KI Preisreport April 2024

Technische Thermoplaste April 2024: Maue Nachfrage und geringe Aufschläge schaffen einen balancierten Markt / Trotz gedrosselter Produktion kann die Nachfrage meist erfüllt werden / Erstaunlicher Optimismus für Mai

Eine weiterhin nur maue Nachfrage setzte den Forderungen der Erzeuger enge Grenzen. Der Markt erwies sich insgesamt als zu liquide, und der Benzolkontrakt für April (+37 EUR/t) war den Verarbeitern oft nicht Argument genug, noch höhere Preise zu akzeptieren. Eine Ausnahme bildete PA 6, das durch den Quartalswechsel einen deutlichen Aufpreis erlebte.

Trotz einer gedrosselten europäischen Produktion konnten die Kontrakte, nicht zuletzt dank der Importe, jederzeit erfüllt werden. Der Automobilbau scheint sich, besonders im Premiumsegment, etwas erholt zu haben und orderte mehr Material. Lagerauffüllungen bei Verarbeitern blieben im Großen und Ganzen aber Mangelware.

Für den Mai können die Hersteller mit den bis jetzt erreichten Preiserhöhungen noch nicht zufrieden sein. Deshalb dürften sie erneut versuchen, die Notierungen nach oben zu ziehen. Verarbeiter wiederum melden für Mai eine verbesserte Auftragslage. Gerade in der Automobilbranche und dem E+E-Sektor hellt sich die Stimmung auf. Daher gehen einige KI-Panelteilnehmer davon aus, dass sie im Mai – trotz der zahlreichen Feiertage – mehr produzieren werden und dafür mehr Material benötigen als im April.

Standard-Thermoplaste April 2024: Die Aufschläge bei den Polymernotierungen bleiben meist unter denen des Monomers / PVC und PS erleben leichten Aufwärtstrend / Im Mai dürfte es aber typenübergreifend nach unten gehen

PE: Preisforderungen einiger Lieferanten nach Aufschlägen, die über dem Monomer-Plus von +40 EUR/t lagen, konnten von den Verarbeitern meist rasch abgebogen werden. Denn die Nachfrage blieb auch im April schwach, und das Angebot wurde durch Importe zusätzlich angereichert. Im Ergebnis stiegen die Preise für gut verfügbare Commodities nur leicht. Auch im Mai dürften Aufträge rar bleiben. Denn gesamtwirtschaftlich, so klagen nicht nur die Konjunkturforscher, bewegt sich hierzulande weiterhin viel zu wenig. Nicht zuletzt deshalb stehen die Notierungen für Polyethylen im Mai unter Druck. Durch die Vergünstigung des C2-Kontrakts (-10 EUR/t) dürfte die Richtung für die Preise vorgegeben sein – nach unten.

PP: Im April machten der schwache Bedarf und eine bessere Versorgungslage durch Importe den Anbietern einen Strich durch die Rechnung, die den neuerlichen Anstieg der Propylen-Referenz (+45 EUR/t) vollumfänglich einpreisen wollten. Um Mengen im Markt zu platzieren, mussten sie Abstriche bei der Bemessung der Aufschlagshöhe machen. Die Nachfrage wurde nicht nur dadurch reduziert, dass einige Verarbeiter den Betrieb nach den Osterferien erst mit einer gewissen Verspätung wieder aufnahmen. Auf sinkende Preise müssen sie offenbar gar nicht lang warten. Denn die C3-Referenz gab im Mai um 10 EUR/t nach. Und da es weiter an Nachfrage mangelt und immer neue Importe eintrudeln, können Verarbeiter wahrscheinlich Abschläge im Mai erwirken, die etwas über die Monomerveränderung hinausgehen.

PVC: Den zweiten Monat in Folge zogen die PVC-Notierungen etwas an. Die meisten Abschlüsse folgten der hälftigen Kostenweitergabe des Ethylenkontrakts (+40 EUR/t). Selbst der reduzierte Ausstoß europäischer Anlagen reichte aus, um den schwachen Bedarf zu decken. Eine saisonale Belebung ist punktuell spürbar, rangiert aber deutlich unter dem sonst üblichen Niveau. Was den Ausblick auf den laufenden Monat betrifft, so dürfte die Entwicklung des Ethylenkontrakts (-10 EUR/t) den Aufwärtstrend bei den Preisen wieder beenden. Anbieter werden bemüht sein, das Niveau stabil zu halten. Und auch wenn die Bedarfe der Verarbeiter weiter anziehen, wird das absehbar nicht ausreichen, um den Markt gänzlich in eine Balance zu bringen.

PS: Die Preise der Styrolkunststoffe tendierten im April den dritten Monat in Folge nach oben. Bei Polystyrol beharrten die Anbieter darauf, den  Anstieg der Styrol-Referenz (+44 EUR/t) komplett oder zu großen Teilen einzupreisen. Weder bei PS noch bei EPS oder ABS kommt die Nachfrage in Gang. Zuweilen gab es saisonale Impulse, doch bei allen Werkstoffen blieben die Bedarfe unterhalb der sonst üblichen Niveaus. Dies lag auch daran, dass viele Verarbeiter nicht mehr Mengen als unbedingt nötig kauften. Zu Recht: Im Mai sackte der Styrol-Kontrakt um 111 EUR/t nach unten. Die Preise der Styrolkunststoffe dürften ebenfalls deutlich nach unten gehen.

PET: Nach den Turbulenzen in den beiden Vormonaten rüttelte sich der europäische PET-Markt im April 2024 wieder etwas zurecht. Bei stagnierenden Vorproduktkosten produzierten die europäischen Hersteller auf ansehnlichem Niveau. Importe büßten derweil an preislicher Attraktivität ein. Bei eher geringer Nachfrage boten die europäischen Hersteller moderate Abschläge an. Die europäischen Waren reichen zur Bedarfsdeckung aus, die Vorproduktlage scheint ruhig. Das erste Mal seit langer Zeit greift wieder leichter Optimismus um sich. Rollover oder allenfalls leichte Schwankungen sind das wahrscheinlichste Szenario.