KI Preisreport August 2020

Technische Thermoplaste August 2020: Nullrunde bei Polycarbonat / Glasfaserverstärkte Polyamide günstiger / Längerfristige Vereinbarungen stabilisieren PBT-Geschäft / PMMA-Preis wird steigender MMA-Notierung folgen

Für die technischen Thermoplaste (TT) hat sich der August als typischer Quartals-Mittelmonat präsentiert. Sprich: unspektakulär. So ist es bei den Polycarbonat-Preisen durchweg zu Nullrunden gekommen. Wie in den Wochen zuvor wurden Produktionsanlagen vielerorts nur gedrosselt betrieben. Der eher geringe Bedarf konnte jedoch jederzeit bedient werden. Perspektivisch dürften Produzenten versuchen, höhere Preise durchzusetzen. Sollte die Nachfrage zum Ende der Haupturlaubszeit tatsächlich weiter steigen, könnte das gelingen. Jedoch bremsen andererseits bestehende Quartalsbindungen bis Ende September dieses Ansinnen.

Ganz ähnlich zeigt sich die Lage bei den Polyamiden, wobei sich Verarbeiter glasfaserverstärkter Typen sogar über ein Ende des Preishochs freuen durften, ist der Preis doch zumindest um 50 EUR je Tonne gesunken. Das wussten die Anbieter trotz gestiegener Preise bei den Vorprodukten nicht zu verhindern. Mit anziehendem Bedarf nach dem Ende der Haupturlaubszeit sollten die Läger abschmelzen, was in Kombination mit nach wie vor gedrosselter Produktionsmenge zu einem balancierten Angebot führen dürfte.

Im stark reglementierten PBT-Geschäft haben derweil ohnehin längerfristige Vereinbarungen weiterhin stabilisierend gewirkt. Obwohl sich die Vorprodukte entlang fast der gesamten Strecke seit etwa Mai dieses Jahres wieder spürbar verteuert haben, hatten die Anbieter keinen Erfolg mit der Weitergabe dieser Kosten an die Abnehmer. Veränderungen bei den Abnahmemengen sind hier nicht in Sicht.

Auch der September sieht aktuell nach wenig Bewegung aus. Zwar sollte die Nachfrage insgesamt wieder anziehen, aber Preiserhöhungen sind nicht in Sicht. Das könnte sich jedoch ab dem vierten Quartal schlagartig ändern. Aktuelle Preiserhöhungen beispielsweise beim PMMA-Vorprodukt MMA geben hier eindeutig die Richtung vor.

 

Standard-Thermoplaste August 2020: Preise folgen den leichten Vorproduktbewegungen / Erzeuger erreichen bei schwacher Nachfrage keine Margenverbesserungen / PVC reagiert auf zahlreiche Anlagenausfälle

Auf dem Fuß der nur wenig veränderten Vorproduktkontrakte präsentierten sich auch die Notierungen der Standard-Thermoplaste im September meist mit leichten Aufschlägen. Vielfach kam es je nach Typ angesichts der schwachen Nachfrage auch zum Rollover. Ausnahmen bildeten das nach wie vor überversorgte PET auf der einen sowie die Engpässe bei PVC auf der anderen Seite.

Bei Polyethylen konnten die Erzeuger lediglich für HD-Rohrqualitäten und EVA die Kostensteigerung bei Ethylen (+21 EUR/t) durchsetzen. Die tief stehenden Lager spielten ihnen hier in die Karten. Von der mit Forderungen von bis zu 50 EUR/t zusätzlich angestrebten Margenverbesserung konnte jedoch keine Rede sein, dafür geriet die Nachfrage zu dünn.

Die Preise für Polypropylen bewegten sich leicht nach oben. Während die Anhebungen im ersten Monatsdrittel unter dem Eindruck von ungeplanten Anlagenausfällen meist noch den vollen Umfang des Monomeranstiegs von 27,50 EUR/t erreichten, bröckelte die Aufschlaghöhe im weiteren Monatsverlauf zusehends ab.

Der Aufwärtstrend der PVC-Preise setzte sich fort. Im Minimum preisten die Anbieter den anteiligen C2-Kostenanstieg ein. Bei S-PVC Basismaterial und den Pasten konnten sie aufgrund von eingeschränkter Verfügbarkeit und reger Nachfrage auch etwas höhere Aufschläge erzielen.

Der minimale Anstieg der Styrol-Referenz (+4 EUR/t) gab die Seitwärtstendenz für Polystyrol und EPS vor. Nur wenig ausgeprägter gestalteten sich die Preisveränderungen bei ABS.

Den europäischen PET-Märkten mangelte es weiterhin an Impulsen. Die Vorproduktpreise bewegten sich marginal, und produktionsseitig blieb in Europa alles stabil. Bei verhaltener Nachfrage mussten europäische Anbieter in frei verhandelten Monatsabnahmen vor allem bei höheren Notierungen den einen oder anderen Euro zugestehen.

Die September-Forderungen von bis zu 50 EUR/t, wie sie manche PE-Erzeuger formulieren, sollen der Margenverbesserung dienen. Die Kostenbasis blieb zum Monatsbeginn stabil. Wahrscheinlich ist deshalb die Fortschreibung der Augustpreise. Der fehlende Zufluss günstigerer Materialien unter anderem aus Nordamerika als Folge der zahlreichen Force Majeures nach Sturm „Laura” dürfte stützend auf die Preise wirken.

Angesichts des C3-Rollover dürfte PP seitwärts tendieren. Ob es mit den Hurrikan-bedingten Force Majeures von US-Anlagen zu Engpässen in Europa kommen wird, bleibt abzuwarten. Derweil dürfte die Nachfrage positive Impulse durch das Ende der Urlaubszeit sowie saisonale Effekte erhalten.

Zahlreiche Anlagenausfälle in der Produktion von PVC und Weichmachern sowie eine anziehende Nachfrage nach Bauprodukten werden die ohnehin angespannte Versorgungslage verschärfen. Vor diesem Hintergrund zeichnen sich schon jetzt weitere Aufschläge ab.

Wenig Schwung ist bei den Preisen für die Styrolkunststoffe zu erwarten. Angesichts des Rückgangs der SM-Referenz von 13 EUR/t im September dürften die meisten Sorten einen Rollover oder allenfalls geringfügige Abschläge verzeichnen.

Bei PET sind keine maßgeblichen Änderungsimpulse in Sicht. Angebotsseitig bleibt die weitere Entwicklung an der Importfront abzuwarten. Die Notierungen dürften auf tiefem Niveau stabil bleiben.

KI Preisreport Juli 2020

Technische Thermoplaste Juli 2020: Preise für Polyamide geben trotz leicht anziehender Vorprodukte nach / PMMA vor Verteilungskampf / Nachfragedämpfung im August erwartet / Automobilbau regional uneinheitlich

Beide Polyamidsorten standen im Juli 2020 im Mittelpunkt des Interesses. Die Preise sowohl für PA 6- als auch für PA 6.6-Materialien gaben nach, während die Mehrzahl der übrigen technischen Thermoplaste kaum Veränderung zeigte. Die schwache Nachfrage im Verein mit den bislang nur langsam anziehenden Vorproduktnotierungen in der Benzol-Strecke macht den Polyamiden zu schaffen, woran sich wohl so schnell auch nichts ändern wird. Insbesondere bei dem nach wie vor sehr hoch stehenden PA 6.6 sind Verarbeiter immer seltener bereit, einen Preis zu zahlen, der den vor der ADN-Versorgungskrise noch immer übersteigt.

Eine Abwärtsbewegung gab es zudem bei PMMA, wo offenbar ein Verteilungskampf zwischen westlichen und asiatischen Erzeugern droht, während gleichzeitig eine gewisse Enge für das Vorprodukt MMA abzusehen ist.

Im August sind Aufschläge trotz gestiegener Kosten für die Mehrzahl der Vorprodukte kaum vorstellbar. Die Erzeuger werden trotz hier und da geäußerter Erhöhungsforderungen wohl im Wesentlichen auf Stabilität dringen. Ob diese in allen Fällen erreicht werden kann, darf dahingestellt bleiben. Die bislang vehement betriebene Mengensteuerung könnte sich ihrem Ende nähern, die Maßnahme scheint ihren Zweck erfüllt zu haben.

Der Urlaubsmonat ist trotz einiger weniger anderslautender Signale eine Zeit gedämpfter Nachfrage ohne Impulse. Die Situation im Automobilbau als einem der Hauptabnehmer insbesondere bei Polyamiden bleibt regional uneinheitlich. Einzelne Automobilwerke produzieren ohne die üblichen Werksferien weiter, andere stehen weiterhin still oder werden wegen einer zweiten Infektionswelle bereits wieder gedrosselt. Das wird sich auch auf die weitere Preisentwicklung auswirken.

 

Standard-Thermoplaste Juli 2020: Teuerung bei Polymeren meist auf Augenhöhe mit den Kostenvorgaben / Hohe Preise schrecken Verarbeiter ab /  Anlagendrosselungen führen hier und da zu Engpässen

Der zweite deutliche Aufschlag bei Ethylen nach dem starken Corona-getriebenen Preisverfall beförderte die Polyethylen-Notierung ebenso kräftig nach oben. Forderungen von bis zu 100 EUR/t standen im Raum, diese wurden jedoch nur vereinzelt tatsächlich realisiert – und dann meist auf sehr tief liegenden Niveaus. Auf der anderen Seite waren Erhöhungen von 80 EUR/t das Minimum. Ausnahmen stellten nur einige Spritzgießqualitäten sowie HD-Materialien dar.

Der Anstieg der C3-Referenz um 75 EUR/t im Juli wurde zwar nicht vollständig, jedoch zu weiten Teilen an die Abnehmer weitergegeben. Hingegen erreichten die Erzeuger die angestrebten Margenverbesserungen nicht. Kontraktierte Mengen standen meist problemlos zur Verfügung, allerdings kam es wegen der allgegenwärtigen Drosselungen auch zu Allokationen.

Erhöhungsforderungen von bis zu 60 EUR/t standen für PVC-Basispolymer nach dem Ethylenaufschlag von 84 EUR/t zu Monatsanfang im Raum. Die Versuche der Verarbeiter, die Anhebung zu begrenzen, waren meist nicht von Erfolg geprägt, weshalb die Mehrzahl der Abschlüsse leicht über dem anteiligen Kostenplus vereinbart wurde. Weiche Mischungen wurden zusätzlich von anziehenden Weichmacherpreisen beeinflusst.

Ein kleiner Schluckauf bei mehreren europäischen Anlagen sorgte angebotsseitig zumindest für eine leichte Enge, zumal auch das Exportgeschäft gut lief und dem europäischen Angebot Mengen entzog. Gleichzeitig griffen Profilhersteller ordentlich zu.

Bei Polystyrol scheiterte die vollständige Weitergabe der gestiegenen Styrol-Kosten fast durchgängig an der schwachen Nachfrage. Dennoch ging ein erklecklicher Teil der Forderungen letztendlich durch, jeweils abhängig vom vorherigen Preisniveau. Bei sehr tief stehenden Notierungen waren vereinzelt dreistellige Aufschläge zu sehen. Insgesamt lebten die von den hohen Preisen abgeschreckten Verarbeiter aber zunächst aus den nach wie vor hoch stehenden Lagern.

Auch im Juli 2020 bestimmte der Puls der Viruskrise die europäischen und weltweiten PET-Märkte. Unter dem Strich blieb die Nachfrage abermals enttäuschend. Bei den frei verhandelten monatlichen Kontraktabnahmen, die KI reflektiert, gelangen den Anbietern dennoch Anhebungen rund um die Weitergabe der leicht gestiegenen Kosten. Dabei half das Sicherheitsbedürfnis der Abnehmer, die europäische Waren tendenziell bevorzugten.

Im August dürften bei durchwachsener Nachfrage und unterschiedlicher Lieferfähigkeit der Produzenten Nachholbewegungen aus dem Juli noch den PE-Preis beeinflussen. Versuche zur Margenverbesserung werden zudem nicht ausbleiben, allerdings fehlen stützende Impulse auf Abnahmeseite.

Der überraschend deutliche Anstieg der C3-Referenz (+27,5 EUR/t) Anfang August wird voraussichtlich in geringem Umfang für weitere Aufschläge bei Polypropylen sorgen. Die Anbieter werden ihre Forderung zu Margenanhebungen erneuern, wenngleich dies angesichts der gedämpften Nachfrage eher wenig Aussicht auf Erfolg haben wird. Die zuletzt hohen Lagerbestände laufen zwar langsam Richtung Normalstand, sorgen aber nach wie vor für etwas zusätzliche Zurückhaltung.

Das kleine August-Plus von 21 EUR/t bei der Kostenkomponente Ethylen dürfte auch den Preis für PVC-Basispolymer noch einmal leicht anschieben. Allerdings werden sich die Abnahmen ferienbedingt etwas normalisieren.

Mangels Impulsen von Kosten- wie auch von Nachfrageseite wird kaum Bewegung bei Polystyrol entstehen. Die hohen Preise und die Urlaubssaison wirken weiterhin dämpfend auf die Nachfrage. Im Bausektor scheint sich die Erwartung rückläufiger Bauaktivitäten in der zweiten Jahreshälfte zu bewahrheiten, auch Verpackungen werden wohl hinter den Erwartungen zurückbleiben. Die Erzeuger werden den Bedarf wohl decken können, allerdings könnte es wegen des auf Hochtouren laufenden Lageraufbaus für die September-Wartungen stellenweise zu Allokationen kommen.

Bei PET sind insgesamt sind nur geringe Veränderungen zu erwarten, sofern die Vorprodukte keine größere Schubkraft entwickeln.

KI Preisreport Juni 2020

Technische Thermoplaste Juni 2020: Notierungen erreichen rekordverdächtige Tiefstände / Erzeuger stemmen sich mit wenig Erfolg gegen den Preisverfall / Nachfrage belebter, bleibt aber schwach / Hoffnungsschimmer Automobilbau

Das zweite Quartal war für die technischen Thermoplaste ein einziges Desaster, insbesondere für den Automobilbau. Die Nachfrage erholte sich bis Ende Juni kaum. Die mittlere Auslastung der dem Automobilbau nahestehenden Werke rangierte um 30 Prozent, also etwas besser als erwartet. Bereiche wie Hausgeräte und Bau wirkten stabiler, gaben jedoch inzwischen ebenfalls Boden preis. Der einzige Lichtblick waren Plattenwerkstoffe, die für Schutzmaßnahmen benötigt werden.

Das trotz massiver Anlagendrosselungen weltweit bestehende Überangebot bei vielen Sorten sorgt für aggressive Preisbildungsansätze, der Trend ging deshalb bei der Mehrzahl der berichteten Typen weiter abwärts. Bei einzelnen Abnehmern hat das Preisniveau inzwischen einen historischen Tiefststand erreicht. Bei Verarbeitern im Autosektor hört man von Listing-Gebühren ganz wie im Supermarkt. Ausnahmen waren POM und PBT sowie modifizierte Polyamidtypen, die jeweils nach Bedarf produziert werden und deshalb kaum Spielraum für Nachlässe hatten.

Das Ende der Kurzarbeit bei VW schickte Anfang Juli einen Seufzer der Erleichterung durch die Autobranche. Die Auslastung der Werke – ob OEM oder Zulieferer – ist jedoch noch stark uneinheitlich. Während manche Produktionen auf Volllast laufen, dümpeln andere auf niedrigem Niveau vor sich hin. Deshalb sind Verarbeiter meist nicht gewillt, Preisaufschläge zu akzeptieren.

Die steigenden Vorproduktpreise in der Aromatenstrecke werden von den Erzeugern herangezogen, um die Erhöhungsforderungen zu begründen, die unweigerlich kommen werden. Die Produzenten werden alles versuchen, um die meist tief stehenden Preise wenigstens nicht weiter fallen zu lassen.

 

Standard-Thermoplaste Juni 2020: Preise drehen wieder nach oben / Höhere Vorproduktkosten nur selten im vollen Umfang eingepreist / Einsetzende Urlaubszeit bremst Nachfrage / Weitere Aufschläge im Juli abzusehen

Im Juni endete bei allen Standard-Thermoplasten der Preisverfall der Vormonate. Im Windschatten der anziehenden Vorproduktpreise für Ethylen, Propylen, Styrol und Paraxylol drehten die Notierungen wieder nach oben. Allerdings konnten die Produzenten nur selten die gesamte Kostensteigerung an die Abnehmer weiterreichen. Denn viele Verarbeiter hatten in der Tiefpreisphase Material gebunkert und reagierten nun entsprechend zurückhaltend.

Bei Polyethylen wurde der Anstieg der C2-Referenz (60 EUR/t) nur bei den PE-LD- sowie C6-Folien komplett eingepreist, bei Polypropylen der Aufpreis von C3 (ebenfalls 60 EUR/t) lediglich bei PP-H. Abnehmer aus dem Verpackungssektor saßen auf recht ordentlichen Lagermengen, zudem bremste der höhere Preis den Abfluss in die Verarbeitungsstrecke. Im Agrarsektor sorgten hingegen die Regentage der zweiten Junihälfte für Wachstumsimpulse, Folien für den Lebensmittel- und Hygienesektor zeigten sich weitgehend stabil, und der HD-Mengenabfluss in die Automobilanwendungen blieb weiterhin sehr schwach.

Die PVC-Erzeuger gaben beim Basismaterial den Kostenanteil des C2-Aufschlags in vollem Umfang an die Kunden weiter, während bei S-PVC (U) die Kostenstabilität der Beimischungskomponenten die Preisanhebungen geringer ausfallen ließ. Bei den Styrolkunststoffen gelang es nur einigen Anbietern, den SM-Aufpreis von 64 EUR/t in die Juni-Preise für PS und EPS einfließen zu lassen. Meist mussten sich die Anbieter mit etwas geringeren Aufschlägen zufriedengeben.

Die PET-Notierungen erhielten Unterstützung durch den moderaten PX-Anstieg. Den Anbietern gelangen erste Anhebungen insbesondere in den kleinen Nischen am oberen Rand der KI-Range. Der weit überwiegende Teil der Abnahmen wurde aber im Rollover abgewickelt. Den europäischen Produzenten half dabei das weiter ausgeprägte Sicherheitsbedürfnis der Kunden, die Importangebote meist verschmähten. Letztlich blieben die Abnahmen trotz leichter Belebungszeichen weiterhin gedämpft durch die anhaltende Viruskrise.

Mit der beginnenden Urlaubszeit dürfte die Nachfrage nach Standard-Thermoplasten im Juli eher schwächer tendieren. Außerdem werden die steigenden Preise die Materialabnahme weiter hemmen. Hoffnung gibt auf der anderen Seite das Stützprogramm der Regierung, das das Kaufverhalten der Verbraucher positiv beeinflussen könnte. Bei den Preisen zeichnet sich angesichts steigender Vorproduktkosten derweil eine weitere Aufwärtstendenz ab. Die C3-Referenz verzeichnete im Juli einen Anstieg von 75 EUR/t. Die Kontraktvereinbarungen für Ethylen und Styrol lagen bis Redaktionsschluss noch nicht vor, aber auch hier waren Aufschläge aufgrund der gestiegenen Spotnotierungen bereits klar vorgezeichnet.

PBAT

Polybutylenadipat-terephthalat (PBAT) ist ein biologisch abbaubares und kompostierbares Copolymer aus der Gruppe der Polyester.
PBAT kann rein und als Compound mit Polymilchsäure (PLA), Polyhydroxyalkanoaten (PHA), Stärke, Lignin und Cellulose eingesetzt werden.

Dank seiner speziellen chemischen Struktur kann PBAT von Mikroorganismen und deren Enzymen abgebaut werden. Unter den Bedingungen einer industriellen Kompostieranlage – entsprechende Temperatur, hohe Feuchtigkeit, definierter Sauerstoffgehalt – geschieht der Abbau innerhalb weniger Wochen. Unser Lieferant bietet verschiedene Produkttypen, die unter anderem die internationalen Standards und Normen für Kompostierung erfüllen:

Einsatzgebiete:

PBAT kann als Ersatz für Polyethylen (PE) verwendet werden und ähnelt besonders LD-PE in seinen Eigenschaften. Hauptsächlich werden daraus Folien für Verpackungen und die Landwirtschaft (z. B. Mulch Filme) hergestellt.

POM

Polyoxymethylene auch Polyacetale genannt sind hochmolekulare thermoplastische Kunststoffe. Die farblosen, teilkristallinen Polymere werden hauptsächlich zur Herstellung von Formteilen im Spritzguss verfahren verwendet. Wegen der hohen Steifigkeit, niedrigen Reibwerten und guter Dimensionsstabilitäten werden Polyoxymethylene für die Herstellung von Präzisionsteilen eingesetzt. Kennzeichnendes Strukturelement ist eine unverzweigte Acetal-Gruppe.
Das aus Formaldehyd + Methanol hergestellte Homopolymer wird als POM-H bezeichnet . Die Copolymere (Kurzzeichen POM-C) haben neben zahlreichen Acetal-Gruppen auch –(CH2)m–O– Einheiten mit 2 oder 4 Methylen-Gruppen. Sie dienen zur thermischen Stabilisierung des Polymers. POM-C hat ähnliche Eigenschaften wie POM-H.

Eigenschaften:

POM zeichnet sich durch hohe Festigkeit, Härte und Steifigkeit in einem weiten Temperaturbereich aus. Es behält seine hohe Zähigkeit, weist eine hohe Abriebfestigkeit, einen niedrigen Reibungskoeffizienten, eine hohe Wärmeformbeständigkeit, gute Gleiteigenschaften, gute elektrische und dielektrische Eigenschaften sowie eine geringe Wasseraufnahme auf. Die Eigenfarbe ist wegen der hohen Kristallinität opak weiß, aber das Material ist in allen Farben gedeckt ein färbbar.
Die meisten POM Typen erfüllen die FDA- und EU-Vorschriften, und WRAS, KTW und NSF.
Die Kristallinität von POM-H erreicht 80 %und liegt etwas höher als bei POM-C mit bis zu 75 %. Der Kristallit Schmelzpunkt von POM-H liegt bei 175 °C und von POM-C bei 164 bis 172 °C. Wegen des höheren Kristallit Schmelzpunkt hat POM-H eine etwas bessere Wärmebeständigkeit. POM-C ist etwas beständiger gegen Alkalien und heißes Wasser. Allgemein hat POM eine geringe Witterungsbeständigkeit.[5] Bei zu hohen Verarbeitungstemperaturen oder Erhitzen über 220 °C beginnt POM sich thermisch zu zersetzen. Es bildet sich u. a. Formaldehyd, das einen stechenden und reizenden Geruch hat.
POM ist ohne spezielle Oberflächenbehandlung nur bedingt klebbar. Durch spezielles Beizen der Oberfläche lässt sich die Haftung von Klebstoffen (meist Epoxidharze) verbessern

Einsatzgebiete:

POM gehört daher zu den bevorzugten Konstruktionswerkstoffen, z. B. für Präzisionsteile der Feinwerktechnik. Wichtigste Einsatzgebiete sind die Automobilindustrie und die Elektrotechnik, gefolgt vom allgemeinen Geräte- und Maschinenbau sowie Anwendungen im Konsumgüterbereich. Aus POM extrudierten Halbzeuge Platten oder Stäbe werden z.b. Zahnräder gefertigt.

PC

Polycarbonat zeichnet sich durch eine hohe Wärmeformbeständigkeit, Festigkeit und Härte sowie durch ausgezeichnete Gleiteigenschaften, eine hohe Abriebfestigkeit, eine gute Chemikalienbeständigkeit, eine niedrige Spannungsrissanfälligkeit und eine geringe Feuchtigkeitsaufnahme aus.

Neben den Spritzgießvarianten gibt es Typen für die Extrusion von Halbzeugen, Folien und Kabelummantelungen sowie unverstärkte, Glasfaserverstärkte, Glaskugel- und mineralgefüllte Einstellungen.
Außerdem gibt es flammgeschützte, Elastomer modifizierte und für den Lebensmittelkontakt zugelassene Produkttypen sowie Blends mit Acrylnitril-Styrol-Acrylester-Copolymer (ASA)

Einsatzgebiete:

Polycarbonat wird für optische Teile (Linsen und Brillengläser) sowie für Sportschutzbrillen und Visiere eingesetzt. Hier steht die Schlagfestigkeit im Vordergrund, daneben die Gewichtsersparnis gegenüber dem traditionell verwendeten Glas, außerdem wird PC in der Automobilindustrie, Freizeitindustrie, Haushaltindustrie und Elektroindustrie eingesetzt.

KI Preisreport Mai 2020

Technische Thermoplaste Mai 2020: Merkliche Abschläge überwiegen bei nur wenigen Ausnahmen / Nachfrage aus dem Automobilbau bleibt schwach / Mengensteuerung der Anbieter verfängt stellenweise

Die Mehrzahl der berichteten technischen Sorten geriet im Mai leicht bis spürbar unter Druck. Unter anderem wenig spezifizierte oder Naturtypen der Polyamide zeigten sich merklich leichter, vornehmlich weil sie auf die erneute Verbilligung bei den entsprechenden Basispolymeren reagierten. Dabei fiel der Abschlag bei PA-6-Typen etwas deutlicher aus als beim Schwesterprodukt PA 6.6. Verstärkte, flammgeschützte und anderweitig modifizierte Typen hingegen behaupteten sich im Rollover. Wegen der zahlreichen Einflüsse der Zuschlagstoffe blieben Preisdiskussionen meist sogar vollständig aus.

PBT und POM blieben bei intensiver Mengensteuerung seitens der Erzeuger und teilweise wenig Importaktivität stabil. Die neueste Mode, die aktuell von den Standardpolymeren herüberschwappt, ist das Angebot, Jahresendboni in Aussicht zu stellen, um zusätzliche Preiszugeständnisse zu vermeiden.

Nachfrageseitig wurden die Automobilbänder zwar mehrheitlich wieder angefahren, doch selbst große Zulieferer sprechen allenfalls von einem Fünftel der üblichen Auslastung. Einzig China orderte etwas mehr, jedoch auch noch weit von alten Ständen entfernt. Hierzulande bleiben die Abnahmen wohl auch in den nächsten Wochen noch auf niedrigem Niveau. Lichtblicke kamen aus dem E&E-Sektor sowie auch der Baubranche – obwohl sich auch hier mittlerweile Bremsspuren zeigen.

Im Juni dürfte es für die technischen Thermoplaste überwiegend weiter nach unten gehen. Auch beim bislang stabilen PBT sind Abschläge abzusehen. Polycarbonat liegt mit deutlichem Rückgang an der Spitze. Ausnahmen sind PMMA und POM. Bei Ersterem wollen die Produzenten an der Preisschraube drehen, was jedoch wohl erst ab Juli verfangen wird, bei Letzterem verfängt die Mengensteuerung der Anbieter, sodass je nach Spezifikation und Anwendung leichte Aufschläge möglich scheinen.

 

Standard-Thermoplaste Mai 2020: Vor allem Polyethylen unter der Knute der Mengensteuerung / Kostensteigerungen der Vorprodukte bestimmen das Bild / Polymere werden meist folgen

Wie gut die Mengensteuerung seitens der Polyethylen-Erzeuger inzwischen funktioniert, zeigte deren Reaktion auf die Verbilligung bei Ethylen um 100 EUR/t Anfang Mai. Die Produzenten gaben maximal die Hälfte des Ethylen-Abschlags in die Polymerstrecken weiter. Insbesondere bei den Folientypen erzielten diese Versuche spürbar Wirkung. Mehrere ungeplante Ausfälle verstärkten die Entwicklung.

Im Windschatten des neuerlichen Rückgangs der C3-Referenz um 80 EUR/t tendierten die Preise für Polypropylen im Mai 2020 weiter nach unten. Oftmals behielten die Anbieter einen Teil der Kostenreduktion ein, aber bei PP-H Spritzgießqualitäten gelang das ihnen nicht.

Durch den Kostenrückgang bei Ethylen, der sich anteilig auf die PVC-Notierungen auswirkt, gerieten die Preise weiter unter Druck. Das Basismaterial wurde billiger und im Windschatten dessen auch die Compounds. Versuche der Anbieter, die Abschläge geringer zu halten, verpufften im Monatsverlauf.

Nach dem leichten Rückgang der Styrol-Referenz um 13 EUR/t setzte sich der Niedergang der Styrolkunststoff-Notierungen im Mai fort, wenn auch bei weitem nicht mehr in dem Umfang wie zuvor. Da die Höhe der Abschläge in den Vormonaten sehr unterschiedlich ausgefallen war, gab es vielerorts zusätzlich zur Einpreisung der Kostenermäßigung auch noch Nachbesserungen bei den Hochlagen. Bei ABS fielen die Abschläge allgemein wegen des neuerlichen Preisverfalls bei Butadien etwas höher aus.

Die Viruskrise prägte den europäischen PET-Markt auch im Mai 2020. Die Nachfrage blieb in den anhaltenden Turbulenzen hinter den Erwartungen zurück. Offensichtlich war die Bedarfswelle in den letzten Wochen deutlicher als gedacht von Sicherungskäufen geprägt. Dennoch konnten die europäischen Produzenten die Abschläge für die von KI reflektierten kleinen bis mittleren regulären Mengen unterhalb der Senkungen der Vorproduktreferenzen beschränken.

Im Juni dürften nach dem Umschwung bei Ethylen von +60 EUR/t Kostensteigerungen das Bild bestimmen. Die Aufschläge werden wohl meist die Kostensteigerung bei Ethylen einpreisen, in selteneren Fällen auch etwas weniger. Forderungen der Erzeuger, die stellenweise sogar 75 bis 100 EUR/t umfassen, dürften bei den Verarbeitern jedoch nicht gut aufgenommen werden und wohl auch nicht umgesetzt werden.

Im Juni ist ein Ende des vorherrschenden PP-Überangebots nicht absehbar, da einige Anlagen aus dem Wartungsstillstand zurückkehren. Dennoch findet der Preisniedergang mit wieder festerem C3 wohl ein Ende. Auch PVC dürfte mit dem Anziehen der C2-Referenz wieder nach oben drehen, zumal Produzenten und Compoundeure den Ausstoß anpassen.

Ein Ende der Talfahrt ist auch bei den Styrolkunststoffen in Sicht. Das Vorprodukt drehte im Juni um 64 EUT/t nach oben, die Preise der Polymere werden folgen. Einige Verarbeiter hatten mit Blick auf die Spotnotierungen bereits darauf spekuliert und noch im Mai zusätzliche Order platziert. Diese Vorkäufe belebten die Nachfrage, die ansonsten weiter sehr stark von der Corona-Krise geprägt war.

Für PET-Vorprodukte keimen Hoffnungen auf, im Juni die Talsohle erreicht zu haben. Dennoch ist die weitere Entwicklung ebenso unsicher wie die Gesamtlage der weltweiten Covid-Pandemie. Explodierende Fallzahlen in Verbrauchsschwergewichten wie Brasilien und Indien könnten die Importangebote aggressiver tendieren lassen. Immerhin geben steigende Temperaturen in weiten Teilen Europas Hoffnung auf eine Belebung der Getränke-Nachfrage.

KI Preisreport März 2020

Technische Thermoplaste März 2020: Mehrzahl der Typen noch im Rollover / Lediglich Polyamide abwärts / Benzol-Absturz wird April überschatten / E&E-Branche könnte Preisniveau bei POM und PBT stabilisieren

Mit Ausnahme der fortgesetzten Erosion bei den Polyamid-Naturtypen konnten die Erzeuger – gestützt noch von den Quartalsvereinbarungen – die jeweiligen Preise weitgehend durch den März retten. Bei PA 6 sorgte die Überversorgungstendenz beim Basispolymer für eine Abwärtsreaktion, bei PA 6.6 bröckelte das hohe Preisniveau nach der kleinen Verschnaufpause unaufhaltsam weiter. Versorgungseinschränkungen gab es angesichts der eher dünnen Nachfrage nur in geringem Umfang, zumal die chinesischen Anlagen langsam den Betrieb wieder aufnahmen.

Die Einbrüche in der Aromatenstrecke – mit dem um über 400 EUR/t leichter fixierten Benzol an der Spitze – werden den Erzeugern im April sämtliche eventuell geplanten Erhöhungsforderungen im Hals steckenbleiben lassen. Sie werden im Gegenteil Mühe haben, die in der Spitze wohl dreistelligen Abschläge zu begrenzen – und das vor dem Hintergrund schwacher Nachfrage. Lediglich POM und PBT könnten vergleichsweise wenig beeinflusst werden, da der E&E-Sektor noch robust abruft – anders als die am Boden liegende Automobilbranche.

Stattdessen könnte es Versuche geben, mit spekulativem Lageraufbau den Markt etwas zu verknappen. Die Produzenten hoffen bei wieder anziehender Nachfrage im zweiten Halbjahr auf etwas höhere Notierungen. Erstmals fragen Erzeuger den voraussichtlichen Jahresbedarf auch bei den Verarbeitern ab, um besser planen zu können.

 

Standard-Thermoplaste: Preisrückgänge im März werfen Schatten voraus / Drastische Abschläge bei Vorprodukten im April heben Markt aus den Fugen / Nachfrage bei Lebensmitteln und Hygieneprodukten

Schon im März gaben die Vorproduktnotierungen durch die Bank nach, ein Vorgeschmack auf das, was Anfang April folgte. Die Polymere korrigierten zumeist ebenfalls spürbar, weil sich die Lager füllten und Verarbeiter häufig zurückhaltend agierten. Einige Marktteilnehmer versuchten jedoch auch, sich Bestände für eine möglicherweise bevorstehende Kappung der Rohstoffversorgung zu sichern.

Bei Polyethylen kam es durchschnittlich zu Abschlägen von 40 EUR/t, die dem Rückgang bei Ethylen auf dem Fuß folgten. Während sich Virus-relevante Produkte wie Folien und Hohlkörper meist noch behaupten konnten, herrschte bei Spritzgießmaterialien ein höherer Preisdruck aus Distribution und Handel.

Nach dem Rückgang der Propylen-Referenz tendierten auch die Notierungen für Polypropylen nach unten. Bei den Homopolymer-Spritzgießtypen gingen die Preissenkungen angesichts des üppigen Angebots teils sogar über die Kostenermäßigung hinaus, während die Erzeuger bei den knapper verfügbaren Folienqualitäten hier und da leichte Margenverbesserungen erzielen konnten.

Die produzentenseitigen Aufschlagsforderungen für das PVC-Basismaterial wurden mit dem Rückgang bei Ethylen weitgehend obsolet. Nur vereinzelt gab es je nach Quelle und Verfügbarkeit hier und da noch geringfügige Erhöhungen.

Die Notierungen der Styrolkunststoffe rauschten im Windschatten des deutlichen Rückgangs der Styrol-Referenz nach unten und radierten die Anstiege der beiden Vormonate aus. Aufgrund der ausgezehrten Margen wollten die Produzenten einen Teil der Kostenreduktion einbehalten, was ihnen aber nur in begrenztem Umfang gelang.

Die weltweite Krise um den Coronavirus überschattete auch die europäischen PET-Märkte. Der Absturz der Öl- und Petrochemie-Preise wurde fast vollständig ausgeglichen durch eine von Hamsterkäufen von Verbrauchern, Anwendern und Verarbeitern kurzfristig angetriebene Nachfrage. Zudem erschwerten rigide Grenzkontrollen und der Stillstand in chinesischen Häfen die Auslieferungslogistik. Dennoch war genügend Material erhältlich.

Die jüngsten Abstürze der Vorprodukt-Kontrakte – -145 EUR/t bei PX, -175 EUR/t bei C3, -200 EUR/t für C2 und -315 EUR/t im Fall von Styrol – werden für erheblichen Preisdruck sorgen. Zwar werden die Produzenten im April alles versuchen, um den Abschlag bei den Polymeren auf die Hälfte des jeweiligen Vorproduktrückgangs einzugrenzen, sie sitzen aber trotz teilweiser Drosselungen auf vollen Lägern.

Vielmehr werden die Fragen sein, ob die Verarbeiter diese Kaufgelegenheit angesichts eigener gedrosselter oder ausgesetzter Produktion werden nutzen können, und – auf der anderen Seite – in welchem Umfang die Erzeuger Materialien zu diesen Preisen überhaupt zur Verfügung stellen. Denn die Corona-Krise wirbelt das bisherige Preissystem durcheinander. Insbesondere bei den Styrolpolymeren kann der drastische Vorprodukteinbruch nicht wie üblich als Vorlage für Preisgespräche dienen, denn das Niveau würde jegliche Produktion unrentabel machen. Unwägbarkeiten drohen auch seitens der Logistik.

Die seit ein paar Wochen brummende Nachfrage nach Materialien für die Bereiche Lebensmittel und Hygiene wird sich in den nächsten Tagen wohl normalisieren, nachdem die Hamsterkäufe der Verbraucher nachgelassen haben. Aus Sicherheitsgründen versuchen Verarbeiter inzwischen, Materiallieferungen auf mehrere Anbieter zu verteilen.

KI Preisreport Februar 2020

Technische Thermoplaste Februar 2020: Preisstabilität auf breiter Front / Quartalsvereinbarungen stützen / Nachfrage etwas oberhalb der reduzierten Erwartungen / Unterschiedliche Bewegungen im März abzusehen

Stillstand. Stagnation. Starre – aber nur auf den ersten Blick. Die Preise für technische Thermoplaste verharrten im Februar 2020 zwar durch die Bank weg auf dem Vormonatsniveau, zumal langfristige Abnahmevereinbarungen die Notierungen stabilisierten. Untergründig zeichneten sich aber bereits Strömungen ab, die in den kommenden Monaten zu verschiedenen Bewegungen führen werden.

So überwiegt bei PC glasklar und bei PA 6.6 das Abwärtspotenzial. Unter Druck geraten dürfte PC glasklar durch den Absturz der Benzol-Referenz, und bei PA 6.6 stellen das weiterhin hohe Preisniveau und die anhaltende Flaute des Automobilsektors die Weichen für eine Fortsetzung der bisherigen Talfahrt.

Bei PA 6 und PMMA zeichnen sich hingegen Aufschläge ab, die aber wohl erst zum Auftakt des zweiten Quartals zum Tragen kommen werden. In beiden Fällen werfen Aufschlagsforderungen in der Vorproduktstrecke aber ihren Schatten bereits voraus. Auch bei PBT und POM könnten die Preise über kurz oder lang nach oben tendieren, wenn weiterhin unzureichende Importe aus Asien das hiesige Angebot schmälern.

 

Standard-Thermoplaste: Coronavirus dämpft ohnehin vorhandene Kaufzurückhaltung / Gegen Ende Februar kommen erste Erhöhungsforderungen durch / Margenverbesserung steht im März im Fokus

Im Februar überwogen bei den meisten Sorten Kaufzurückhaltung seitens der Verarbeiter und Ansätze zur Margenverbesserung bei den Erzeugern. Letztere griffen nur teilweise und meist erst ab Monatsmitte. Bei Polyethylen reichten die Anhebungsforderungen der Produzenten je nach Type bis zu 30 EUR/t. Diese Ansätze wurden allerdings maximal zu etwa einem Drittel umgesetzt, beispielsweise bei LD- und Standard-LLD-Folien.

Halbherzige Versuche der Polypropylen-Erzeuger, den Margenverfall aufzuhalten, hatten im Februar praktisch keinen Erfolg – zumal Impulse von Kostenseite fehlten. Bei niedrigem Bedarf konnten lediglich einige sehr tief stehende Notierungen angehoben werden, was aber keinen Einfluss auf die KI-Bänder hatte.

Erhöhungsforderungen von 40 bis 50 EUR/t für PVC-Basispolymer waren an der Tagesordnung. Was in den ersten Wochen des Monats noch kaum Niederschlag fand, wurde ab Monatsmitte vermehrt umgesetzt.

Polystyrol, ABS und EPS erreichten mit dem Anstieg der Styrol-Referenz einen neuerlichen Wellenkamm. Die Erzeuger konnten die Kostensteigerung am ehesten zu Monatsbeginn an die Kunden weitergeben. Im weiteren Verlauf sahen sie sich bei zurückhaltenden Käufen zunehmend zu Konzessionen genötigt.

Die PET-Märkte zeigten sich wie erwartet verhalten und standen wegen des Coronavirus zusätzlich unter Druck. Bei Abnahmen auf niedrigem Niveau blieben die Märkte überversorgt. Im Resultat ließen die Preise leicht nach, obwohl die Kosten von PX und MEG fester fixiert worden waren.

Der Abschlag bei der Ethylen-Referenz Anfang März dürfte die Notierungen aller PE-Materialien nach unten drücken. Zwar werden die Anbieter hier – so wie auch bei allen anderen Sorten – einen Teil des Abschlags einbehalten wollen, doch ob das gelingen wird ist fraglich. Die Preissenkung könnte zwar stimulierend wirken, allerdings steht auf der anderen Seite der Bedarf wegen der Virus-Epidemie doch auf eher wackeligen Beinen.

Den PP-Produzenten könnte die voraussichtlich anziehende Nachfrage und der erhöhte Bedarf im langen Produktionsmonat in die Karten spielen, wenn sie versuchen, den Preis trotz des Abwärtstrends der C3-Referenz unverändert zu halten.

Ähnliches gilt für die PVC-Erzeuger, die trotz des C2-Rückgangs am Rollover für Basispolymer festhalten. Unterstützung werden sie aller Voraussicht nach vom verstärkten Abrufverhalten großer Kunden, dem längeren Produktionsmonat und der Saisonvorbereitung erhalten.

Substanzielle Abschläge werden bei den Styrolkunststoffen erwartet. Die erhebliche Kostenreduktion dürfte fast zur Gänze weitergegeben werden müssen, das Kaufverhalten ist derzeit einfach zu schwach.

Grundlegend wird mit Frühlingsbeginn eine Nachfragebelebung bei PET erwartet. Es stellt sich jedoch angesichts der weiterhin schleppend wirkenden Gesamtsituation die Frage, inwieweit Erfahrungswerte derzeit fortgeschrieben werden können. Zudem bleibt die Entwicklung rund um den Coronavirus völlig unberechenbar. Regionale Abschottungen mit Hamsterkäufen und Produktionsstopps erscheinen plötzlich möglich.

KI Preisreport Januar 2020

Technische Thermoplaste Januar 2020: Uneinheitliches Bild / ABS fester, PA 6.6, PMMA und PP-Compounds mit Abschlägen / PA 6-Basispolymere dürften bald auch Compounds anschieben / Nachfrage erholt sich nur langsam

Die Landschaft der berichteten technischen Thermoplaste zeigte sich im Januar uneinheitlich. Während Polyamid 6.6-Qualitäten sowie PMMA und in geringerem Umfang auch Polypropylen-Compounds aus unterschiedlichen Gründen abwärts tendierten, drifteten die kürzlich auf eine neue Komposition umgestellten ABS-Materialien auf der Welle des jüngsten Styrolaufschlags wie üblich nach oben.

Der kleine Nachlass bei PA 6.6 ist der wieder verbesserten Vorproduktverfügbarkeit geschuldet, die sich hier positiv auswirkt. Das Niveau bleibt jedoch hoch. Die zum Jahresende angekündigten Abschläge von bis zu 300 EUR/t werden bis zum Ende des ersten Quartals wohl erst nach und nach eingepreist. Die bislang noch stabilen PA 6-Compounds dürften hingegen vor einer Aufwärtstendenz stehen, nachdem sich die Basispolymere verteuert haben.

Ähnlich wird es für PMMA gehen: Die kommenden Wartungsabstellungen bei MMA in Worms und Wesseling in den nächsten Monaten werden für eine gewisse Verknappung beim zuletzt weicheren PMMA sorgen. Die im Frühjahr zusätzlich erwartete Nachfragebelebung von außerhalb des Automobilbaus dürfte seitens der Erzeuger deshalb mittelfristig wohl benutzt werden, um die Preise nach oben zu schieben.

 

Standard-Thermoplaste Januar 2020: Nach wie vor dominiert die flaue Nachfrage die Märkte / Forderungen der Erzeuger verpufften meist wirkungslos / Im Februar könnten sich erste Folgen der Corona-Epidemie zeigen

Im Januar kam es nur bei wenigen Polyethylen-Berichtstypen zu Änderungen und wenn, dann auch nur in geringem Umfang. Die seit längerem von den Erzeugern angekündigten Aufschläge von bis zu 50 EUR/t verpufften meistenteils, zumal etliche Anlagen mangels Nachfrage nach wie vor gedrosselt liefen. Hier zeigt sich mittlerweile deutlicher die Diskrepanz zwischen integrierten Herstellern und solchen, die das im Rollover belassene Vorprodukt Ethylen zukaufen müssen. Lediglich bei einigen wenigen Quellen und spezifizierteren Qualitäten zeigten sich leichte Anhebungen.

Die C2-Referenz verzeichnete Anfang Februar erneut einen Rollover – früh fixiert wohl aus gutem Grund. Denn es ist sowohl beim Vorprodukt wie auch Downstream mit gewissen Überhangtendenzen zu rechnen, jetzt, wo die chinesische Industrie vom Corona-Virus gebremst wird. Für einen Großteil der PE-Materialien dürfte die Preiskurve deshalb eher nach unten zeigen. Manche spezifizierteren Qualitäten im Spritzgieß-, Blasform- und Rohrbereich könnten sich hingegen stabil halten.

Trotz einiger weniger Versuche, Aufschläge durchzusetzen – insbesondere bei tiefliegenden Notierungen –, kam es zum Jahresbeginn 2020 zu keiner merklichen Bewegung bei den berichteten Polypropylen-Typen, obwohl sich Auffülleffekte beinahe nahtlos an die Vorkäufe anschlossen, die im Dezember zu spüren gewesen waren. Im frei verhandelten Compoundgeschäft stieg der Druck aufgrund der Übermengen im Markt, die Preise ließen demzufolge leicht nach. Bei nur noch leichter Zurückhaltung war die Nachfrage insgesamt jedoch überraschend gut.

Im Februar werden die Erzeuger trotz der stabil verhandelten Vorproduktpreise versuchen, die Notierungen zumindest etwas nach oben zu bringen. Obwohl die Ordertätigkeit dieses Ansinnen zumindest in einigem Umfang stützt, dürfte ein Erfolg sehr fraglich sein. Allenfalls bei sehr tiefstehenden PP-Homopolymer-Preisen könnte es zu Aufschlägen kommen, selbst dann aber nur in Maßen. Die spezifizierten PP-Copolymere könnten hier stärker bedrängt werden, weil weniger Alternativlösungen vorhanden sind.

Aktuell setzt der übliche Lageraufbau bei saisonalen Endprodukten ein, weshalb der produktionsstarke Februar nachfragetechnisch ordentlich sein dürfte, jedoch nicht überborden wird. Letzteres insbesondere weil der Automobilbau wenig abnimmt.

PVC: Trotz der unverändert fixierten Ethylen-Referenz konfrontierte der europäische PVC-Marktführer Inovyn die Abnehmer im Januar 2020 mit Forderungen zur Margenverbesserung, die jedoch zunächst wirkungslos versickerten. Die Abnahmen waren wider Erwarten recht ordentlich, insbesondere Fensterprofile kamen gut voran. Bei den Compounds sorgten leichte Abschläge bei Titandioxid (PVC-U) sowie auch bei Weichmachern (PVC) für minimale Nachlässe.

Für den Februar fehlt es nicht an neuerlichen Ankündigungen für Preiserhöhungen und entsprechenden Drohgebärden. Die Erzeuger wollen die aus ihrer Sicht fortgesetzten Erosion von Preisen und Margen beenden und möglichst auch umkehren. In der harten Faktenbetrachtung dürfte das jedoch zumindest in den ersten Februarwochen noch nicht verfangen, zumal Ethylen weiterhin stabil blieb. Bei Pasten könnte das Ansinnen am ehesten Erfolg haben. Nachfrageseitig wird der Februar geprägt sein vom Lageraufbau bei Fertigwaren.

Die Notierungen der Styrolkunststoffe haben im Januar 2020 wieder nach oben gedreht und damit den Abwärtstrend der drei vorangegangenen Monate beendet. Den Preisen die Richtung vorgegeben hatte die gestiegene Styrol-Referenz. Nach den Margenverlusten in den Vormonaten wollten die Erzeuger im Minimum die Kostenveränderung einpreisen. Bei PS und ABS gelang dies auch weitgehend. Die EPS-Preiserhöhungen erreichten hingegen nicht immer den vollen Umfang des SM-Kostenanstiegs.

Die Nachfrage gestaltete sich durchweg recht ordentlich. Schub brachten Lagerauffülleffekte nach dem Jahreswechsel. Ob sich die gute Nachfrageentwicklung im Februar fortsetzt, bleibt abzuwarten. Einen Dämpfer könnten der neuerliche Anstieg der SM-Referenz im Februar (+50 EUR/t) und die nachgelagert zu erwartenden Aufschläge bei den Styrolkunststoffen bringen. Denn sollten die Verarbeiter auf rückläufige SM-Notierungen im März spekulieren, werden viele von ihnen jetzt nicht mehr PS, EPS und ABS kaufen als unbedingt nötig – und erste Hinweise auf einen möglichen SM-Rückgang im nächsten Monat liefern die Spotpreise.

Im Januar 2020 bestätigte sich die im Dezember 2019 konstatierte Talbodenbildung bei den europäischen PET-Preisen. Die Notierungen blieben meist auf den erreichten Niveaus stehen oder stiegen allenfalls marginal an. Bei kleineren und spezifizierten Mengen der regulären Monatsgeschäfte kam es sogar zu leichten Aufschlägen, meist in Folge der kurzzeitigen Ölpreisaufschläge während der Turbulenzen um die Iran-Konflikte. In der zweiten Monatshälfte ließ der Auftriebsdruck hier jedoch deutlich nach.

Die Aufspreizung zwischen den Notierungen der unterschiedlichen Handelsmodelle sowie Primärwaren und Regranulaten blieb ebenso bestehen wie die strukturell gute Versorgung des Marktes. Die aus den in den Wochen zuvor noch eingetüteten Geschäften ausgelieferten Importe verdrängten weiterhin europäische Waren. Jedoch sind die in diesem Jahr neu justierten Angebote nicht mehr so attraktiv wie zuvor. Derweil änderte sich wenig an der strukturellen Überversorgung, auch weil die Nachfrage weiterhin enttäuschend verlief. Der Markt lag anhaltend im Winterschlaf.

Die Januar-Kosten für die Vorprodukte PX und MEG waren zum Redaktionsschluss noch unklar. Deutliche Impulse sind aber von hier kaum zu erwarten. In den weltweiten Petrochemie-Märkten bleibt der Druck auf die Preise bestehen, die aber ohnehin bereits sehr tief liegen (siehe auch KIWeb vom 09.01.2020). Für den Februar wird daher auch mit wenig Veränderung bei PET gerechnet, zumal die Nachfrage anhaltend schwach eingeschätzt und das Angebot üppig bleiben wird. Die Marktbeteiligten blicken hoffnungsvoll auf den März als ersten Monat der Frühlingssaison.