei PC. Aufgrund der Corona-Pandemie mangelte es Produzenten hier weiterhin an Personal, sodass nicht mit voller Kapazität produziert werden konnte. Lange Lieferzeiten waren die Folge, teils konnten Bedarfe nicht gedeckt werden. Einschränkend wirkten zudem Ausfälle bei der Verfügbarkeit des Vorproduktes Bisphenol-A.

Dem durchweg knappen Angebot stand eine insgesamt gute Nachfrage gegenüber. Zwar haben die Weihnachtsfeiertage in vielen Abnehmersegmenten den Bedarf gebremst, doch wurde im Vorfeld munter eingekauft, um auch die Läger zu befüllen. Zu nennen sind hier unter anderem die Automobilindustrie, Hersteller von Weißer Ware und anderen Hausgeräten sowie der E&E-Bereich.

Im Ausblick auf den Januar ist hinsichtlich der Angebotslage keine Besserung in Sicht. Im Verbund mit weiteren Preissteigerungen bei den Vorprodukten ist daher mit neuerlichen Aufschlägen zu rechnen, zumal dann auch der Quartalsschutz aufgehoben ist. PA 6.6 natur könnte erstmals die Marke von 5.000 EUR/t knacken. Die bislang höchste Notierung wurde hier mit 4.940 EUR/t rund um den Jahreswechsel 2018/19 erreicht.

Standard-Thermoplaste Dezember 2020: Mit Ausnahme von PET teils deftige Aufschläge / Brexit und Pandemie sorgen für Angstkäufe / Engpässe bei Styrolkunststoffen und PVC bleiben bestehen / Im Januar weiter aufwärts

Die Preise für Polyethylen-Materialien stiegen im Dezember 2020 teils deutlich stärker als die Kosten für das Vorprodukt Ethylen, das um 20 EUR/t zulegte. Je nach Aufschlag im Vormonat kam mehr oder weniger zusätzliche Margenverbesserung bei den Verarbeitern an. Insbesondere bei LD-Folien heizten Angstkäufe der Briten und pandemiebedingte Hamsterkäufe die Nachfrage an. Aber auch bei anderen Materialien war der Markt meist recht fest im Griff der Produzenten. Für den Januar belaufen sich die Erzeugerforderungen je nach Quelle auf bis zu 200 EUR/t, bei einem Kostenanstieg für Ethylen von 65 EUR/t. Je nach Verfügbarkeit ist zu erwarten, dass zumindest die Kostensteigerung umgesetzt wird.

Angesichts der angespannten Versorgungslage konnten die Produzenten im Dezember 2020 Preisaufschläge durchsetzen, die deutlich über den C3-Kostenanstieg hinausgingen. Unterstützung erhielten sie dabei von der sehr ordentlichen Nachfrage. Im Windschatten der Aufschläge für Standard-Polypropylen verteuerten sich anteilsmäßig auch die Compounds. Der Preisauftrieb wird sich im Januar verschärfen, denn die Erzeuger werden sich nicht damit begnügen, den neuerlichen C3-Anstieg von 65 EUR/t einzupreisen, sondern peilen dreistellige Aufschläge an.

Schon seit Monaten hat sich PVC von den C2-Kosten entkoppelt, und auch zuletzt sattelten die Anbieter wegen der engen Versorgungslage noch einmal kostenübersteigende Aufschläge auf die ohnehin hohen Notierungen. Seit Mai vergangenen Jahres hat sich PVC-Basismaterial somit um mehr als 30 Prozent verteuert. Auch die Preise für Compounds und Pasten zogen weiter an. Die Verfügbarkeit bleibt auch im Januar limitiert, weshalb die Anbieter mit weiteren Aufschlägen liebäugeln.

Mit dem sprunghaften Anstieg der Styrol-Referenz schossen die Preise der Styrolkunststoffe im Dezember 2020 nach oben. Insbesondere bei Polystyrol und ABS, deren Verfügbarkeit unter teilweise extremen Engpässen leidet, erreichten die Aufschläge Werte jenseits der kräftigen Kostensteigerung. Preistechnisch müssen sich die Verarbeiter auch weiterhin auf einen rauen Winter einstellen. Denn der neuerliche Anstieg bei Styrol im Januar (+108 EUR/t) wird die Preise weiter nach oben treiben, und auch die anhaltenden Versorgungsengpässe bei Polystyrol und insbesondere ABS werden sich bei den Notierungen bemerkbar machen.

Wie erwartet tat sich im Dezember 2020 im europäischen PET-Markt wenig. Von den Vorprodukten MEG und PX kamen nur geringe Signale, die sich zudem gegenseitig aufhoben. Angebotsseitig stabilisierte sich die Lage in der europäischen Produktion weiter, wenn auch im pandemischen Weihnachtsmonat mit eher gebremstem Schaum. Importe lagen weiter in der Flaute wegen hoher Frachtraten und für die Lieferanten unattraktiven Erlösmöglichkeiten. Auch die Nachfrage blieb angesichts der Lockdowns in vielen Ländern sehr verhalten. Die Aussicht auf den ersten Monat des neuen Jahres wirkt unsicher. Einige Stimmen befürchten steigende Vorproduktkosten und Turbulenzen durch die Brexit-Situation, was preistreibend wirken könnte. Andererseits wird die flaue Nachfragelage kaum Margenerhöhungen erlauben.

 

KI Preisreport November 2020

Technische Thermoplaste November 2020: Erstmals wieder Preisanstiege bei PC und PA / Überraschend hohe Nachfrage aus dem Automobilbereich / Schon im Advent kommt es zum Kampf um Mengen

Nach Monaten der Abwärtsbewegung und Stagnation gab es bei den Preisen für technische Thermoplaste im November 2020 erstmals wieder moderat gestiegene Notierungen. Davon betroffen waren Verarbeiter von Polycarbonat und Polyamiden, wo KI Zuwächse von 10 bis 40 EUR/t gemeldet wurden – vor allem am unteren Rand der Preisbandes.

Zur Umkehr der Preiskurve beigetragen hat auch die gegenüber geringem Angebot durchweg gute Nachfrage. In vielen Abnehmersegmenten sind die Abrufe deutlich gestiegen. Allen voran die Automobilindustrie hatte nach Monaten der Zurückhaltung überraschend großen Bedarf. Aber auch Hersteller von Weißer Ware und anderen Hausgeräten sowie aus dem E&E-Bereich zeigten sich sehr aktiv.

Ansonsten herrschte noch einmal quasi Ruhe vor dem Sturm. Ab Mitte Dezember dürfte es mehr oder minder durchgängig zu weiteren Erhöhungen kommen. Denn das ohnehin schon geringe Angebot wird durch diverse ungeplante Stillstände, zum Beispiel bei PA 6 und PA 6.6, noch knapper. Zusätzlich schlagen dann auch die gestiegenen Preise bei den Vorprodukten und Beimischungskomponenten durch. Mit bis zu 155 EUR/t ist bei glasfaserverstärkten PA 6.6-Typen der größte Aufschlag zu erwarten.

Anstehende Betriebsschließungen über die Feiertage in Kombination mit teils noch immer praktizierter Kurzarbeit dürften sich zwar dämpfend auf die Nachfrage auswirken, doch gibt es auch auf Erzeugerseite weiterhin Produktionsausfälle zu beklagen – zunehmend durch Covid-19-Fälle. Mit dem bevorstehenden Jahreswechsel enden zudem schützende Quartalsbindungen, sodass es schon im Advent zum Kampf um Mengen kommen kann.

 

Standard-Thermoplaste November 2020: Wenig Bewegung bei den Polyolefinen und PET / Zum Teil kräftige Aufschläge für PVC und Styrolkunststoffe / Im Dezember wohl markante Preissteigerungen bei PS, EPS und ABS

 Kaum Veränderungen bei den Polyolefinen, Rollover bei PET und teilweise deutliche Preiserhöhungen bei PVC und den Styrolkunststoffen – grob umschrieben präsentierte sich so die Preisentwicklung der Standard-Thermoplaste im November 2020. Bei PE konnten die Erzeuger nur bei einigen Typen ihre Aufschlagsforderungen anteilig durchsetzen. Trotz etlicher Anlagenausfälle in Europa konnte der Bedarf meist zeitnah bedient werden. Vor allem bei Folienmaterialien war das Fehlen der Importe aber zu spüren. Im Dezember stehen Forderungen oberhalb der C2-Kostenweitergabe von 20 EUR/t im Raum, doch die Marktlage wird Margenverbesserungen der Erzeuger kaum zulassen.

Auch die Notierungen für PP blieben weitgehend stabil – kostenseitig gab es nach dem Rollover der C3-Referenz ohnehin keine Impulse. PP-H wurde somit auf dem Vormonatsniveau fortgeschrieben, und bei PP-C zogen Anbieter lediglich bisherige Tieflagen etwas nach oben. Da sich der Effekt von Anlagenstillständen verstärken dürfte und die C3-Referenz im Dezember um 15 EUR/t anzog, stehen den Verarbeitern wohl leichte Aufschläge ins Haus.

Derweil setzt sich die Hausse der PVC-Preise aufgrund der weiterhin engen Marktlage fort. Zwar haben mehrere Produktionsanlagen inzwischen den Betrieb wieder aufgenommen, aber die Läger waren weiterhin leer. Produzenten möchten die Notierungen im Dezember weiter anheben und verweisen auf das höhere Preisniveau in anderen Weltregionen. Doch auch hier ist PVC schon ziemlich teuer und der Spielraum für weitere Aufschläge begrenzt. Zudem lässt die Nachfrage saisonal nach. Da sich die PVC-Preise von den Vorproduktkosten zuletzt weitgehend entkoppelt haben, dürfte auch der Anstieg der C2-Referenz nicht ins Gewicht fallen.

Die Preise der Styrolkunststoffe strebten nach dem Anstieg der Styrol-Referenz (+58 EUR/t) auf breiter Front nach oben. Die Erhöhungen fielen jedoch sehr unterschiedlich aus. Bei EPS blieben sie meist etwas unter dem Kostenanstieg, während PS-Anbieter im Zuge einer knappen Verfügbarkeit eine leichte Margenverbesserung erwirkten. Den Vogel schoss ABS ab: Aufgrund der engen Marktlage, die weiterhin aus dem geringen Umfang von Importen resultierte, konnten die Anbieter zum Teil markante Aufschläge durchsetzen. Im Dezember werden die Notierungen noch einem deutlich steigen, nachdem die SM-Referenz um 139 EUR/t nach oben schnellte.

Der PET-Markt blieb hingegen ruhig. Das maßgebliche Vorprodukt PX ließ leicht nach. Die Versorgung aus der europäischen PET-Produktion wurde stetig besser. Importe waren wenig anzutreffen, da das hiesige Preisniveau für asiatische Lieferanten nicht attraktiv ist. Im Vorfeld des Weihnachtsgeschäfts belebte sich die Nachfrage, blieb aber Corona-bedingt immer noch relativ gering. Die Marktteilnehmer einigten sich auf die Weiterschreibung der Oktobernotierungen, auch der Dezember wird wohl weitgehend ruhig bleiben.

 

KI Preisreport Oktober 2020

Technische Thermoplaste Oktober 2020: Keine Preiserhöhungen zum Quartalswechsel / Nachfrage bleibt gering / Erzeuger nutzen Flaute für Wartungsarbeiten / Teils Lieferverzögerungen bis Anfang 2021

Wie erwartet konnten Anbieter technischer Thermoplaste den Quartalswechsel dieses Mal nicht für Preiserhöhungen nutzen. Über alle Sorten und Typen hinweg mussten sie sich wie schon zuletzt mit Nullrunden begnügen. Das dürfte auch im kommenden Monat so bleiben, denn eine Belebung der Nachfrage ist nicht in Sicht. Allein bei PC/ABS-Blends und POM natur könnte es, ausgehend von niedrigen Preisniveaus, zu moderaten Anpassungen kommen – etwa plus 6 Prozent bei PC/ABS-Blends und plus 10 Prozent bei POM natur. Dass der Polymerpreisindex „Plastixx TT“ dennoch leicht steigt, liegt am Einfluss des hier nicht berücksichtigten ABS.

Der erste Anbieter hat auf die anhaltend geringe Nachfrage mit einer Maßnahme reagiert, die erst im kommenden Jahr wirkt. Er hat den 1. Januar benannt, um dann endlich höhere PMMA-Preise durchzusetzen und so zumindest mittelfristig Kostensteigerungen bei der Beschaffung von MMA weiterreichen zu können. Damit ist aber im Grunde auch jeglicher Verhandlungsspielraum für Preiserhöhungen im vierten Quartal genommen.

Punktuell spitzt sich die Lage beim Angebot zu, so zum Beispiel bei PA 6, wo Anlagen, die mit erhöhter Auslastung gefahren werden, solche gegenüberstehen, bei denen es Limitierungen gibt. Hier wirkt zum Teil nach, dass infolge der Coronakrise entlassene Fachkräfte nicht kurzfristig adäquat ersetzt werden können.

Insgesamt stellen sich die Erzeuger unterschiedlich auf die Nachfrageflaute ein. Teils werden Wartungen durchgeführt, zum Beispiel an einer substanziell wichtigen Anlage für POM. Tendenziell steigen damit die zu erwartenden Lieferzeiten. Wer beispielsweise versäumt hat, beizeiten PC/ABS-Blends zu ordern, muss damit rechnen, erst im neuen Jahr beliefert zu werden. Ähnlich ist die Lage bei PC glasklar und PC GF.

 

Standard-Thermoplaste Oktober 2020: Polymere folgen fast ausnahmslos der Vorproduktentwicklung / PVC und ABS mit leichten bis mittleren Engpässen / Situation wird sich im November meist fortschreiben

Abschläge bei den Polyolefinen, Aufwärtstrend beim engen PVC, wenig einheitliche Linie bei Styrolkunststoffen – die zurückliegenden Oktoberwochen brachten einiges an Bewegung für die berichteten Typen. Die Mehrzahl der Polyethylen-Typen vollzog den Abschlag beim Vorprodukt Ethylen von 10 EUR/t nach. Die zuvor seitens der Erzeuger angedachten Preiserhöhungen waren schnell vom Tisch, allenfalls konnte hier und da ein Rollover verzeichnet werden. Käufe wurden vielfach mit Blick auf den Jahresendbonus getätigt. Die Produktion der Halbfertig- und Fertigprodukte geht jedoch vielfach direkt in den Lagerbestand – in der Hoffnung auf eine Belebung im Frühjahr. Für den November gab es Erhöhungswünsche einiger Erzeuger von bis zu 50 EUR/t – diese wurden jedoch noch unter der Annahme ausgegeben, dass sich Ethylen verteuern würde. Polymere werden ohne Ausnahme dem Rollover des Vorprodukts folgen.

Bei PP wurde der geringe C3-Abschlag in der Regel eingepreist. Nur einzelne Typen verzeichneten stabile Preise – bei PP-H Spritzguss stützte die belebtere Nachfrage, bei PP TV 20 dunkel/sz das niedrige Preisniveau und bei PP GF2 30 die Verteuerung von Beimischungskomponenten. Einige Anlagen fahren im November die Produktion wieder hoch, was die allgemeine Angebotssituation verbessern dürfte. Da aber weitere Impulse ausbleiben, dürften die Preise im November seitwärts tendieren.

Die Notierungen für PVC strebten weiter nach oben. Den Erzeugern spielte weiterhin die knappe Verfügbarkeit in die Karten, die aus dem Zusammenspiel von reger Nachfrage und diversen Anlagenausfällen resultierte. Im November wird sich die Hausse fortsetzen, zumal in Europa nach wie vor mehrere Anlagen nicht am Netz sind beziehungsweise erst wieder angefahren werden. Im Windschatten des Basismaterials werden sich auch Compounds und Pasten verteuern.

Nach dem Rückgang der Styrol-Referenz tendierten die Notierungen für Polystyrol und EPS nach unten, wenn auch meist nicht im Umfang der Kostenreduktion. Die Preise für ABS zogen etwas an – Käufer zollten der engen Marktlage Tribut. Inzwischen sind auch PS und EPS nicht mehr so gut verfügbar wie noch vor einigen Monaten. Dies spielt den Anbietern in die Karten, wenn sie im November die Preise anheben werden. Der Anstieg der SM-Referenz von 58 EUR/t wirkt dabei als Steighilfe.

Leichte Festigungstendenzen zeigte der europäische PET-Markt. Der Impuls dazu kam bei ruhigen Vorproduktmärkten und weiter geringem Endmarkt-Bedarf aus einer spürbaren Verringerung des Angebots. Der Nachfragesog aus den USA hielt an, zugleich dehnten sich Wartungen an wichtigen europäischen Produktionsstandorten aus. Im November werden Nachfrage-Impulse weiter ausbleiben, bei Normalisierung der Angebotslage. Unter dem Strich werden sich die Notierungen kaum ändern, allenfalls könnte es wieder zu leichten Abschlägen kommen.

KI Preisreport September 2020

Technische Thermoplaste September 2020: Nullrunde auf breiter Front / Automotive meldet geringen Bedarf bis 2021 / Lampen und Leuchten laufen gut in dunklen Monaten / Preiserhöhungen zum Quartalswechsel?

Nach dem August hat sich auch der September als unspektakulär bei den Preisen für technische Thermoplaste gezeigt. Ganz gleich, ob Polycarbonat, Polyamid, PBT, POM oder PMMA: Bei allen berichteten Kunststoffsorten steht die Null zu Buche, sprich, gegenüber dem Vormonat gibt es keinerlei Veränderung. Dass der Polymerpreisindex „Plastixx TT“ (s. Grafik) dennoch leicht steigt, liegt am Einfluss des hier nicht berichteten ABS.

Angekündigte wie durchgesetzte Preiserhöhungen bei den Basispolymeren und Zwischenprodukten konnten die Erzeuger nicht weitergeben. Nicht ganz überraschend haben Quartalsbindungen hier ihre schützende Hand über die Verarbeiter gehalten. Die insgesamt geringe Nachfrage hat ihr Übriges getan. Daran konnten weder die als Mittel zur Marktsteuerung anhaltenden Drosselungen von Produktionsanlagen noch die angekündigte Wartungsabstellung einer wesentlichen Anlage für POM etwas ändern.

Nach einer langen Phase des Lagerabbaus auf Seiten der Verarbeiter war speziell bei PC und PA eine leichte Belebung der Nachfrage festzustellen, dies jedoch weit unterhalb des für September normalen Niveaus von Vor-Corona-Zeiten. Anhaltend robust war E&E mit Produkten für den Baubereich sowie für Lampen und Leuchten, wo die Umstellung auf LED-Technologie und die traditionell höhere Nachfrage in den bevorstehenden dunklen Monaten den Bedarf weitertreiben. Unterdessen mehren sich seitens der Automobilindustrie die Anzeichen, dass die geringe Nachfrage bis weit ins Jahr 2021 anhalten könnte.

Den bevorstehenden Quartalswechsel dürften einige Produzenten dennoch zum Anlass nehmen, Preiserhöhungen zu fordern. Aufgrund der allgemeinen Marktlage ist jedoch eher nicht damit zu rechnen, dass dies auf breiter Front gelingt.

Standard-Thermoplaste September 2020: Polyolefine und Styrolkunststoffe driften seitwärts / Enges Angebot treibt PVC weiter nach oben / PET im Abwärtstrend / Folgen der Stürme in den USA machen sich bemerkbar

Uneinheitlich zeigten sich die Notierungen der Standard-Thermoplaste im September. Bei stabilen Kosten forderten PE-Erzeuger bei allen berichteten Typen Preisaufschläge von bis zu 50 EUR/t. Sie wollen mit Macht verlorenen Margenboden zurückgewinnen. Diese Ansätze verfingen allerdings kaum, PE-LLD-Materialien gaben sogar leicht nach. In der zweiten Monatshälfte tendierte das Preisgefüge wegen der Exporte beispielsweise in die USA meist etwas fester. Trotz der leichten Senkung des Ethylen-Kontrakts um 10 EUR/t im Oktober werden die Produzenten ihre Forderungen nach höheren Preisen wiederholen, ein Erfolg ist trotz anziehender Nachfrage jedoch nicht sicher.

Im Windschatten der stabilen C3-Kosten blieben auch die PP-Preise unverändert. Die Aufschlagsforderungen einiger Anbieter verpufften weitgehend, allenfalls bei einzelnen Tieflagen wurden sie teilweise umgesetzt. Das von Anlagenausfällen verringerte Angebot zeigte kaum Effekt – die Nachfrage war zu schwach. An dieser Gemengelage dürfte sich im Oktober wenig ändern. Ob die leichte C3-Reduktion (-12,50 EUR) weitergegeben wird, erscheint angesichts der limitierten Versorgungslage eher fraglich.

Im September 2020 notierten die PVC-Preise den vierten Monat in Folge fester. Kostenseitig fehlten zwar Impulse, aber die angespannte Marktsituation beim Basismaterial sorgte für Auftrieb. Ungeplante Anlagenausfälle verschärften die ohnehin angespannte Versorgungslage. Für mehrere Compoundeure geriet die Beschaffung von Basis-PVC zum echten Problem. An der angespannten Lage wird sich im Oktober wohl nichts ändern. Einige Anlagen nehmen den Betrieb zwar wieder auf, aber weitere Wartungen stehen auf der Agenda. Vor diesem Hintergrund ist mit Preissteigerungen für Basismaterial und auch Compounds zu rechnen.

Die Notierungen der Styrolkunststoffe blieben im September 2020 stabil oder gaben wie die Styrol-Referenz (-13 EUR/t) leicht nach. Etwas deutlicher fielen die Abschläge bei Polystyrol-Folientypen aus. Preise für ABS-Spritzgießmaterialien hingegen legten angesichts knapper Verfügbarkeit zu. Die im Oktober erneut rückläufigen Kosten für Styrol werden bei PS und EPS sicher zumindest in Teilen weitergegeben werden. Bei ABS ist das weniger wahrscheinlich – zum einen, weil die Kostensteigerung von Butadien (+40 EUR/t) bremsend wirken wird, zum anderen, weil der geringe Umfang von Importen weiterhin das Angebot schmälert.

Deutliche Konzessionen mussten die europäischen PET-Anbieter im September 2020 gewähren. Mangelnde Nachfrage aufgrund der zweiten Pandemie-Welle, Importangebote und gut gefüllte Lager sowie sinkende Aromaten-Notierungen erzeugten starken Preisdruck. In der zweiten Monatshälfte ließ dieser Druck dann nach. Wartungen und Drosselungen zeigten Wirkung, zugleich entstand ein Abflusssog in Richtung USA. Für den Oktober sind keine deutlichen Nachfrage-Impulse in Sicht. Die Pandemie gewinnt in Europa an Fahrt, zugleich jedoch tendiert das Angebot geringer. Dieses Zusammenspiel sollte die Notierungen stabilisieren bis leicht festigen.

KI Preisreport August 2020

Technische Thermoplaste August 2020: Nullrunde bei Polycarbonat / Glasfaserverstärkte Polyamide günstiger / Längerfristige Vereinbarungen stabilisieren PBT-Geschäft / PMMA-Preis wird steigender MMA-Notierung folgen

Für die technischen Thermoplaste (TT) hat sich der August als typischer Quartals-Mittelmonat präsentiert. Sprich: unspektakulär. So ist es bei den Polycarbonat-Preisen durchweg zu Nullrunden gekommen. Wie in den Wochen zuvor wurden Produktionsanlagen vielerorts nur gedrosselt betrieben. Der eher geringe Bedarf konnte jedoch jederzeit bedient werden. Perspektivisch dürften Produzenten versuchen, höhere Preise durchzusetzen. Sollte die Nachfrage zum Ende der Haupturlaubszeit tatsächlich weiter steigen, könnte das gelingen. Jedoch bremsen andererseits bestehende Quartalsbindungen bis Ende September dieses Ansinnen.

Ganz ähnlich zeigt sich die Lage bei den Polyamiden, wobei sich Verarbeiter glasfaserverstärkter Typen sogar über ein Ende des Preishochs freuen durften, ist der Preis doch zumindest um 50 EUR je Tonne gesunken. Das wussten die Anbieter trotz gestiegener Preise bei den Vorprodukten nicht zu verhindern. Mit anziehendem Bedarf nach dem Ende der Haupturlaubszeit sollten die Läger abschmelzen, was in Kombination mit nach wie vor gedrosselter Produktionsmenge zu einem balancierten Angebot führen dürfte.

Im stark reglementierten PBT-Geschäft haben derweil ohnehin längerfristige Vereinbarungen weiterhin stabilisierend gewirkt. Obwohl sich die Vorprodukte entlang fast der gesamten Strecke seit etwa Mai dieses Jahres wieder spürbar verteuert haben, hatten die Anbieter keinen Erfolg mit der Weitergabe dieser Kosten an die Abnehmer. Veränderungen bei den Abnahmemengen sind hier nicht in Sicht.

Auch der September sieht aktuell nach wenig Bewegung aus. Zwar sollte die Nachfrage insgesamt wieder anziehen, aber Preiserhöhungen sind nicht in Sicht. Das könnte sich jedoch ab dem vierten Quartal schlagartig ändern. Aktuelle Preiserhöhungen beispielsweise beim PMMA-Vorprodukt MMA geben hier eindeutig die Richtung vor.

 

Standard-Thermoplaste August 2020: Preise folgen den leichten Vorproduktbewegungen / Erzeuger erreichen bei schwacher Nachfrage keine Margenverbesserungen / PVC reagiert auf zahlreiche Anlagenausfälle

Auf dem Fuß der nur wenig veränderten Vorproduktkontrakte präsentierten sich auch die Notierungen der Standard-Thermoplaste im September meist mit leichten Aufschlägen. Vielfach kam es je nach Typ angesichts der schwachen Nachfrage auch zum Rollover. Ausnahmen bildeten das nach wie vor überversorgte PET auf der einen sowie die Engpässe bei PVC auf der anderen Seite.

Bei Polyethylen konnten die Erzeuger lediglich für HD-Rohrqualitäten und EVA die Kostensteigerung bei Ethylen (+21 EUR/t) durchsetzen. Die tief stehenden Lager spielten ihnen hier in die Karten. Von der mit Forderungen von bis zu 50 EUR/t zusätzlich angestrebten Margenverbesserung konnte jedoch keine Rede sein, dafür geriet die Nachfrage zu dünn.

Die Preise für Polypropylen bewegten sich leicht nach oben. Während die Anhebungen im ersten Monatsdrittel unter dem Eindruck von ungeplanten Anlagenausfällen meist noch den vollen Umfang des Monomeranstiegs von 27,50 EUR/t erreichten, bröckelte die Aufschlaghöhe im weiteren Monatsverlauf zusehends ab.

Der Aufwärtstrend der PVC-Preise setzte sich fort. Im Minimum preisten die Anbieter den anteiligen C2-Kostenanstieg ein. Bei S-PVC Basismaterial und den Pasten konnten sie aufgrund von eingeschränkter Verfügbarkeit und reger Nachfrage auch etwas höhere Aufschläge erzielen.

Der minimale Anstieg der Styrol-Referenz (+4 EUR/t) gab die Seitwärtstendenz für Polystyrol und EPS vor. Nur wenig ausgeprägter gestalteten sich die Preisveränderungen bei ABS.

Den europäischen PET-Märkten mangelte es weiterhin an Impulsen. Die Vorproduktpreise bewegten sich marginal, und produktionsseitig blieb in Europa alles stabil. Bei verhaltener Nachfrage mussten europäische Anbieter in frei verhandelten Monatsabnahmen vor allem bei höheren Notierungen den einen oder anderen Euro zugestehen.

Die September-Forderungen von bis zu 50 EUR/t, wie sie manche PE-Erzeuger formulieren, sollen der Margenverbesserung dienen. Die Kostenbasis blieb zum Monatsbeginn stabil. Wahrscheinlich ist deshalb die Fortschreibung der Augustpreise. Der fehlende Zufluss günstigerer Materialien unter anderem aus Nordamerika als Folge der zahlreichen Force Majeures nach Sturm „Laura” dürfte stützend auf die Preise wirken.

Angesichts des C3-Rollover dürfte PP seitwärts tendieren. Ob es mit den Hurrikan-bedingten Force Majeures von US-Anlagen zu Engpässen in Europa kommen wird, bleibt abzuwarten. Derweil dürfte die Nachfrage positive Impulse durch das Ende der Urlaubszeit sowie saisonale Effekte erhalten.

Zahlreiche Anlagenausfälle in der Produktion von PVC und Weichmachern sowie eine anziehende Nachfrage nach Bauprodukten werden die ohnehin angespannte Versorgungslage verschärfen. Vor diesem Hintergrund zeichnen sich schon jetzt weitere Aufschläge ab.

Wenig Schwung ist bei den Preisen für die Styrolkunststoffe zu erwarten. Angesichts des Rückgangs der SM-Referenz von 13 EUR/t im September dürften die meisten Sorten einen Rollover oder allenfalls geringfügige Abschläge verzeichnen.

Bei PET sind keine maßgeblichen Änderungsimpulse in Sicht. Angebotsseitig bleibt die weitere Entwicklung an der Importfront abzuwarten. Die Notierungen dürften auf tiefem Niveau stabil bleiben.

KI Preisreport Juli 2020

Technische Thermoplaste Juli 2020: Preise für Polyamide geben trotz leicht anziehender Vorprodukte nach / PMMA vor Verteilungskampf / Nachfragedämpfung im August erwartet / Automobilbau regional uneinheitlich

Beide Polyamidsorten standen im Juli 2020 im Mittelpunkt des Interesses. Die Preise sowohl für PA 6- als auch für PA 6.6-Materialien gaben nach, während die Mehrzahl der übrigen technischen Thermoplaste kaum Veränderung zeigte. Die schwache Nachfrage im Verein mit den bislang nur langsam anziehenden Vorproduktnotierungen in der Benzol-Strecke macht den Polyamiden zu schaffen, woran sich wohl so schnell auch nichts ändern wird. Insbesondere bei dem nach wie vor sehr hoch stehenden PA 6.6 sind Verarbeiter immer seltener bereit, einen Preis zu zahlen, der den vor der ADN-Versorgungskrise noch immer übersteigt.

Eine Abwärtsbewegung gab es zudem bei PMMA, wo offenbar ein Verteilungskampf zwischen westlichen und asiatischen Erzeugern droht, während gleichzeitig eine gewisse Enge für das Vorprodukt MMA abzusehen ist.

Im August sind Aufschläge trotz gestiegener Kosten für die Mehrzahl der Vorprodukte kaum vorstellbar. Die Erzeuger werden trotz hier und da geäußerter Erhöhungsforderungen wohl im Wesentlichen auf Stabilität dringen. Ob diese in allen Fällen erreicht werden kann, darf dahingestellt bleiben. Die bislang vehement betriebene Mengensteuerung könnte sich ihrem Ende nähern, die Maßnahme scheint ihren Zweck erfüllt zu haben.

Der Urlaubsmonat ist trotz einiger weniger anderslautender Signale eine Zeit gedämpfter Nachfrage ohne Impulse. Die Situation im Automobilbau als einem der Hauptabnehmer insbesondere bei Polyamiden bleibt regional uneinheitlich. Einzelne Automobilwerke produzieren ohne die üblichen Werksferien weiter, andere stehen weiterhin still oder werden wegen einer zweiten Infektionswelle bereits wieder gedrosselt. Das wird sich auch auf die weitere Preisentwicklung auswirken.

 

Standard-Thermoplaste Juli 2020: Teuerung bei Polymeren meist auf Augenhöhe mit den Kostenvorgaben / Hohe Preise schrecken Verarbeiter ab /  Anlagendrosselungen führen hier und da zu Engpässen

Der zweite deutliche Aufschlag bei Ethylen nach dem starken Corona-getriebenen Preisverfall beförderte die Polyethylen-Notierung ebenso kräftig nach oben. Forderungen von bis zu 100 EUR/t standen im Raum, diese wurden jedoch nur vereinzelt tatsächlich realisiert – und dann meist auf sehr tief liegenden Niveaus. Auf der anderen Seite waren Erhöhungen von 80 EUR/t das Minimum. Ausnahmen stellten nur einige Spritzgießqualitäten sowie HD-Materialien dar.

Der Anstieg der C3-Referenz um 75 EUR/t im Juli wurde zwar nicht vollständig, jedoch zu weiten Teilen an die Abnehmer weitergegeben. Hingegen erreichten die Erzeuger die angestrebten Margenverbesserungen nicht. Kontraktierte Mengen standen meist problemlos zur Verfügung, allerdings kam es wegen der allgegenwärtigen Drosselungen auch zu Allokationen.

Erhöhungsforderungen von bis zu 60 EUR/t standen für PVC-Basispolymer nach dem Ethylenaufschlag von 84 EUR/t zu Monatsanfang im Raum. Die Versuche der Verarbeiter, die Anhebung zu begrenzen, waren meist nicht von Erfolg geprägt, weshalb die Mehrzahl der Abschlüsse leicht über dem anteiligen Kostenplus vereinbart wurde. Weiche Mischungen wurden zusätzlich von anziehenden Weichmacherpreisen beeinflusst.

Ein kleiner Schluckauf bei mehreren europäischen Anlagen sorgte angebotsseitig zumindest für eine leichte Enge, zumal auch das Exportgeschäft gut lief und dem europäischen Angebot Mengen entzog. Gleichzeitig griffen Profilhersteller ordentlich zu.

Bei Polystyrol scheiterte die vollständige Weitergabe der gestiegenen Styrol-Kosten fast durchgängig an der schwachen Nachfrage. Dennoch ging ein erklecklicher Teil der Forderungen letztendlich durch, jeweils abhängig vom vorherigen Preisniveau. Bei sehr tief stehenden Notierungen waren vereinzelt dreistellige Aufschläge zu sehen. Insgesamt lebten die von den hohen Preisen abgeschreckten Verarbeiter aber zunächst aus den nach wie vor hoch stehenden Lagern.

Auch im Juli 2020 bestimmte der Puls der Viruskrise die europäischen und weltweiten PET-Märkte. Unter dem Strich blieb die Nachfrage abermals enttäuschend. Bei den frei verhandelten monatlichen Kontraktabnahmen, die KI reflektiert, gelangen den Anbietern dennoch Anhebungen rund um die Weitergabe der leicht gestiegenen Kosten. Dabei half das Sicherheitsbedürfnis der Abnehmer, die europäische Waren tendenziell bevorzugten.

Im August dürften bei durchwachsener Nachfrage und unterschiedlicher Lieferfähigkeit der Produzenten Nachholbewegungen aus dem Juli noch den PE-Preis beeinflussen. Versuche zur Margenverbesserung werden zudem nicht ausbleiben, allerdings fehlen stützende Impulse auf Abnahmeseite.

Der überraschend deutliche Anstieg der C3-Referenz (+27,5 EUR/t) Anfang August wird voraussichtlich in geringem Umfang für weitere Aufschläge bei Polypropylen sorgen. Die Anbieter werden ihre Forderung zu Margenanhebungen erneuern, wenngleich dies angesichts der gedämpften Nachfrage eher wenig Aussicht auf Erfolg haben wird. Die zuletzt hohen Lagerbestände laufen zwar langsam Richtung Normalstand, sorgen aber nach wie vor für etwas zusätzliche Zurückhaltung.

Das kleine August-Plus von 21 EUR/t bei der Kostenkomponente Ethylen dürfte auch den Preis für PVC-Basispolymer noch einmal leicht anschieben. Allerdings werden sich die Abnahmen ferienbedingt etwas normalisieren.

Mangels Impulsen von Kosten- wie auch von Nachfrageseite wird kaum Bewegung bei Polystyrol entstehen. Die hohen Preise und die Urlaubssaison wirken weiterhin dämpfend auf die Nachfrage. Im Bausektor scheint sich die Erwartung rückläufiger Bauaktivitäten in der zweiten Jahreshälfte zu bewahrheiten, auch Verpackungen werden wohl hinter den Erwartungen zurückbleiben. Die Erzeuger werden den Bedarf wohl decken können, allerdings könnte es wegen des auf Hochtouren laufenden Lageraufbaus für die September-Wartungen stellenweise zu Allokationen kommen.

Bei PET sind insgesamt sind nur geringe Veränderungen zu erwarten, sofern die Vorprodukte keine größere Schubkraft entwickeln.

KI Preisreport Juni 2020

Technische Thermoplaste Juni 2020: Notierungen erreichen rekordverdächtige Tiefstände / Erzeuger stemmen sich mit wenig Erfolg gegen den Preisverfall / Nachfrage belebter, bleibt aber schwach / Hoffnungsschimmer Automobilbau

Das zweite Quartal war für die technischen Thermoplaste ein einziges Desaster, insbesondere für den Automobilbau. Die Nachfrage erholte sich bis Ende Juni kaum. Die mittlere Auslastung der dem Automobilbau nahestehenden Werke rangierte um 30 Prozent, also etwas besser als erwartet. Bereiche wie Hausgeräte und Bau wirkten stabiler, gaben jedoch inzwischen ebenfalls Boden preis. Der einzige Lichtblick waren Plattenwerkstoffe, die für Schutzmaßnahmen benötigt werden.

Das trotz massiver Anlagendrosselungen weltweit bestehende Überangebot bei vielen Sorten sorgt für aggressive Preisbildungsansätze, der Trend ging deshalb bei der Mehrzahl der berichteten Typen weiter abwärts. Bei einzelnen Abnehmern hat das Preisniveau inzwischen einen historischen Tiefststand erreicht. Bei Verarbeitern im Autosektor hört man von Listing-Gebühren ganz wie im Supermarkt. Ausnahmen waren POM und PBT sowie modifizierte Polyamidtypen, die jeweils nach Bedarf produziert werden und deshalb kaum Spielraum für Nachlässe hatten.

Das Ende der Kurzarbeit bei VW schickte Anfang Juli einen Seufzer der Erleichterung durch die Autobranche. Die Auslastung der Werke – ob OEM oder Zulieferer – ist jedoch noch stark uneinheitlich. Während manche Produktionen auf Volllast laufen, dümpeln andere auf niedrigem Niveau vor sich hin. Deshalb sind Verarbeiter meist nicht gewillt, Preisaufschläge zu akzeptieren.

Die steigenden Vorproduktpreise in der Aromatenstrecke werden von den Erzeugern herangezogen, um die Erhöhungsforderungen zu begründen, die unweigerlich kommen werden. Die Produzenten werden alles versuchen, um die meist tief stehenden Preise wenigstens nicht weiter fallen zu lassen.

 

Standard-Thermoplaste Juni 2020: Preise drehen wieder nach oben / Höhere Vorproduktkosten nur selten im vollen Umfang eingepreist / Einsetzende Urlaubszeit bremst Nachfrage / Weitere Aufschläge im Juli abzusehen

Im Juni endete bei allen Standard-Thermoplasten der Preisverfall der Vormonate. Im Windschatten der anziehenden Vorproduktpreise für Ethylen, Propylen, Styrol und Paraxylol drehten die Notierungen wieder nach oben. Allerdings konnten die Produzenten nur selten die gesamte Kostensteigerung an die Abnehmer weiterreichen. Denn viele Verarbeiter hatten in der Tiefpreisphase Material gebunkert und reagierten nun entsprechend zurückhaltend.

Bei Polyethylen wurde der Anstieg der C2-Referenz (60 EUR/t) nur bei den PE-LD- sowie C6-Folien komplett eingepreist, bei Polypropylen der Aufpreis von C3 (ebenfalls 60 EUR/t) lediglich bei PP-H. Abnehmer aus dem Verpackungssektor saßen auf recht ordentlichen Lagermengen, zudem bremste der höhere Preis den Abfluss in die Verarbeitungsstrecke. Im Agrarsektor sorgten hingegen die Regentage der zweiten Junihälfte für Wachstumsimpulse, Folien für den Lebensmittel- und Hygienesektor zeigten sich weitgehend stabil, und der HD-Mengenabfluss in die Automobilanwendungen blieb weiterhin sehr schwach.

Die PVC-Erzeuger gaben beim Basismaterial den Kostenanteil des C2-Aufschlags in vollem Umfang an die Kunden weiter, während bei S-PVC (U) die Kostenstabilität der Beimischungskomponenten die Preisanhebungen geringer ausfallen ließ. Bei den Styrolkunststoffen gelang es nur einigen Anbietern, den SM-Aufpreis von 64 EUR/t in die Juni-Preise für PS und EPS einfließen zu lassen. Meist mussten sich die Anbieter mit etwas geringeren Aufschlägen zufriedengeben.

Die PET-Notierungen erhielten Unterstützung durch den moderaten PX-Anstieg. Den Anbietern gelangen erste Anhebungen insbesondere in den kleinen Nischen am oberen Rand der KI-Range. Der weit überwiegende Teil der Abnahmen wurde aber im Rollover abgewickelt. Den europäischen Produzenten half dabei das weiter ausgeprägte Sicherheitsbedürfnis der Kunden, die Importangebote meist verschmähten. Letztlich blieben die Abnahmen trotz leichter Belebungszeichen weiterhin gedämpft durch die anhaltende Viruskrise.

Mit der beginnenden Urlaubszeit dürfte die Nachfrage nach Standard-Thermoplasten im Juli eher schwächer tendieren. Außerdem werden die steigenden Preise die Materialabnahme weiter hemmen. Hoffnung gibt auf der anderen Seite das Stützprogramm der Regierung, das das Kaufverhalten der Verbraucher positiv beeinflussen könnte. Bei den Preisen zeichnet sich angesichts steigender Vorproduktkosten derweil eine weitere Aufwärtstendenz ab. Die C3-Referenz verzeichnete im Juli einen Anstieg von 75 EUR/t. Die Kontraktvereinbarungen für Ethylen und Styrol lagen bis Redaktionsschluss noch nicht vor, aber auch hier waren Aufschläge aufgrund der gestiegenen Spotnotierungen bereits klar vorgezeichnet.

KI Preisreport Mai 2020

Technische Thermoplaste Mai 2020: Merkliche Abschläge überwiegen bei nur wenigen Ausnahmen / Nachfrage aus dem Automobilbau bleibt schwach / Mengensteuerung der Anbieter verfängt stellenweise

Die Mehrzahl der berichteten technischen Sorten geriet im Mai leicht bis spürbar unter Druck. Unter anderem wenig spezifizierte oder Naturtypen der Polyamide zeigten sich merklich leichter, vornehmlich weil sie auf die erneute Verbilligung bei den entsprechenden Basispolymeren reagierten. Dabei fiel der Abschlag bei PA-6-Typen etwas deutlicher aus als beim Schwesterprodukt PA 6.6. Verstärkte, flammgeschützte und anderweitig modifizierte Typen hingegen behaupteten sich im Rollover. Wegen der zahlreichen Einflüsse der Zuschlagstoffe blieben Preisdiskussionen meist sogar vollständig aus.

PBT und POM blieben bei intensiver Mengensteuerung seitens der Erzeuger und teilweise wenig Importaktivität stabil. Die neueste Mode, die aktuell von den Standardpolymeren herüberschwappt, ist das Angebot, Jahresendboni in Aussicht zu stellen, um zusätzliche Preiszugeständnisse zu vermeiden.

Nachfrageseitig wurden die Automobilbänder zwar mehrheitlich wieder angefahren, doch selbst große Zulieferer sprechen allenfalls von einem Fünftel der üblichen Auslastung. Einzig China orderte etwas mehr, jedoch auch noch weit von alten Ständen entfernt. Hierzulande bleiben die Abnahmen wohl auch in den nächsten Wochen noch auf niedrigem Niveau. Lichtblicke kamen aus dem E&E-Sektor sowie auch der Baubranche – obwohl sich auch hier mittlerweile Bremsspuren zeigen.

Im Juni dürfte es für die technischen Thermoplaste überwiegend weiter nach unten gehen. Auch beim bislang stabilen PBT sind Abschläge abzusehen. Polycarbonat liegt mit deutlichem Rückgang an der Spitze. Ausnahmen sind PMMA und POM. Bei Ersterem wollen die Produzenten an der Preisschraube drehen, was jedoch wohl erst ab Juli verfangen wird, bei Letzterem verfängt die Mengensteuerung der Anbieter, sodass je nach Spezifikation und Anwendung leichte Aufschläge möglich scheinen.

 

Standard-Thermoplaste Mai 2020: Vor allem Polyethylen unter der Knute der Mengensteuerung / Kostensteigerungen der Vorprodukte bestimmen das Bild / Polymere werden meist folgen

Wie gut die Mengensteuerung seitens der Polyethylen-Erzeuger inzwischen funktioniert, zeigte deren Reaktion auf die Verbilligung bei Ethylen um 100 EUR/t Anfang Mai. Die Produzenten gaben maximal die Hälfte des Ethylen-Abschlags in die Polymerstrecken weiter. Insbesondere bei den Folientypen erzielten diese Versuche spürbar Wirkung. Mehrere ungeplante Ausfälle verstärkten die Entwicklung.

Im Windschatten des neuerlichen Rückgangs der C3-Referenz um 80 EUR/t tendierten die Preise für Polypropylen im Mai 2020 weiter nach unten. Oftmals behielten die Anbieter einen Teil der Kostenreduktion ein, aber bei PP-H Spritzgießqualitäten gelang das ihnen nicht.

Durch den Kostenrückgang bei Ethylen, der sich anteilig auf die PVC-Notierungen auswirkt, gerieten die Preise weiter unter Druck. Das Basismaterial wurde billiger und im Windschatten dessen auch die Compounds. Versuche der Anbieter, die Abschläge geringer zu halten, verpufften im Monatsverlauf.

Nach dem leichten Rückgang der Styrol-Referenz um 13 EUR/t setzte sich der Niedergang der Styrolkunststoff-Notierungen im Mai fort, wenn auch bei weitem nicht mehr in dem Umfang wie zuvor. Da die Höhe der Abschläge in den Vormonaten sehr unterschiedlich ausgefallen war, gab es vielerorts zusätzlich zur Einpreisung der Kostenermäßigung auch noch Nachbesserungen bei den Hochlagen. Bei ABS fielen die Abschläge allgemein wegen des neuerlichen Preisverfalls bei Butadien etwas höher aus.

Die Viruskrise prägte den europäischen PET-Markt auch im Mai 2020. Die Nachfrage blieb in den anhaltenden Turbulenzen hinter den Erwartungen zurück. Offensichtlich war die Bedarfswelle in den letzten Wochen deutlicher als gedacht von Sicherungskäufen geprägt. Dennoch konnten die europäischen Produzenten die Abschläge für die von KI reflektierten kleinen bis mittleren regulären Mengen unterhalb der Senkungen der Vorproduktreferenzen beschränken.

Im Juni dürften nach dem Umschwung bei Ethylen von +60 EUR/t Kostensteigerungen das Bild bestimmen. Die Aufschläge werden wohl meist die Kostensteigerung bei Ethylen einpreisen, in selteneren Fällen auch etwas weniger. Forderungen der Erzeuger, die stellenweise sogar 75 bis 100 EUR/t umfassen, dürften bei den Verarbeitern jedoch nicht gut aufgenommen werden und wohl auch nicht umgesetzt werden.

Im Juni ist ein Ende des vorherrschenden PP-Überangebots nicht absehbar, da einige Anlagen aus dem Wartungsstillstand zurückkehren. Dennoch findet der Preisniedergang mit wieder festerem C3 wohl ein Ende. Auch PVC dürfte mit dem Anziehen der C2-Referenz wieder nach oben drehen, zumal Produzenten und Compoundeure den Ausstoß anpassen.

Ein Ende der Talfahrt ist auch bei den Styrolkunststoffen in Sicht. Das Vorprodukt drehte im Juni um 64 EUT/t nach oben, die Preise der Polymere werden folgen. Einige Verarbeiter hatten mit Blick auf die Spotnotierungen bereits darauf spekuliert und noch im Mai zusätzliche Order platziert. Diese Vorkäufe belebten die Nachfrage, die ansonsten weiter sehr stark von der Corona-Krise geprägt war.

Für PET-Vorprodukte keimen Hoffnungen auf, im Juni die Talsohle erreicht zu haben. Dennoch ist die weitere Entwicklung ebenso unsicher wie die Gesamtlage der weltweiten Covid-Pandemie. Explodierende Fallzahlen in Verbrauchsschwergewichten wie Brasilien und Indien könnten die Importangebote aggressiver tendieren lassen. Immerhin geben steigende Temperaturen in weiten Teilen Europas Hoffnung auf eine Belebung der Getränke-Nachfrage.

KI Preisreport März 2020

Technische Thermoplaste März 2020: Mehrzahl der Typen noch im Rollover / Lediglich Polyamide abwärts / Benzol-Absturz wird April überschatten / E&E-Branche könnte Preisniveau bei POM und PBT stabilisieren

Mit Ausnahme der fortgesetzten Erosion bei den Polyamid-Naturtypen konnten die Erzeuger – gestützt noch von den Quartalsvereinbarungen – die jeweiligen Preise weitgehend durch den März retten. Bei PA 6 sorgte die Überversorgungstendenz beim Basispolymer für eine Abwärtsreaktion, bei PA 6.6 bröckelte das hohe Preisniveau nach der kleinen Verschnaufpause unaufhaltsam weiter. Versorgungseinschränkungen gab es angesichts der eher dünnen Nachfrage nur in geringem Umfang, zumal die chinesischen Anlagen langsam den Betrieb wieder aufnahmen.

Die Einbrüche in der Aromatenstrecke – mit dem um über 400 EUR/t leichter fixierten Benzol an der Spitze – werden den Erzeugern im April sämtliche eventuell geplanten Erhöhungsforderungen im Hals steckenbleiben lassen. Sie werden im Gegenteil Mühe haben, die in der Spitze wohl dreistelligen Abschläge zu begrenzen – und das vor dem Hintergrund schwacher Nachfrage. Lediglich POM und PBT könnten vergleichsweise wenig beeinflusst werden, da der E&E-Sektor noch robust abruft – anders als die am Boden liegende Automobilbranche.

Stattdessen könnte es Versuche geben, mit spekulativem Lageraufbau den Markt etwas zu verknappen. Die Produzenten hoffen bei wieder anziehender Nachfrage im zweiten Halbjahr auf etwas höhere Notierungen. Erstmals fragen Erzeuger den voraussichtlichen Jahresbedarf auch bei den Verarbeitern ab, um besser planen zu können.

 

Standard-Thermoplaste: Preisrückgänge im März werfen Schatten voraus / Drastische Abschläge bei Vorprodukten im April heben Markt aus den Fugen / Nachfrage bei Lebensmitteln und Hygieneprodukten

Schon im März gaben die Vorproduktnotierungen durch die Bank nach, ein Vorgeschmack auf das, was Anfang April folgte. Die Polymere korrigierten zumeist ebenfalls spürbar, weil sich die Lager füllten und Verarbeiter häufig zurückhaltend agierten. Einige Marktteilnehmer versuchten jedoch auch, sich Bestände für eine möglicherweise bevorstehende Kappung der Rohstoffversorgung zu sichern.

Bei Polyethylen kam es durchschnittlich zu Abschlägen von 40 EUR/t, die dem Rückgang bei Ethylen auf dem Fuß folgten. Während sich Virus-relevante Produkte wie Folien und Hohlkörper meist noch behaupten konnten, herrschte bei Spritzgießmaterialien ein höherer Preisdruck aus Distribution und Handel.

Nach dem Rückgang der Propylen-Referenz tendierten auch die Notierungen für Polypropylen nach unten. Bei den Homopolymer-Spritzgießtypen gingen die Preissenkungen angesichts des üppigen Angebots teils sogar über die Kostenermäßigung hinaus, während die Erzeuger bei den knapper verfügbaren Folienqualitäten hier und da leichte Margenverbesserungen erzielen konnten.

Die produzentenseitigen Aufschlagsforderungen für das PVC-Basismaterial wurden mit dem Rückgang bei Ethylen weitgehend obsolet. Nur vereinzelt gab es je nach Quelle und Verfügbarkeit hier und da noch geringfügige Erhöhungen.

Die Notierungen der Styrolkunststoffe rauschten im Windschatten des deutlichen Rückgangs der Styrol-Referenz nach unten und radierten die Anstiege der beiden Vormonate aus. Aufgrund der ausgezehrten Margen wollten die Produzenten einen Teil der Kostenreduktion einbehalten, was ihnen aber nur in begrenztem Umfang gelang.

Die weltweite Krise um den Coronavirus überschattete auch die europäischen PET-Märkte. Der Absturz der Öl- und Petrochemie-Preise wurde fast vollständig ausgeglichen durch eine von Hamsterkäufen von Verbrauchern, Anwendern und Verarbeitern kurzfristig angetriebene Nachfrage. Zudem erschwerten rigide Grenzkontrollen und der Stillstand in chinesischen Häfen die Auslieferungslogistik. Dennoch war genügend Material erhältlich.

Die jüngsten Abstürze der Vorprodukt-Kontrakte – -145 EUR/t bei PX, -175 EUR/t bei C3, -200 EUR/t für C2 und -315 EUR/t im Fall von Styrol – werden für erheblichen Preisdruck sorgen. Zwar werden die Produzenten im April alles versuchen, um den Abschlag bei den Polymeren auf die Hälfte des jeweiligen Vorproduktrückgangs einzugrenzen, sie sitzen aber trotz teilweiser Drosselungen auf vollen Lägern.

Vielmehr werden die Fragen sein, ob die Verarbeiter diese Kaufgelegenheit angesichts eigener gedrosselter oder ausgesetzter Produktion werden nutzen können, und – auf der anderen Seite – in welchem Umfang die Erzeuger Materialien zu diesen Preisen überhaupt zur Verfügung stellen. Denn die Corona-Krise wirbelt das bisherige Preissystem durcheinander. Insbesondere bei den Styrolpolymeren kann der drastische Vorprodukteinbruch nicht wie üblich als Vorlage für Preisgespräche dienen, denn das Niveau würde jegliche Produktion unrentabel machen. Unwägbarkeiten drohen auch seitens der Logistik.

Die seit ein paar Wochen brummende Nachfrage nach Materialien für die Bereiche Lebensmittel und Hygiene wird sich in den nächsten Tagen wohl normalisieren, nachdem die Hamsterkäufe der Verbraucher nachgelassen haben. Aus Sicherheitsgründen versuchen Verarbeiter inzwischen, Materiallieferungen auf mehrere Anbieter zu verteilen.